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28. Mai 2008, 09:31 Uhr

"Nur Gysi kann der IM gewesen sein"

Marianne Birthler, Chefin der Stasi-Behörde, lässt nicht locker: Erneut hat sie ihre Vorwürfe bekräftigt, Linke-Fraktionschef Gregor Gysi sei Zuträger für die DDR-Staatssicherheit gewesen. "Nach Aktenlage kann nur er ein bestimmter IM gewesen sein." Nun beschäftigt sich der Bundestag mit dem Fall.

Der Linke-Fraktionschef Gregor Gysi bestreitet die Vorwürfe, ein IM gewesen zu sein© Arno Burgi/DPA

Die Leiterin der Stasi-Unterlagenbehörde, Marianne Birthler, hat Linke-Fraktionschef Gregor Gysi erneut Zusammenarbeit mit dem Staatssicherheitsdienst der DDR vorgeworfen. Die betreffenden Unterlagen sind "zu einem IM (Inoffizieller Mitarbeiter), und der kann nach Aktenlage nur Gregor Gysi gewesen sein", erklärte Birthler im ARD-"Morgenmagazin".

Der Bundestag befasst sich nun auf Antrag von Union und SPD mit der DDR-Anwaltstätigkeit Gysis und seinen angeblichen Stasi-Verbindungen. Birthler sagte, inzwischen lägen ihrer Behörde Erkenntnisse vor, dass "eine wissentliche und willentliche Unterrichtung des Ministeriums für Staatssicherheit stattgefunden hat - und zwar durch Gregor Gysi über unter anderem Robert Havemann". Sie widersprach Aussagen Gysis, die Informationen in den Akten könnten möglicherweise ohne sein Zutun durch Abhöraktionen gewonnen worden sein.

Zu diesem Zeitpunkt sei die Wohnung des damaligen Regimekritikers Robert Havemann nicht elektronisch überwacht worden, sagte Birthler. "Es gibt aus diesem Zeitraum keine Überwachungsberichte. Die Unterlagen, die wir hier haben, sind ja auch überschrieben: Aus gezieltem IM-Einsatz wurde bekannt." Die Vorwürfe beziehen sich auf ein Treffen des Anwalts Gysi 1979 mit seinem damaligen Mandanten Havemann in Anwesenheit eines dritten Mannes.

Gysi bestreitet Vorwürfe

Gysi hatte kürzlich seine Berufung gegen die Veröffentlichung der Dokumente darüber zurückgenommen, da sie schon längst publik seien. Gysi bestreitet die Vorwürfe Birthlers. Er habe zu keinem Zeitpunkt wissentlich und willentlich mit der Staatssicherheit zusammengearbeitet.

Thomas Strobl (CDU), Vorsitzender des Immunitätsausschusses im Bundestag, der CDU-Abgeordnete sieht indes nicht nur Gysi durch vermutliche frühere Stasi-Tätigkeit diskreditiert. "Gysi ist - was seine Tätigkeit für den Staatssicherheitsdienst betrifft - innerhalb der Linken kein Einzelfall", sagte er in einem Interview mit der "Leipziger Volkszeitung". "Die Birthler-Behörde hat nach der letzten Bundestagswahl darauf aufmerksam gemacht, dass nach Aktenlage von den 53 Mitgliedern seiner Fraktion mindestens sieben ehemalige informelle Mitarbeiter der Staatssicherheit seien."

AP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 24)
 
