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28. Dezember 2009, 07:30 Uhr

Politiker warnen vor schärferen Sicherheitsgesetzen

Nach dem vereitelten Anschlag von Detroit ist in Deutschland die Debatte über die Sicherheit im Luftverkehr neu entbrannt. Während Politiker aus allen Lagern vor einer Verschärfung der Sicherheitsgesetze warnen, fordert die Polizei bessere Ausrüstung und mehr Personal. Auch die umstrittenen Nacktscanner sind wieder im Gespräch.

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Zwei Polizisten kontrollieren im Flughafen Frankfurt die Abflughallen© Fredrik von Erichsen/DPA

Nach dem Anschlagsversuch auf ein US-Flugzeug haben sich Politiker in Koalition und Opposition gegen schärfere Sicherheitsgesetze gewandt. Der Vorsitzende des Bundestags- Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), verwies in der "Berliner Zeitung" darauf, dass in den vergangenen Jahren bereits viele Sicherheitslücken geschlossen worden sind. Gegen menschliches Versagen würden auch keine schärferen Gesetze helfen, fügte er hinzu.

Die FDP-Innenpolitikerin Gisela Piltz sagte der Zeitung, zunächst müsse untersucht werden, wie der mutmaßliche Täter die Sicherheitsschleusen überwinden konnte. Erst dann könne über Folgen debattiert werden. Der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele sprach sich gegen Verschärfungen aus. Wichtig sei, dass vorhandene Informationen zusammengeführt würden. Dies hätten die US-Behörden offenbar versäumt.

Ablehnung von Nacktscannern

Im "Hamburger Abendblatt" warb Bosbach um Verständnis für verschärfte Personen- und Handgepäckkontrollen. "Die Durchsuchungen an den Flughäfen sind nicht Folge einer Sicherheitshysterie, sondern leider notwendig." Es sei nun Aufgabe technischer Forschung, Durchsuchungsgeräte zu entwickeln, "die Tatmittel leichter erkennbar machen, ohne dabei die Privat- und Intimsphäre der Passagiere zu verletzen", fügte er hinzu. "Die sogenannten Nackt-Scanner erfüllen diese Voraussetzungen bislang nicht."

Auch der Chef der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, forderte eine Weiterentwicklung der Durchsuchungsmöglichkeiten: "Die technischen Möglichkeiten bei der Entdeckung chemischer Substanzen müssen immer auf der Höhe der Zeit sein. Sparen wäre hier im höchsten Maßen verantwortungslos", sagte er dem "Hamburger Abendblatt".

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, forderte mehr Personal für die Kontrolle von Fluggästen: "Wir dürfen uns nicht der Illusion hingeben, dass Sicherheit nichts kostet. Wer spart, reißt Sicherheitslücken", sagte er der "Berliner Zeitung". Auch er wandte sich gegen den Einsatz umstrittener Nackscanner bei den Kontrollen: "Nacktscanner gehen zu weit", sagte Wendt der "Berliner Zeitung". "Sie verstoßen gegen die Menschenwürde. Sie sind auch nicht nötig, wenn mehr Personal eingesetzt wird."

Neuer Zwischenfall in US-Maschine

Unterdessen hat zwei Tage nach dem vereitelten Anschlag ein neuer Zwischenfall auf derselben Flugverbindung nach Detroit für Aufregung gesorgt. Ein aus Nigeria stammender Passagier hatte sich am Sonntag über einer Stunde auf der Bordtoilette eingeschlossen und zu randalieren begonnen, als er zur Rückkehr zu seinem Sitz aufgefordert wurde. Der Pilot habe daraufhin kurz vor der Landung von der Bodenkontrolle Notfallhilfe angefordert, berichtete der US-Fernsehsender CNN. Wenig später gab die US-Bundespolizei FBI Entwarnung. Der Passagier an Bord der Maschine aus Amsterdam habe an den Folgen einer Lebensmittelvergiftung gelitten.

US-Präsident Barack Obama ordnete unterdessen eine Überprüfung an, wie Listen und Datenbanken mit Terrorverdächtigen zusammengestellt und für Sicherheitskontrollen verwendet werden. Die Aktion ging den Republikanern aber nicht weit genug. Sie forderten ein besseres Krisenmanagement des Präsidenten, der im Hawaii-Urlaub weilt, und eine Ansprach an die Nation.

Beobachtungsliste ohne Wert

Der Name des 23-jährigen Umar Faruk Abdulmutallab, der am ersten Weihnachtsfeiertag beinahe einen voll besetzten Airbus in die Luft gesprengt hätte, befand sich zwar auf einer allgemeinen Beobachtungsliste. Dadurch werde aber niemand automatisch näher überprüft, sagte Regierungssprecher Robert Gibbs am Sonntag im US-Fernsehen.

Obama wolle zudem geklärt wissen, "wie eine Person mit chemischem Sprengstoff in Amsterdam an Bord einer Flugzeuges kommen und in die USA fliegen kann", so Gibbs. Der Präsident werde auch an seinem Urlaubsort auf Hawaii fortlaufend unterrichtet, sagte der Sprecher.

Flugzeugbomber in Gefängnis verlegt

Als Konsequenz aus dem vereitelten Attentat wurden die Sicherheitskontrollen bei Flügen in die USA und innerhalb des Landes verschärft. Alle Passagiere mit Ziel Vereinigte Staaten würden nunmehr am Gate abgetastet, berichtete die "New York Times" am Sonntag unter Berufung auf das US-Heimatschutzministerium. Zudem werde das Handgepäck häufiger als bisher überprüft.

Abdulmutallab hatte US-Medienberichten zufolge 80 Gramm des hochexplosiven Sprengstoffs PETN durch die Sicherheitskontrollen am Abflugort Amsterdam an Bord des Delta-Airbus geschmuggelt. Weil ein Zünder nicht richtig funktionierte, entgingen die knapp 300 Menschen an Bord einem Inferno. Passagiere und Crew konnten den Nigerianer schnell überwältigen. Er erlitt schwere Verbrennungen und wurde inzwischen von der US-Justiz angeklagt. Am Sonntag wurde er aus dem Krankenhaus in ein Gefängnis verlegt.

Laut US-Medien wurde der Anschlag von dem Terrornetzwerk al-Kaida im Jemen geplant, die Bombe stamme ebenfalls von dort. Abdulmutallab sei in dem arabischen Land auf die Selbstmordmission vorbereitet worden.

DPA/APD/AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 16)
 
n8g8 (29.12.2009, 00:46 Uhr)
@jetrabbit
Sie müssen das alles nur ganz pragmatisch sehen: Bei ner Drohne spart man nicht nur den Nackt-Scanner, sondern auch die Bestattungskosten für die Soldaten. Und unsere Samariter der Lüfte alias Piltotenvereinigung Cockpit hat da dann auch nix dagegen, da sitzt nämlich erst gar keiner drin, der seinen Kopf riskieren könnte!!! Der Rest interessiert diese Herrschaften nämlich nicht, die schweben alle mit dem Rest der hiesigen Bevölkerung in anderen Hemnisphären dank VUZ!!!
Ist doch eine absolut FAIRE Kriegsführung, wenn von nem bechristbaumten, wohlig warmen Stützpunkt in Nevada aus ganz easy per Knopfdruck Lehmhütten am Hindukusch bombardiert werden, in der eventuell gerade Menschen ne Hochzeit feiern ...
jetrabbit (28.12.2009, 22:49 Uhr)
flugsicherheit hat priorität, das steht ausser frage.
aber, weil sich ein verwirrter student verbrennungen am bein zugezogen hat, muss die ganze welt durch nacktscanner laufen. die drohnen bomber der USA werden im jemen, genau wie im irak, afghanistan, pakistan und somalia durch getötete zivilisten, unzählige neue züchteten.
n8g8 (28.12.2009, 20:44 Uhr)
Spanner-Republik
Es ist doch typisch, dass diese Diskussion wieder einmal künstlich medial inszeniert wird, damit die Industrie ihren Börsen-Profit daraus ziehen kann!!!
Offenlesbar ist das Problem tatsächlich, dass die Informationen über die Privatsphäre jedes einzelnen Fluggastes, die die USA zu Fluggastdaten schon seit Jahren von uns willfährig geliefert bekommt, nicht korrekt auswertet wurden. Oder soll ich besser schreiben: gar nicht ausgewertet werden???
Wer diskutiert hier eine Verbesserung im Sinne der Sicherheit von Menschen (?Fluggäste?), die heute bereits massiv durch Fummel- und Durchleuchtungs-Kontrollen in ihren Grundrechten eingeschränkt werden???
Stattdessen soll diese staatliche Unfähigkeit wieder zulasten der Bürgerrechte geführt und noch mehr ausgenutzt werden, um diese WEITER abzuschaffen!!! Jetzt in diesem Zusammenhang eine Diskussion über Nackt-Scanner zu eröffnen und weiter private und verbeamtete Sicherheitsleute mit Sekundenintervall für jeden Fluggastscan nebst skandalös konzentrationsschwächelnden Arbeitszeiten für die Kontrolleure aufrechtzuerhalten, halte ich für einen billigen Schachzug, den sich nur nimmersatte Ausbeuter um jeden Preis und notorische Spanner ausdenken können.
Aquarius2 (28.12.2009, 19:39 Uhr)
Passt doch
Nachdem unsere demokratisch gewählte Regierung den USA gestattet hat, unsere kompletten Kontobewegungen zu verfolgen, müssen wir uns vielleicht demnächst noch abmelden, wenn wir die Wohnung verlassen.
.
Orwell würde es nicht fassen...
Arioffz (28.12.2009, 13:58 Uhr)
Nichts kann man
leichter kontrollieren und manipulieren wie, mit den Ängsten der Menschen zu "arbeiten"!
endbenutzer (28.12.2009, 13:39 Uhr)
@vanHeart:
"....Und bei dem ausufernden Bürokratie Kult zur Blödheit, ist es auch nicht verwunderlich dass der Extremist........den Geheimdiensten bekannt, Großbritannien ihm kein Visa verlängerte, er aber trotzdem mit einem One Way Ticket in die USA einreisen durfte....."
+
+
Mal spekulieren: Die CIA wusste von seiner Absicht, ließ ihm unbrauchbaren Sprengstoff zukommen, der im Falle eines Falles nicht richtig zünden würde (Siehe Sauerland-Gruppe) und "schickte" ihn auf die Reise. Ergebnis: Die Welt wird wieder an das Thema Terrorismus erinnert und in Angst versetzt, Obama bekommt es mit der Opposition im eigenen Land zu tun (siehe Bericht auf stern.de) und der Ruf in der Bevölkerung nach NOCH mehr Sicherheit wird lauter. Das war's...
vanHeart (28.12.2009, 13:23 Uhr)
Ablehnung von Nacktscanner ist blöd
Die, die sich jetzt immer noch über Nacktscanner wegen ?visueller Peepshow? und ?Entwürdigung des Menschen? empören, sind vermutlich nie geflogen, oder einfach nur spießige Traumtänzer. Die Menschen im Airbus A330 hatten nicht nur viel Glück, sondern auch einen aufmerksamen Passagier, der nicht völlig verblödet annimmt, dass al Kaida, Anschläge, oder lebensbedrohende Gefahren nur Panik-mache der Medien sind.
Ich jedenfalls würde lieber neben einem Passagier sitzen, der vorher nackt die Sicherheitskontrollen passiert hat, oder es immer noch ist, als neben Irgendeinem im Designer Outfit mit Sprengstoff in der Hose. Wer unter Nackt Phobien leidet, und seine Menschenwürde über das Leben andere stellt, sollte einfach zu Hause bleiben.
Und bei dem ausufernden Bürokratie Kult zur Blödheit, ist es auch nicht verwunderlich dass der Extremist, - wieso eigentlich Anschlags-VERSUCH es war einer- nur der Zünder funktionierte nicht ? , den Geheimdiensten bekannt, Großbritannien ihm kein Visa verlängerte, er aber trotzdem mit einem One Way Ticket in die USA einreisen durfte.

OnTheRoad (28.12.2009, 13:00 Uhr)
@flodo
und die Gegenseite:

WOOOOLLLLLT IHRRRR DEN HEILIGEN KRIEG
JAAAA JAAAA JAAA
OnTheRoad (28.12.2009, 12:59 Uhr)
@kepe
Die Schuld für alles und jeden wird doch inzwischen generell bei den USA gesucht, insbesondere als GW Bush noch an der Macht war. Immerhin verstehen sie es nach wie vor der Welt klarzumachen wer das Sagen hat. Desweiteren haben die USA IMHO keine Probleme damit festzulegen, wer deren Land betritt und wer nicht. Nicht wie in anderen Ländern auf dieser Erde, wo die Grenzen für jedermann weit offener sind als jedes Scheunentor.
flodo (28.12.2009, 12:35 Uhr)
WOOOOLLLLLT IHRRRR DIE TOTAAAALE KONTROLLE
JAAAA JAAAA JAAA
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