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6. Januar 2010, 20:15 Uhr

Parteichef Bisky stellt sich hinter Bartsch

Machtwort von Lothar Bisky: Der Linken-Chef hat Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch im Machtkampf mit Oskar Lafontaine den Rücken gestärkt. "Wir alle brauchen Oskar Lafontaine", sagte Bisky, "aber auch Dietmar Bartsch". Lafontaines Zukunftspläne sind unterdessen weiter offen.

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"Selbstzerfleischung schadet dem Ansehen unserer Partei": Linken-Chef Lothar Bisky© Michele Tantussi/DDP

Im internen Machtkampf bei der Linken hat der Parteivorsitzende Lothar Bisky ein Machtwort gesprochen. Er rief seine Partei am Mittwoch zur Geschlossenheit auf und stellte sich ausdrücklich hinter den umstrittenen Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch. "Selbstzerfleischend übereinander herzufallen, schadet dem Ansehen unserer Partei", warnte Bisky in Berlin. Die Verdienste von Bartsch um die Entwicklung der Partei dürften nicht ignoriert werden.

Bisky reagierte damit auf Berichte, wonach das Verhältnis zwischen Bartsch und dem Parteivorsitzenden Oskar Lafontaine zerrüttet sei. Demnach werden Bartsch unter anderem Indiskretionen in Bezug auf Lafontaines Privatleben vorgeworfen. Stern.de hatte gemeldet, Lafontaine wolle nur dann erneut als Parteichef kandidieren, wenn Bartsch abgelöst werde. Bisky betonte in seiner Erklärung hingegen: "Wir alle brauchen Oskar Lafontaine, aber auch Dietmar Bartsch."

Auch der Vorsitzende der Linken im Thüringer Landtag, Bodo Ramelow, kritisierte die Angriffe auf Bartsch. Offenbar suchten einige in der Partei ritualisiert ein Opfer, bemängelte Ramelow in der "Märkischen Oderzeitung". "Wir haben nach außen Erfolg, also zerlegen wir uns jetzt nach innen."

Lafontaine will sich "zu gegebenem Zeitpunkt" äußern

Unterdessen bleiben die Zukunftspläne des erkrankten Lafontaine vorerst offen. An der Klausurtagung der Bundestagsfraktion der Linken am kommenden Montag wird der 66-Jährige definitiv nicht teilnehmen. Grund dafür seien unaufschiebbare Arzttermine, sagte ein Fraktionssprecher und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Ursprünglich war erwartet worden, dass sich der krebskranke Parteichef bei dem Treffen zu seiner politischen Zukunft äußert. Dies werde er aber "zu gegebenem Zeitpunkt" und nach Rücksprache mit den Ärzten nachholen, versicherte der Sprecher.

Kurz nach der Bundestagswahl hatte Lafontaine überraschend seinen Rückzug vom Fraktionsvorsitz erklärt. Später war seine Krebserkrankung bekanntgeworden, wegen der er im November operiert wurde. Angesichts der Krankheit war darüber spekuliert worden, dass Lafontaine beim Bundesparteitag im Mai in Rostock möglicherweise nicht erneut als Parteichef kandidiert. Deshalb war seine öffentliche Erklärung mit Spannung erwartet worden.

DPA
 
 
KOMMENTARE (4 von 4)
 
tannebaum (08.01.2010, 11:14 Uhr)
ich bin mal zynisch...
...krebs ist eine sehr schlimme krankheit, aber kam für oskar gerade recht.

in der linkspartei machte man offen front gegen ihn und seine statements. das war selbst im spiegel in den letzten monaten viel zu lesen.

er wurde von irgendwem beobachtet. beobachtet, wie er und sarah wagenknecht sich trafen. zu was und wie ist alles offen. aber mal ne frage: wessen methoden sind das und wer profitiert von einer schwächung seiner person?

parallel wurde massiv sein abgang richtung saarland vorbereitet. raus aus berlin, abe in die provinz. saar-napoleon eher nicht, aber als steigbügelhalter oder hoffnarr noch zu gebrauchen. aber das ging auch schief...

letzlich war er schon am ende. und seine krankheit verhalf ihm zu einem "würdevollen" abgang.

ich wünsche ihm gute besserung, aber egal wie gut es ihm wieder gehen wird: politisch ist ende.
n8g8 (08.01.2010, 00:00 Uhr)
@Mitkommentatoren
Sie haben offenlesbar keine Ahnung, was Krebs als Krankheit für einen Menschen bedeutet, dabei meine ich auch die Folgen und die Kraft, die von dem Betroffenen zu einer Genesung aufgebracht werden müssen.
Naja, klar. Ne Bestattung käme den politischen Gegnern sehr, sehr gelegen.
Aber soweit sind wir noch lange nicht!!!
Ich finde es sehr bedauerlich, falls sich Oskar nicht mehr politisch als Parteivorsitzender der Die Linke. engagieren kann. Doch bei einer solchen Erkrankung finde ich die Fokusierung auf die Genesung verständlich. Es geht dabei schließlich um Leben und Tod.
Notfalls wird Die Linke. auch ein, zwei Jahre ohne Oskars Fähigkeiten auskommen können, wenn er dann nach einer Genesung wieder einsteigt.
Die Affäre Bartsch zeigt, dass die Linken es immer noch nicht lassen können, auf ihresgleichen loszugehen anstatt, dass sie ihre politischen Gegner SPD/CDU/CSU/FDP/Grüne angreifen!!! Und solange das so ist, hat diese Partei Oskar Lafontaine und auch Gregor Gysi als Integrationsfiguren dringend nötig.
Ums mal hart aber fair auszudrücken: Wir im Westen können auf Bartsch und Bisky gut verzichten. Die Linke hat zu ihrem Glück genug freche und kompetente, junge Leute, das kann man derzeit bei den BT-Debatten verfolgen. Aber auf keinen Fall möchten wir linke Wessis auf die Rede von Oskar am politischen Aschermittwoch verzichten & auch auf seine sonstigen nicht!!!
Aquarius2 (07.01.2010, 20:26 Uhr)
@tannebaum
Wer hat hier wohl wen "gebraucht, benutzt, ausgespuckt"?
Oskar hat diese Plattform für sich benutzt und hat wohl, gemessen an der Realität, kein langfristig nachhaltiges Konzept.
tannebaum (07.01.2010, 12:47 Uhr)
lafo war der türöffner...
...für die linke im westen. gebraucht, benutzt, ausgespuckt.

aber er tut mir kein wenig leid, denn er hätte es wissen müssen. seine naivität, dass er die ex-kommunisten im griff hat und nicht umgekehrt, ist schon bemitleidenswert...

und die überwachung von ihm und die plötzliche abreise aus berlin, auch wenn die krankheit dazu kam, riecht förmlich nach demontage. da hat jemand etwas in der hand, was oskar zur ruhe zwingt...

und er wird ruhig bleiben.... ganz ruhig.

ps: oskar, geniesse die pension, denn politisch bist du fertig.
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