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1. Februar 2010, 07:29 Uhr

Pinkwart beharrt auf Rücknahme

Geschlossenheit sieht anders aus: Der Vorschlag einer Rücknahme der Mehrwertsteuersenkung für Hotels sorgt für Zwist in der schwarz-gelben Koalition in Berlin. Inzwischen können sich auch erste Unionspolitiker mit dem Gedanken anfreunden. Der Auslöser der Debatte legte unterdessen noch einmal nach.

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Will die Steuervergünstigung für Hotels wieder kippen: FDP-Vize Andreas Pinkwart© Julian Stratenschulte/DPA

Unbeeindruckt von der Kritik aus der FDP-Spitze hält der stellvertretende Parteivorsitzende Andreas Pinkwart an seiner Forderung nach Rücknahme der umstrittenen Mehrwertsteuersenkung auf Hotel-Übernachtungen fest. "Ich finde, gute Politik zeichnet sich dadurch aus, dass sie in der Lage ist, sich zu korrigieren, wenn sie feststellt, dass Gesetze den Praxistest nicht bestehen", sagte der stellvertretende nordrhein-westfälische Ministerpräsident am Montag.

Es sei zwar ein guter Ansatz der schwarz-gelben Koalition gewesen, die Mehrwertsteuer auf Dienstleistungen zurückzuschrauben, um Beschäftigung zu sichern. Die Umsetzung sei jedoch in einer Weise geschehen, "dass sie sich eher als bürokratisches Monster erweist". Die FDP müsse mit dem Koalitionspartner Gespräche führen, um die Regelung zu stoppen. Dies wolle er dem Präsidium seiner Partei vorschlagen.

Jede Menge Kontroversen

Der Vorstoß hat in Berlin derweil eine Kontroverse in der schwarz-gelben Koalition ausgelöst. Der stellvertretende Unionsfraktionschef Michael Fuchs sprach sich ebenfalls dafür aus, zumindest auf mittlere Sicht die Mehrwertsteuerermäßigung für Hoteliers wieder zu kippen. FDP-Fraktionschefin Birgit Homburger wies die Forderung dagegen zurück. Die Opposition sprach von einer Verzweiflungstat der NRW-Regierungsparteien angesichts der schlechten Umfrage-Ergebnisse vor der Landtagswahl im kommenden Mai.

Der CDU-Wirtschaftspolitiker Fuchs sagte der "Financial Times Deutschland": "Wir sollten die Ermäßigung für Hoteliers, die ich immer schon für falsch gehalten habe, im Zuge einer großen Mehrwertsteuerreform zurücknehmen." Dann werde neu entschieden, für welche Produkte und Dienstleistungen künftig der ermäßigte Steuersatz gelten soll. Die jetzigen Regelungen seien zum Teil unsinnig und ungerecht. Fuchs wandte sich aber gegen ein sofortiges Aussetzen der Mehrwertsteuervergünstigung, wie sie Pinkwart verlangt hatte.

Der Düsseldorfer Regierungschef Jürgen Rüttgers (CDU) unterstützte den Vorstoß Pinkwarts - und bringt damit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Ende der 100-Tage-Schonfrist der Bundesregierung in Bedrängnis. Der CDU-Vize betonte: "Es ist gut, dass Herr Pinkwart gesagt hat, dass die Absenkung der Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen ein Fehler war." Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen wird am 9. Mai ein neuer Landtag gewählt. Die Koalition aus CDU und FDP muss nach Umfragen um ihre Mehrheit bangen.

SPD will namentliche Abstimmung von NRW-Abgeordneten

Unterdessen will SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann die NRW-Abgeordneten von Union und FDP im Bundestag namentlich über die Rücknahme der Hotel-Steuersenkung abstimmen lassen. "Die Steuersenkung ist eine der größten Fehlleistungen dieser Bundesregierung", sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung". "Wir haben deshalb bereits in der vorigen Woche einen Antrag eingebracht mit dem Ziel, dass das rückgängig gemacht wird."

Die SPD werde "diesen Antrag noch vor Ostern zur namentlichen Abstimmung bringen. Dann müssen auch die nordrhein-westfälischen Abgeordneten Farbe bekennen und sich zwischen dem Gemeinwohl und Klientelinteressen entscheiden", sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion.

Der FDP-Generalsekretär Christian Lindner mahnte im ZDF "Berechenbarkeit in der Koalition" an. "Insgesamt glaube ich, dass wir nicht gut beraten sind, den reduzierten Mehrwertsteuersatz jetzt wieder einzupacken", sagte Lindner. Erste positive Auswirkungen seien bereits sichtbar. Jeder zweite Beherbergungsbetrieb wolle investieren. Allenfalls an den Ausführungsbestimmungen lasse sich noch etwas ändern. "Wo es hakt, da kann man praxistauglicher werden."

