. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 
1. Februar 2010, 20:03 Uhr

Die Kanzlerin greift durch

Ihr Vorgänger hat "Basta" gesagt, wenn es zu bunt wurde, und auch von Angela Merkel wünscht sich der ein oder andere klare Ansagen. Zum Wochenstart gab es davon gleich mehrere.

Merkel, Pinkwart, Steuersünder-CD, Basta, Westerwelle, Rüttgers, Zusatzbeiträge, 192018

Da geht's lang: Die Kanzlerin weist ihrer Koalition den Weg, endlich möchte man sagen© Axel Schmidt/DDP

Nach monatelangen Vorwürfen, sie würde Koalitionsstreitigkeiten nur aussitzen, hat Angela Merkel am Montag in mehreren Punkten die Richtung vorgegeben. So beschloss die Bundeskanzlerin, dass das umstrittene Gesetz zur Mehrwertsteuersenkung für Hoteliers nicht mehr geändert werde. Auch die Zusatzbeiträge für die Krankenkassen werden vorerst nicht auf den Prüfstand gestellt. An die Steuersünder-Datei aus der Schweiz will die CDU-Vorsitzende allerdings unbedingt heran.

Die Mehrwertsteuersenkung für Hoteliers, die seit Januar in Kraft ist, war vor allem in Nordrhein-Westfalen unter Beschuss geraten. Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Andreas Pinkwart forderte eine Rücknahme des Gesetzes, weil es vor allem einen unzumutbaren bürokratischen Mehraufwand bedeute. Dafür erhielt er Rückendeckung von Ministerpräsident Jürgen Rüttgers von der CDU. Merkel stellte unmissverständlich klar: "An diesem Gesetz wird jetzt nichts geändert." Es habe keinen Sinn, über die einzelnen Elemente des facettenreichen Wachstumsbeschleunigungsgesetzes zu sprechen, das die Mehrwertsteuersenkung für Hoteliers enthält. An die Adressen von Rüttgers und Pinkwart fügte sie hinzu: "Das weiß auch die Regierung von Nordrhein-Westfalen, insbesondere der Ministerpräsident." Merkel zeigte sich lediglich bereit, über "mögliche vernünftige Ausführungsbedingungen zwischen Bund und Ländern" zu reden.

Ihr Vizekanzler, FDP-Chef Guido Westerwelle, stärkte ihr den Rücken, indem er Pinkwarts Haltung als "Einzelmeinung" herabstufte. Auch Westerwelle will lediglich bürokratische Nebenwirkungen abfedern. So müssten die "Nebenleistungen" zur Hotelübernachtung in einem Paket zusammengefasst werden, damit Reisende keine Probleme bei der Abrechnung hätten, sagte er. Für Dienstreisende ergeben sich Schwierigkeiten aus der Tatsache, dass Übernachtung und Frühstück auf der Rechnung wegen des unterschiedlichen Mehrwertsteuersatzes nun getrennt aufgeführt werden.

Auch Zusatzbeiträge unausweichlich

Auch die Kritik an den Zusatzbeiträge für die Krankenkassen ficht Merkel nicht an. Sie ließ verbreiten, dass die Beiträge nun einmal Teil der Gesundheitsreform seien, die die Große Koalition in Kraft gesetzt hat. Die Sprecherin des Gesundheitsministeriums sekundierte, indem sie vor "Aktionismus" warnte. Um eine weitere Reform, mit der mögliche soziale nachteilige Auswirkungen abgefedert werden können, soll sich eine Kommission in den nächsten Monaten kümmern.

In dieser Frage kann Merkel allerdings nicht auf die Rückendeckung ihres Vizekanzlers zählen. Westerwelle forderte die Regierung indirekt auf, die Zusatzbeiträge zurückzunehmen. Wenn die Union zu einer Abschaffung oder Aussetzung der Zusatzbeiträge die Initiative ergreife, "stehen wir für Gespräche zur Verfügung", bot er an. Schließlich wolle er "diese Erblast von Schwarz-Rot nicht verteidigen".

