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16. August 2007, 08:03 Uhr

Operationsgebiet Ostdeutschland

Die Morde von Duisburg scheinen zu belegen, dass die italienische Mafia ihr Operationsgebiet längst auf Deutschland ausgedehnt hat. Und nicht nur auf den Westen. Offenbar nutzt die Mafia gerade Ostdeutschland, um Geld zu waschen - erster Anhaltspunkt war ein mysteriöser Mord in Rostock. Von Manuela Pfohl

"Warum?" Vor dem Restaurant "Da Bruno" in Duisburg haben Nachbarn ein Schild und Kerzen aufgestellt.© Getty Images

Es ist der 2. Dezember 1995. Das Rostocker Restaurant "Rialto" ist voll wie immer. Auch Tisch 7 ist besetzt. Keiner nimmt den Mann wahr, der festen Schrittes auf die Gruppe am Fenster zugeht. Niemand bemerkt, dass er plötzlich eine Waffe zieht und auf einen der Gäste am Tisch zielt. Schüsse fallen. Menschen schreien. Panik bricht aus. Schon drei Tage später ist klar: Bei diesem Mord hat die italienische Mafia ihre Hand im Spiel. Am 5. Dezember teilen die Ermittler mit, dass es sich bei dem Mann, der da mit vier Schüssen hingerichtet wurde, um Mafia-Boss Gerardo Russo aus dem italienischen Francavilla Fontana handelt, ein von Interpol gesuchtes führendes Mitglied der apulischen Mafia Sacra Corona Unita.

Rauschgifthandel und Schutzgelderpressungen

Der Mann sei in seiner Heimat am Rauschgifthandel und Schutzgelderpressungen beteiligt gewesen, informiert die italienische Polizei ihre deutschen Kollegen. In Rostock habe er sich in der Baubranche betätigt. Unauffällig wie sein Mörder. "Als wir den Täter identifizieren konnten, hielt er sich schon wieder in Italien auf. Offensichtlich war er direkt nach dem Mord ausgereist", erinnert sich Ingmar Weitemeier, Chef des Landeskriminalamtes (LKA). "Wir haben in dem Zusammenhang auch wegen Geldwäsche ermittelt. Aber letztlich ließ sich kein dringender Tatverdacht bestätigen." 1998 wurde das Verfahren an die zuständige Spezial-Staatsanwaltschaft für Mafiadelikte im italienischen Lece abgegeben. Dort wird noch immer ermittelt.

Was die Mafia im Osten treibt

Die Untersuchungen in Mecklenburg-Vorpommern hingegen wurden offiziell eingestellt - oder doch nicht? Ende vergangenen Jahres wurde plötzlich wieder über Mafia-Aktivitäten in Mecklenburg-Vorpommern geredet. Die Berliner Zeitung zitierte eine Analyse des Bundesnachrichtendienstes (BND). Danach investiere die derzeit gefährlichste Mafia-Organisation, die Ndrangheta, kriminelle Gewinne in zweistelliger Millionenhöhe in den Erwerb von teuren Hotels, Gaststätten und weiteren Immobilien. Besonders aktiv sei sie in Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern. Entsprechende Erkenntnisse habe der BND von den jeweiligen Landeskriminalämtern. LKA-Chef Weitemeier will das nicht bestätigen. "Wir haben aktuell kein Strafverfahren zu Geldwäsche und Mafia", versichert er.

Der Tod eines weiteren Italieners

Unbeobachtet bleibt das Geflecht aus einigen dubiosen Eiscafes, Pizzerien, Immobilienkäufen und Familienzusammenführungen allerdings nicht. Insiderinformationen zufolge stellen sich die Ermittler beispielsweise auch die Frage, wieso es Gerardo Russo ausgerechnet nach Rostock verschlagen hatte, und vor allem wollen sie wissen, welchen Grund sein Mörder hatte, ihn auf diese Weise, mitten in der Öffentlichkeit zu töten. Handelte es sich bei dem Mord um eine Fehde unter verschiedenen Mafiagruppen. Sollte jemand damit gewarnt werden? Ungeklärt blieb auch der Tod eines weiteren Italieners. Zeitnah zum Russo-Mord wurde er in Rostock mit einer geplatzten Kokainkapsel im Magen gefunden. Gibt es weitere Mitglieder der Mafia in Rostock? "Vieles spricht dafür", sagt der Insider. "Hier wird ganz offensichtlich Geld, das aus kriminellen Geschäften der Mafia stammt, gewaschen."

Wer ist der Drahtzieher?

Seit Jahren schon. Die Rede ist beispielsweise von einem Italiener, der bis heute ganz und gar unauffällig als Angestellter in der Gastronomie arbeitet. "Tatsächlich sollen ihm aber mehrere Lokale in Rostock gehören. Restaurants, die offiziell von Deutschen erworben und geführt werden. Die seien allerdings nur Strohmänner, die regelmäßig sämtliche Gewinne an den unauffälligen Italiener abführen müssen, heißt es. Geld, das wiederum in kriminelle Aktivitäten oder neue Immobilien investiert wird. "Eindeutig" soll auch die Rolle eines Hoteliers sein, der vor allem auf Rügen agiert. "Der hat beim Aufbau seines Vermögens direkt von der Mafia profitiert", behaupten Informanten. Der Mann stehe mitten in der Gesellschaft, habe verschiedene Funktionen, engagiere sich. Man käme man nie drauf, dass der eine Verbindung zum hochkriminellen Milieu hat.

Von Manuela Pfohl
 
 
KOMMENTARE (3 von 3)
 
master_of_chaos (16.08.2007, 11:50 Uhr)
Tja, Herr Schäuble..
mal wieder ein Beweis für ihr Sicherheitspolitisches Versagen.
Anstelle in der Bevölkerung die Angst vor Terroristsichen anschlägen zu schüren und dies als Argument für die Durchsetzung ihrer Vision des gläsernen Bürgers zu nutzen, sollten sie DRINGEND mal Ihren Pflichten nachkommen dafür sorge tragen, daß die tatsächlichen, allgegenwärtigen Bedrohungen und Verunsicherungen der Bürger ein Ende finden.
Und das geht nicht mit dem von Ihnen gepklanten technischen Hokuspokus, der eh die faskchen trifft, das geht in erster Linie mal mit mehr Personal bei der Polizei.
Schon peinlich, daß ein Normalsterblicher ( ich ) jemanden wie sie auf solch eine banale Lösung hinweisen muss.
AxelR. (16.08.2007, 11:37 Uhr)
Vielleicht...
...könnte sich Herr Schäuble mal ganz konkret um Korruption in Deutschland und generell um mafiöse Strukturen kümmern? Die Bedrohung aus der Richtung organisiertes Verbrechen und Korruption ist hierzuland doch wesentlich konkreter, als die Bedrohung durch Terrorismus!
yvonius (16.08.2007, 11:30 Uhr)
Krause
wahrscheinlich hat auch der Mecklenburger ehemalige Verkehrsminister Krause die DDR im Namen der Mafia verkauft um Geld zu waschen?!?!?!
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