Madge (31.05.2008, 09:50 Uhr)
Ach wie werd ich triumphieren...
Ach wie werd’ ich triumphieren
Wenn Sie Euch zur Richtstatt führen
Und die Hälse schnüren zu
Und die Hälse schnüren zu
(Osmin in der Entführung aus dem Serail)
Der ganze Aufarbeitungsprozess war schon zu Beginn der 90er Jahre eine Farce und ist es – je mehr Jahre ins Land gehen – umso mehr geworden. Der Stasi-Vorwurf – hier wird er auch noch mit dem Vorwurf der Systemnähe vermischt und verwechselt – ist eine Waffe, ein Instrument, nichts anderes.
Außerdem scheint es mit zum erklärten Ziel der DDR-Aufarbeiter zu gehören, die NS-Vergangenheit über die DDR-Vergangenheit gleich mit zu entsorgen und sie gleich zu setzen. Frau Birthler – von Beruf her eigentlich Katechetin – war schon immer eine überzeugte Antikommunisten, wie auch Gauck vor ihr und eben auch Hubertus Knabe, der ja immerhin mal ein Grüner und Linker war. Diese politische Einseitigkeit und der Kampf um Geld und Pfründe, der mit dem Aufarbeitungsgeschäft verbunden ist macht alles zweifelhaft und unglaubwürdig.
Wer die DDR ein bisschen kennt, dem ist auch Gysis Argumentation plausibler als Birthlers Einlassungen. Die Frau war immer politisch ziemlich unbeleckt.
Evil-King (29.05.2008, 11:05 Uhr)
@ TomH
Das mag ja stimmen. Von mir aus kann der auch Honecker persönlich den Arsch nach'm Klogang abgewischt haben.
Leute wie du regen sich drüber auf, dass irgendwer in der DDR spioniert hat, akzeptieren aber die zugegebene Spionage von Schäuble & Co.
Da stimmt doch irgendwas nicht...
Statt irgendwelche Informanten (die nur Informationen gesammelt haben) zu verfolgen, sollte man sich mal um die wichtigeren Dinge im Leben kümmern. Wen interessieren ehemalige Spione, während im Hier und Jetzt tagtäglich Kinderleichen gefunden werden, Leute auf offener Straße zusammengeschlagen werden usw...
Oder ist es etwa schlimmer, Geheimnisse aus zu plaudern als Kinder zu ermorden?!?!?!?!?
Die DDR ist Vergangenheit, gestorben, Fini...
Man sollte sich wohl eher über Leute aufregen, die heute hier und jetzt meine Telefongespräche abhören, meinen Rechner durchsuchen usw. OHNE meine Erlaubnis zu haben!
SteinMain (29.05.2008, 09:50 Uhr)
Hätte, sollte und "kann nur"
Ist diese Stasi-Akten-Verwalterin denn eigentlich nicht verpflichtet, ihre Behauptungen zu belegen, also Papiere auf den Tisch zu legen ??
Ausserdem, die DDR ist doch jetzt 18 Jahre her, warum sind denn die ganzen Stasi-Akten noch nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden ?
Vieleicht weil man z.B. vor der Bayrischen Landtagswahl einen kleinen Gag damit veranstalten kann ?
Administrator (29.05.2008, 09:02 Uhr)
@ecomoc4u
Liebe/r ecomoc4u,
vielen Dank für Ihren Beitrag. Wir haben an dieser Stelle keinen, also auch nicht Ihren, Beitrag gelöscht. Haben Sie vielleicht unter einem anderen Artikel mit ähnlichem Thema gepostet? Sollte dies nicht der Fall sein, so prüfen Sie bitte die Einstellung Ihrer Cookies.
Herzliche Grüße,
Ihre stern.de-Admins
sternenhagel (29.05.2008, 04:48 Uhr)
Fragwürdig
Für wen arbeitet eigentlich diese Frau Birthler, wer finaziert sie und in wessen Interesse. Legt doch mal die Akten der anderen Spitzelverereine offen, BND, VS, Mad, Lidl und co, Siemens, Telekom naja wahrscheinlich der größte Teil der Großunternehmen. Ich bin neugierig, was da alles rauskommt.
ecomoc4u (29.05.2008, 02:43 Uhr)
wo ist mein kommentar
schon wieder.
.
nur weil mann die wahrheit in ein paar stichpunkten zusammenführt. wahrheit bleibt immernoch wahrheit.
adi35 (28.05.2008, 21:14 Uhr)
Lieber einen Ex - Stasi Gysi
als neue Mielkes/ Schäuble oder Filbinger/Oettinger oder auch Politiker die ständig Ihre Meinung ändern wie Beck, Nahles , Pofalla und Konsorten
Die Liste lässt sich sicherlich wahllos fortsetzen über Glos, Seehofer etc.
Das ganze ist doch nur eine Ablenkung von eigenen Schwächen um sich ein paar Wahlprozente zu sichern
Aber eins ist sicher 2009 kommt der ganz große Hammer für CDU und SPD!
Ob uns nun Beck oder Lafontaine abzockt ist doch völlig egal.
Wenn es schon ans abzocken geht, dann wünsche ich den Linken mindestens 25% und SPD nur noch 15% für Ihre so tolle "Gradlinigkeit".
Profilloser als im Moment war die SPD noch nie! Willi Brandt dreht sich im Grab um! Schämt Euch!
TomH (28.05.2008, 21:05 Uhr)
Akzeptiert es halt endlich...
Das Gysi mit dem Regime zusammengearbeitet hat. Aber nein, das würde ja das Kartenhaus des schönen Anti-Kapitalismus zerstören...
Arme weltfremde Verwirrte...
brainspam (28.05.2008, 20:28 Uhr)
eine Frage hab ich noch
Noch mal zum Nachdenken: Man nutzt Aufzeichnungen von Kriminellen als Beweismittel und wertet deren Wahrheitsgehalt nahezu als oberste richterliche Instanz. Da stimmt doch was nicht, oder?
Asteriskina (28.05.2008, 19:48 Uhr)
Tribunal
bisher war es immer so, dass Legislative, Judikate und Exekutive strikt getrennte Bereiche waren. Wer heute die aktuelle Stunde verfolgen konnte, sah ein beängstigendes Schauspiel und ein selbsternanntes Tribunal. Was passiert hier in der BRD eigentlich? Ich bin wahrlich niemand, der den Linken nahesteht, aber so geht es nicht. Man muss sich sorgen umd das Land und auch die Medien, sie funktionieren nicht mehr. Auch sie gehören auf den Prüfstand, wenn es zu einem solchen Prozedere keinerlei kritische Stimme gibt. Auch mit einem Machtgepoker lässt sich so etwas nicht entschuldigen. Was da heute abgelaufen ist, muss jeden Demokraten zutiefst erschrecken.
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