Brüderle soll für Rösler "Tore schießen"

21. Januar 2013, 15:55 Uhr

Erst befeuerte Rainer Brüderle die Personaldebatte um FDP-Chef Philipp Rösler, nun sehen sich beide als Team. In Berlin erklären sie ihre Aufgabenteilung: Rösler ist Kapitän, Brüderle Sturmspitze.

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Mit der Niedersachsen-Wahl im Rücken konnte Philipp Rösler (r.) sich gegen Rainer Brüderle im FDP-internen Machtkampf durchsetzen.©

FDP-Chef Philipp Rösler und Fraktionschef Rainer Brüderle wollen die FDP bei der Bundestagswahl gemeinsam zum Erfolg führen. Brüderle werde als Spitzenmann der FDP "das Gesicht für die Bundestagswahl 2013" sein, sagte Rösler nach den Gremiensitzungen der FDP in Berlin. Seine eigene Aufgabe sehe er darin, "das Team zusammenzubinden und die Kampagnenfähigkeit zu verbessern". Als Parteivorsitzender komme ihm dabei eine Führungsrolle zu: "Ich werde als Parteichef das ganze Team, das mit dazu gehört, führen", sagte Rösler.

Brüderle bezeichnete das Personalarrangement als "sinnvolle Teamlösung". Er beschrieb die geplante Arbeitsteilung mit einem Fußball-Vergleich: "Kapitän ist der Parteivorsitzende. Sturmspitze ist der Spitzenmann, der vorne Tore schießen soll." Als "Spitzenkandidat" soll Brüderle nicht bezeichnet werden, weil die Partei keine Bundesliste aufstellt. Brüderle und Rösler benutzten stattdessen den Begriff "Spitzenmann". Die Lösung muss nun noch von einem Parteitag abgesegnet werden, der im März stattfinden wird.

Brüderle wollte Entscheidung statt Posten

Brüderle betonte, dass er Rösler nicht den Parteivorsitz streitig machen wolle. "Es war nicht meine Absicht, Parteivorsitzender zu werden", sagte er. Ihm sei es um eine schnelle Klärung und schnelle Entscheidungen gegangen. Mit Rösler sehe er für den bevorstehenden Wahlkampf eine "gegenseitige Vertrauensbasis, auf der wir zusammenarbeiten können". Die Parteigremien stimmten der Personalaufstellung nach Röslers Angaben einstimmig zu. Hinter vorgehaltener Hand gab es jedoch auch Kritik. "Brüderle hat gekniffen", meinte ein Mitglied der erweiterten FDP-Führung.

Zuvor hatte Parteichef Rösler dem 67-jährigen Fraktionsvorsitzenden angeboten, die Parteispitze zu übernehmen. Nach einem Vier-Augen-Gespräch wurde dann vereinbart, dass Rösler FDP-Chef bleibt und Brüderle Spitzenkandidat für den Bundestagswahlkampf werden soll. Rösler sagte, die Arbeitsteilung werde hervorragend gelingen. "Jedem ist klar: Rainer Brüderle und ich sind unterschiedlich. Wir sprechen unterschiedliche Typen an. Wir wollen ja die Stimmen mehren, es soll nicht ein reiner Austausch werden. Dass ein reiner Austausch nichts bringt, haben wir ja an anderer Stelle gesehen."

Rösler sieht positives Signal

Trotz der Leihstimmen von CDU-Wählern wertete Rösler das starke Abschneiden seiner Partei bei der Landtagswahl in Niedersachsen als bundesweit "absolut ermutigendes Signal" für die Liberalen. Das Ergebnis zeige, dass es unabhängig von Umfragen am Wahltag gelingen könne, mit richtigen Themen, Personen und Konstellationen Wahlerfolge zu erzielen. Man könne Niedersachsen zwar nicht vergleichen mit dem Bund. Es sei aber sinnvoll, sich auf das Wesentliche sowie die richtigen Inhalte und Botschaften zu konzentrieren und mit Geschlossenheit voranzugehen, sagte Rösler.

Brüderle hatte noch am Freitag, zwei Tage vor der Wahl in Niedersachsen, in einem Interview den FDP-Chef attackiert und einen vorgezogenen Parteitag verlangt. Das war als Kampfansage verstanden worden.

Rösler will nun auf einem vorgezogenen Bundesparteitag Anfang März erneut um den Vorsitz der Liberalen kandidieren. Im Gespräch ist der 9./10. März. Auch der Bundesvorstand wird neu gewählt. Der 39-jährige Wirtschaftsminister und Vizekanzler führt die Partei seit Mai 2011. Am Sonntag holte die FDP bei der Niedersachsen-Wahl - auch dank vieler Leihstimmen aus der CDU - mit 9,9 Prozent ihr bestes Ergebnis seit der Bundestagswahl 2009. Schwarz-Gelb wurde dennoch abgewählt. In bundesweiten Umfragen liegt die FDP seit Monaten unter der Fünf-Prozent-Marke.

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