Klartext Nummer drei

Einen klaren Standpunkt vertrat Merkel auch in der Frage der Steuersünder-Datei aus der Schweiz - hier kann sie immerhin auf Erfahrung aus der Großen Koalition zurückgreifen. Bereits der damalige Finanzminister Peer Steinbrück hatte Daten aus Liechtenstein mit ihrer Billigung gekauft. Zu dem neuen Fall sagte sie: Es müsse "alles versucht werden, um an die Daten heranzukommen". Denn natürlich müsse Steuerhinterziehung geahndet werden. Dazu müsse man vor allem Gespräche mit den betroffenen Ländern führen, um den Weg dazu zu ebnen.

Der Sprecher von Finanzminister Wolfgang Schäuble deutete an, dass der Staat die Datei wahrscheinlich kaufen werde. Die Entscheidung, wie man vorgehe, werde sich am Liechtensteiner Fall orientieren und zügig fallen. Vor zwei Jahren hatte der BND einen Millionenbetrag für eine Datensammlung aus Liechtenstein gezahlt, die Hunderten deutschen Bürgern Steuerhinterziehung nachwies.

Im neuen Fall geht es um eine CD mit brisanten Steuerdaten über rund 1500 Deutsche, die Geld in der Schweiz angelegt haben. Umstritten ist, ob sie für rund 2,5 Millionen Euro vom Staat angekauft werden soll. Hier mahnte Westerwelle mahnte allerdings eine "rechtstaatlich saubere" Vorgehensweise an. Der Staat würde sich sonst zum Mittäter von Dieben machen, warnte er.

Claudia Kemmer, APN
 
 
KOMMENTARE (10 von 11)
 
psion13 (01.02.2010, 22:12 Uhr)
Jagd auf Steuerhinterzieher?
Wie wäre es denn, wenn Frau Merkel & Co endlich einmal Jagd auf Steuergeldverschwender machen würde!

Da könnte sie gleich bei sich selbst und der Bundesregierung anfangen. Dagegen sind die wenigen Millionen ? der Steuerhinterzieher peanuts.

Aber viele Politker zeigen gerne auf andere Bürger um von sich selbst abzulenken!!!
doit (01.02.2010, 22:00 Uhr)
Warum ist diese CD noch nicht im Internet veröffentlicht ???
am Geld - schlappe 2,5 mio - kann es doch nicht liegen. Müssen wir erst sammeln um an die Daten zu kommen, die min 80% lesen wollen? Wo ist unsere Bildzeitung? Los, bietet 3mio und sagt uns die Namen.
phaiax_pirata (01.02.2010, 21:43 Uhr)
Adressendaten...
Weiß eigentlich jemand, was passiert, wenn ein professioneller Adressenhändler (z. B. eine Direktmarketing-Agentur) sich solche Adressen beschafft und verwertet? Die gesamte Branche würde öffentlich hingerichtet werden (sinnbildlich), Datenschützer und Politiker (!!!) würden öffentlich Sturm laufen und nach schärferen Gesetzen schreien (ich weiß, wovon ich rede, und was das Geschrei für Auswirkungen hatte und hat). Und was machen ebendiese Politiker, wenn sie an illegal beschaffte Daten kommen können? Sie kaufen und verwerten sie. Und wir, die wir legal mit Adressen handeln, werden wie Schwerverbrecher abgestraft. Möge mir mal einer erklären, wo da die Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit steckt!
Maeus (01.02.2010, 21:39 Uhr)
Meinungsmache
a la stern: Die Kanzlerin greift durch. Glauben Sie das eigentlich selber?
Omom (01.02.2010, 21:34 Uhr)
Datenkauf aus Sicht von Schwarz-Gelb möglicherweise das kleinere Risiko
Die Regierung wird meines Erachens die CD mit den Namen der Steuersünder schon alleine deswegen erwerben, weil so verhindert wird, daß diese Daten möglicherweise in aus Regierungssicht "falsche Hände" gerät:

Man stelle sich einmal vor, die Adressen und die Höhe der von den einzelnen Steuersündern hinterzogenen Steuern würden beispielsweise Attac zugespielt werden. Dann käme ans Tageslicht, welche konkreten Personen (möglicherweise viele prominente neoliberale "Leistungsträger") sich der Steuerhinterziehung schuldig gemacht haben.

Durch den Kauf dieser CD lassen sich die Namen der Steuerhinterzieher deutlich einfacher vertuschen. Gegen Steuernachzahlung werden diese im Falle der Selbstanzeige den Kopf weitestgehend unbeschadet aus der Schlinge ziehen.

Logan5 (01.02.2010, 21:24 Uhr)
In allen Punkten falsch entschieden.
Mehr gibts dazu nicht zu sagen.
Laramie (01.02.2010, 20:54 Uhr)
@XenaWilloughby
Die Steuerbetrueger von der CD sind bestimmt nicht von "unsozialer Steuergesetzgebung" in deutschland betroffen, sie profitieren eher davon , aber das ist ihnen halt noch nicht genug.
facilidad_de_ser (01.02.2010, 20:51 Uhr)
@Rainhelt
Das muss nunmal leider so teuer sein, dass die Pharmalobby weiterhin in Deutschland die dreifachen Preise für Medikamente aufrufen kann, als im europäischen Ausland.

XenaWilloughby (01.02.2010, 20:47 Uhr)
Mama sagt basta?
erstaunlich und kaum zu glauben...
Sie ist sich aber bestimmt nicht sicher, uns würde das jedenfalls überraschen.
Was die Steuer-CD angeht:
hätte Deutschland nicht so viele unsoziale Steuergesetzte dann würde es diesen Zustand erst gar nicht geben.
Peinlich ist es für Politiker, daß sie zuerst Lücken und jede Art von Schmu erlauben und dann wiederum 2.5 Moi ausgeben um ihre Papenheimer zu fangen. Peinlich peinlich mal wieder, meine Damen und Herren in Berlin!
knilch_59 (01.02.2010, 20:46 Uhr)
Anders Super!
Nachdem das, was sie gemacht hat, Muks ist, läutet sie jetzt die nächste Stufe der Inkompetenz ein: Denkverbote und mentale Totenstarre für Alle.
.
Super - Angie!!!
MEHR ZUM ARTIKEL
FDP-Vorstöße Pinkwart, Panik, Peanuts

Die Umfragewerte sind alarmierend, Panik macht sich breit. Die FDP in NRW kämpft mit der Fünf-Prozent-Hürde. In dieser misslichen Lage kann Partei-Vize Andreas Pinkwart den Vorwurf der Klientelpolitik gar nicht gebrauchen, und so will er unpopuläre Tatsachen ungeschehen machen. Da sagt sogar die Kanzlerin mal "Basta". mehr...

Steuersünder-CD Regierung plädiert für den Kauf

Kanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble wollen die CD mit Daten von mutmaßlichen deutschen Steuersündern wenn irgend möglich kaufen. Auch wenn die Schweiz heftig protestiert: Lässt es die Rechtslage zu, wird der Bund die geforderte Millionen-Summe wohl zahlen. mehr...

Mehrwertsteuersenkung für Hotels Merkel bremst Rüttgers und Pinkwart aus

Kanzlerin Angela Merkel hat ein Machtwort gesprochen: Die Steuervergünstigung für Hotels bleibe, lediglich Änderungen bei der Umsetzung seien diskutabel. Damit stellt sie sich offen gegen die schwarz-gelben Wahlkämpfer aus Nordrhein-Westfalen. mehr...

 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe