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26. März 2010, 16:07 Uhr

Die SPD will wissen, wie die SPD tickt

Das gab es noch nie in der deutschen Parteiengeschichte: Die SPD-Führung schickt allen 10.000 Ortsvereinen Fragebögen zu. Sie will wissen, was die Basis über Inhalte und Führung denkt. Von Hans-Peter Schütz

SPD, Sozialdemokraten, Sozialdemokratie, sozialdemokratisch, Sigmar Gabriel, Andrea Nahles, Mitgliederbefragung, Ortsvereine, Befragung, Umfrage, Parteibasis

SPD-Chef Gabriel lässt Ortsvereine befragen: "Wo drückt der Schuh?"© Lennart Preiss/DDP

Die Umfrage-Aktion, die es in der 150-jährigen Geschichte der Partei noch nicht gegeben hat, läuft unter der Federführung der Generalsekretärin Andrea Nahles und der Bundesgeschäftsführerin Astrid Klug, bis zur Bundestagswahl Staatssekretärin im Bundesumweltministerium bei Ex-Umweltminister Sigmar Gabriel.

Astrid Klug begründete gegenüber stern.de die Aktion: "Die Befragung der Ortsvereine ist die Grundlage für die politische und organisatorische Erneuerung der SPD." Man wolle die Partei nach elf Jahren Regierungsbeteiligung "neu aufstellen". Die Befragung der Ortsvereine, so Klug zu den Genossen draußen im Lande, biete die Gelegenheit, "uns eure Sicht der Dinge kundzutun – offen ehrlich, klar und deutlich."

"Wir beteiligen euch!"

Gabriel selbst appelliert an die Vorsitzenden der Ortsvereine, stark sei die SPD nur, wenn sie geschlossen agiere, miteinander im Kontakt sei und aufeinander höre. Er räumt offen Versäumnisse im Blick zurück ein: "Das war leider nicht immer der Fall." Der neue Parteichef appelliert intensiv an die Basis: "Wir brauchen eure Meinungen, eure Ideen, eure Mitarbeit." Er wolle wissen, so Gabriel zu stern.de, "wo der Schuh drückt.“

Die Ergebnisse der Umfrage werden am 30. Mai in einer bundesweiten Unterbezirks- und Kreisvorsitzenden-Konferenz in der Berliner Parteizentrale diskutiert. Gabriel löst mit der Aktion ein Versprechen ein, das er der Partei auf ihrem jüngsten Parteitag in Leipzig gegeben hatte. "Wir beteiligen euch!" Bestärkt darin hat ihn auch die Tingel-Tour durch die SPD, die er vor diesem Parteitag mit Andrea Nahles absolviert hatte und die ihm nach Ansicht vieler Kenner der SPD sein sehr gute Abschneiden bei der Wahl zum neuen Parteichef eingetragen hat. Bestärkt darin hat ihn auch das positive Echo aus der SPD, das die Parteiführung mit ihrer Umfrage zum Thema Afghanistan erzielt hatte.

SPD-Zentrale kennt den Zustand ihrer Partei nicht

In der SPD-Zentrale räumt man offen ein, über den organisatorischen Zustand der eigenen Partei viel zu wenig zu wissen. Nicht einmal genau bekannt sei, wie viele Ortsvereine es noch gebe, wo Juso-Gruppen existieren oder welche Arbeitsgemeinschaften irgendwo aktiv sind. Ein Insider sagte gegenüber stern.de: "Wird in den Ortsvereinen noch Politik gemacht oder finden dort vor allem Folklore Treffen statt? Wir wissen es nicht." Im übrigen sei es an der Zeit, die SPD der Regierungszeiten an die Arbeit als politische Opposition zu gewöhnen. Zu Regierungszeiten sei die Partei oft auf die Überweisung der Beiträge und das Kleben von Wahlkampfplakaten reduziert worden. "Ansonsten hat man ihnen oft zugerufen: Jetzt haltet aber mal die Schnauze!" Man habe die Basis sehr vernachlässigt, auch in der SPD-Zentrale in Berlin. "Das Gefühl an der Basis ist: Die haben uns elf Jahre lang keinen Deut gefragt."

Der Fragebogen eröffnet den Ortsvereinen viele Chancen, ihre Kritik jetzt in Berlin abzuladen. So wird zum Beispiel danach gefragt: "Was war besonders negativ im Wahlkampf, welche schlechten Erfahrungen habt ihr gemacht?" Abgefragt werden auch die Themen, die für die Partei in den nächsten Jahren besonders wichtig sein sollen. Die SPD will ferner wissen, wo die Basis beim Atomausstieg steht, wie das Bildungssystem verbessert werden soll, wie eine Steuerpolitik aussehen müsste, "die hohe Einkomen und Vermögende stärker als derzeit an der Finanzierung unseres Gemeinwesens beteiligt." Bei jedem Thema soll die Antwort zunächst erfolgen mit Blick darauf, welche Bedeutung es für die Arbeit der Gesamtpartei und des jeweiligen Ortsvereins hat.

Interessant am Rande: Der Fragebogen erkundet sich nicht nach der Akzeptanz der Rente mit 67.

Von Hans-Peter Schütz
 
 
KOMMENTARE (10 von 39)
 
tetrapanax (27.03.2010, 20:45 Uhr)
"Seit Schröder nicht mehr richtig"
ist die Antwort. Und mit Beck, Steinmeier, Gabriel wurde es fast noch schlimmer.
Seit Jahren nicht mehr wählbar, was sie auch versuchen, die Pfeifen um das Michelin-Männchen Sigmar. Diese Fragebogen sind Zeit-, Geld- und Energieverschwendung!
artos (27.03.2010, 18:07 Uhr)
Ganz sicher ist das die SPD..
insbesondere Herr Gabriel nicht richtig ticken!
Das beweist wiedermal sein Vorschlag
die türkische Sprache als Unterrichtsfach einrichten zu wollen.
Warum lehrt man denn nicht in der Türkei das Fach deutsch ?
Da könnten doch die unternehmungslustigen Auswander-Türken Deutschland viel schneller erobern!
Ganz im Interesse des neuen Dschingis Khan Nachfolger - Erdogan!
hotte_m (27.03.2010, 17:25 Uhr)
Die SPD
tickt schon lange nicht mehr richtig, da ist keine Umfrage nötig, nur haben es diese Wegbereiter des zozialen Abstiegs noch nicht gemerkt. Wenn ich nur an Schröder oder Clement denke wird mir übel, und da gibt es immer noch einige andere, die diese Partei an die Wand gefahren haben.
ganzbaf (27.03.2010, 14:46 Uhr)
Nicht die Idee Banken zu verstaatlichen...

ist "unausgegoren", sondern sie NICHT zu verstaatlichen ist fahrlässiger dummfug.
Und das sieht eine Bevölkerungsmehrheit genau so.
erichmonika (27.03.2010, 13:36 Uhr)
Realisten sind das hier nicht
Sonderen Leute, die einerseits noch immer nicht genug haben von dieser Koalition von Murksern und von Populisten wie Ww und andererseits der sog. Linken hinterher laufen, die mit Verstaatlichungsideen und unausgegohrenen Versprechungen, auf dem Markt sind. Da lobe ich doch die solide Politik der SPD. Und die , die Hartz4 hier instrumentalisieren, haben entweder keine Ahnung oder sie sagen die Unwahrheit, denn für viele Langzeitarbeitslose hat Hartz4 eine Verbesserung ihrer Lebensumstände gebracht. Vorher gab es Sozialhilfe, da hat keine Hahn danach gekräht, ob das ausreichend ist.
enneos (27.03.2010, 12:18 Uhr)
@ Blog-Men
Also dass gerade die Union am ehesten die Interessen der Arbeiter vertritt, halte ich für einen Scherz - und zwar einen sehr schlechten.
Aber vielleicht liefern SIe ja die Begründung noch nach. Aber bitte nicht mit solchen Aktionen wie 20 Euro Kindergeld (die dann um ein Mehrfaches aus der anderen Tasche wieder raus gezogen werden).
Seit runden 5 Jahren regiert Angie in der "Waschmaschine". Welche der Entscheidungen unter den Rot-Grünen Schröderianern, die die Arbeiter benachteiligten, wurde denn korrigiert? GIbt es überhaupt einen nennenswerten Politikunterschied seit der Ablösung von Gas-Gerd?
Laramie (27.03.2010, 11:57 Uhr)
War mal SPD Waehler
Ich war mal SPD Waehler und die Hartz Gesetze sind mir eigentlich egal, aber die Rente mit 67 hat mich zur Linkspartei getrieben. CDU und SPD und Gruene sind in ihrer jetzigen Form so halt nicht waehlbar , auch deswegen weil ich eine beteiligung der banken amn der wirtschaftskrise erwarte (und zwar mehr als nur die gruendung einer nicht ausreichenden versicherung fuer den naechsten crash) . Die FDP ist ohnehin nicht waehlbar ( bin weder Multimilliardaer, noch hotelier apotheker etc... ) also bleibt nur noch die Linke ....
Sozimod (27.03.2010, 11:56 Uhr)
Sie Irren sich teilweise...
lieber Blog-Men. Die Linke sind nicht nur für "Hartzies", Sozialismussympathisanten, interessant, sondern für Kleinunternehmer, Juristen ohne große Kanzlei, Arbeiter und Angestellte und Öko`s. Wenn sie sich mit dem Programm der LINKEN wirlich befasst hätten, würden Sie nicht so unsachlich kommentieren. Das neue Programm der LINKEN(wird im Mai verabschiedet), unterstützt meine These.
Die GRÜNEN sind längst nicht mehr die Partei für Frieden und Umwelt. Siehe 7 Jahre Regierung, sowie Koaition mit Hamburg und Saarland. Viele Kommentatoren geben es sachlich wieder. Die SPD wurde vom Seeheimer Kreis kaputt regiert. Es lebe die neue soziale Demokratie! Ich wünsche mir als alter SPD Wähler, dass sie zu ihren Werten zurück findet.

Zur CDU/CSU:
Sie haben bewiesen seit 2005, dass sie zu einhundert Prozent keine Arbeiter Partei ist. Siehe 2008 bei Wirtschaftsaufschwung, haben sie sich selbst bedient, wie die Großunternehmen auch.
Seit 2005 hat der Arbeiter, Arbeitnehmer weniger Geld in der Tasche, schlechtere medizinische Betreuung, Armutsrente garantiert!
Unter dem System Merkel, Kohl, werden 80 Prozent der Menschen in Deutschland benachteiligt!
Blog-Men (27.03.2010, 11:45 Uhr)
@banzbaf... das stimmt!

Ja, Sie haben nicht unrecht.

Die einzig unverwerfliche Lobbyarbeit, nämlich jene für die arbeitenden Menschen im Land, könnte stärker ausfallen, da gehen wir zu 100% konform und insofern würde ich meine absolute Aussage von eben dahingehend abändern, als dass ich feststelle,

"dass die Interessen der arbeitenden Bevölkerung AM EHESTEN bei der schwarz-gelben Koalition vertreten ist".

Politik ist halt immer irgendwo der Versuch, Kompromisse zu finden;
C'est la vie!

Ich bin mir sicher, es würde sich einiges zum besseren wenden, wenn die CDU/CSU/FDP noch entschlossener als bisher ihren Markenkern vertreten würde.

Nationalkonservativ-liberale Interessenpolitik a la Friedrich Merz und Co. gepaart mit einer gehörigen Portion Protektionismus, würde dieser Koalition gut zu Gesicht stehen und Wähler binden, was zugleich eine unabdingbare Voraussetzung ist, eine solche Politik dauerhaft zu implementieren.

Dann braucht die SPD auch gar keine Umfrage mehr zu starken. Sie würde ohnehin in der Bedeutungslosigkeit versinken, weil die Mehrheit der Bevölkerung (soziales Präkariat und illegale Einwanderer z. B. mal außen vor) sich eine solche Politik zu tiefst wünscht.


Mal eine persönliche These:

In 5-10 Jahren geht es bei den innerdeutschen Wahlen nicht mehr in erster Linie um einzelne PARTEIEN, sondern um deren Koalitionsfähigkeit und tendenzielle AusRICHTUNG.

Stehen wir auf der wirtschaftlich vernünftigen und zukunftsorientierten "rechten" Seite mit einem Poltikverständnis von Chancengleichheit, und Entlohnung für erbrachte Leistung, oder fährt der Zug "links" nach Utopia, in Richtung Gleichschaltung, Verstaatlichung und Sozialismus.

Ob es die SPD dann in der Form noch gibt, spielt überhaupt keine Rolle mehr. Die Menschen müssen sich für eine Richtung entscheiden und so lange Geld nicht auf Bäumen wächst, sondern dem wirtschaftlichen Erfolg entspringt, wird nur die "rechte" Ausrichtung Wohlstand bringen.

Die Niederlande werden in diesem Jahr noch Vorreiter sein für das, was ich der BRD mittelfristig prognostiziere.

Der konservativ-national-liberale Block steht dort auch der sozialistischen Front gegenüber. Und die Menschen werden sich nicht für den Sozialismus entscheiden.

Es muss den großen Parteien aber gelingen, mehr Vertrauen in die Bürger zu stecken. Direkte Demokratie ist dafür ein gutes und erstrebenswertes Mittel, um deren Interessen zu erkunden.

Lasst darüber in den Ländern abstimmen, ob alle weiterführenden Schulen nach Willen der SPD zusammengefasst werden sollten, als Einheitsschule!

Lasst uns doch den Mut aufbringen, einmal zu fragen, ob z. B. straffällige Ausländer (alles ab einer Sanktion von mehr als 6 Monaten auf Bewährung) unverzüglich abgeschoben werden sollen!

Lasst das Volk direkt entscheiden, ob integrationsunwillige Einwanderer ohne jedwede Qualifikation alimentiert werden sollten!

...

b747f (27.03.2010, 11:29 Uhr)
WANN ENDLICH
begreifen unsere 'lieben' Politikerinnen und Politiker sich für die Republik einzusetzen statt nur sich mit sich selbst zu beschäftigen? Auf diese Frage hätte ich gerne eine Antwort! Geht das noch vor Ostern? Oder schlägt die Stunde der Wahrheit erst nach der NRW-Wahl?- Und ich bin mir da sehr sicher, dass die Politik dann komplett zu Stillstand kommt. Wetten?
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