Auch die FDP-Fraktionschefin wies die Forderung ihres Parteikollegen Pinkwart nach Aussetzung der günstigeren Mehrwertsteuer im Hotelgewerbe zurück. "Wir bleiben bei unserer verlässlichen Wirtschafts- und Steuerpolitik", sagte Homburger der "Rheinischen Post". Zugleich kündigte sie eine Reform des Mehrwertsteuersystems in Deutschland für den weiteren Verlauf der Wahlperiode an.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 15)
 
MBALZ (02.02.2010, 12:39 Uhr)
Erstmal die eigenen Parteifreunde auf den Kurs von Politikratio bringen
Ausschussvorsitzender Hans-Michael Goldmann sowie Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans blockieren weiterführende Vorschläge erhöhter Abgaben auf alkoholische Getränke, wie sie am Beispiel der Alkopops bereits erfolgreich eingeführt wurden und sie gerade vor dem Hintergrund der Baustelle: Komasaufen Jugendlicher dringend notwendig sind. Eine richtige Mehrwertsteuerreform muss nämlich den Getränkebereich mitumfassen: So macht es überhaupt gar keinen Sinn das lebensnotwendige Lebensmittel Wasser in Form von Mineralwasser mit 19% MwSt. zu belasten, genauso wenig wie Obst oder Gemüse in Form von Frucht mit 7% und in Saftform aber mit 19%. Deshalb muss man vernünftigerweise für Getränke den MwSt.-Satz auf den ermäßigten absenken, der jedoch zur Finanzierung der Reform, wie Oettinger bereits im Sommer 2009 vorgeschlagen hat, vorher auf 10% zu erhöhen ist (wie z.B. in Österreich gültig). Alkoholgehaltabhängige Abgaben haben zusätzlich den Vorteil, nicht wie die Mehrwertsteuer vorsteuerabzugsfähig zu sein, sie reduzieren damit keine Staatseinnahmen. Aber FDPler 2000ff sind völlig einäugig, sie kennen nur noch ein Feindbild; und das ist das Wort: Steuer! So ist man nicht staatsfähig sprich nicht regierungsfähig. Nach NRW werden die Karten neu gemischt, das halten auch Pinkwart/Rüttgers-Piruetten nicht mehr auf.
tourismuspolitik (01.02.2010, 15:37 Uhr)
Vollbremsung zu Recht?
Von einem Steuergeschenk zugunsten der Beherbergungsbetriebe kann man nicht sprechen, da es in der Bundesrepublik bisher je nach Anbieter schon drei Steuersätze gab. 0 Prozent für Jugendherbergen, Familienferienstätten, private Anbieter unter 8 Betten, 7 Prozent für kirchliche Anbieter, Sozialwerke usw., 19 Prozent für gewerbliche Beherbergungsbetriebe wie preiswerte Hostels, gewerbliche Ferienwohnungsanbieter, kleine und große Hotels. Jetzt gelten noch zwei Steuersätze für die Beherbergung. Bei der Verpflegung gelten weiterhin drei Steuersätze.
Die Wettbewerbssituation mit dem Ausland erfordert ebenfalls aus wettbewerblicher Sicht eine Angleichung für den Tourismusstandort Deutschland.
Eine steuerlich korrekte Behandlung von Waren und Dienstleistungen ist auch für Profis schon lange nicht mehr möglich. Denken Sie nur an die Besteuerung von Poppkorn im Kino. Je nach Bundesland wurden 7 Prozent oder 19 Prozent Umsatzsteuer berechnet. Der Bundesfinanzhof entschied schließlich, dass 7 Prozent richtig seien. Nun liegt der Vorgang auf europäischer Ebene.
Das Frühstück bei Hotelübernachtungen soll ausschließlich aus fiskalischen Gründen weiterhin mit 19 Prozent besteuert werden.
Arbeitsintensive Dienstleistungen sollten vom ermäßigten Steuersatz profitieren. Parteien, die dieses Ziel in der Vergangenheit und in den Wahlprogrammen unterstützt haben, schüren jetzt aus wahltaktischen Gründen Neiddebatten. Auch Herr Pinkwart macht sich und das Wahlprogramm der FDP unglaubwürdig. Versprochen und gebrochen?
Eine wirkliche Steuerreform und Steuervereinfachung wird derweil auf die lange Bank geschoben.
odyyn (01.02.2010, 12:46 Uhr)
Aufgescheucht durch die unterirdischen Umfragewerte für die Bundes FDP, versucht Pinkwart vor der NRW- Wahl zu retten was noch zu retten ist. Nur was Dr. Rösler, Dirk Niebel und Fr. Guido Mövenpick in 100 Tagen vergeigt haben, geht auf keine Kuhhaut. Ich freue mich dieser Klientel und Lobby Mafia im Mai die Qutttung zu präsentieren. Ich hoffe so denken viele Wähler und strafen diese Mafia entsprechend ab. MfG
ganzbaf (01.02.2010, 12:00 Uhr)
Reform des Mehrwertsteuersystems ...?

Also den Niedrigsteuersatz zukünfig für alle Luxusgüter- und Luxusdienstleistungen und 25% "Normalsatz" für den ganzen Rest ;-?

Sicher anzunehmen.
galonero (01.02.2010, 11:54 Uhr)
@auwei
Es liegt genau so wie die höheren Arbeitslosenzahlen, am Winter....gggggg
auwei (01.02.2010, 10:56 Uhr)
Genau
Auch ich meine: Die SPD ist Schuld. Und die Linke. Irgendwie.
Medienbeobachter (01.02.2010, 10:43 Uhr)
Eigentlich sind doch die SPD und die Linken schuld
Der Vorstoß der nordrhein-westfälischen Regierungsparteien CDU und FDP zu den Hotelsteuern hat in Berlin eine Kontroverse in der schwarz-gelben Koalition ausgelöst ??
Die Umfragewerte für die FDP sind miserabel. Die Wahlen in NRW stehen vor der Haustür. Und jetzt wird so getan, als ob niemand die MWST-Senkung für Hotels gewollt hätte. Liebe Presse, liebe Politiker, schiebt doch die MWST-Senkung der SPD in die Schuhe. Das Wahlvolk hat eh keine Ahnung, wen es wählt. Selten war Meinungssteuerung in Deutschland so einfach, wie heutzutage.
ecomen (01.02.2010, 10:23 Uhr)
komisch ...
Herr Fuchs: "Wir sollten die Ermäßigung für Hoteliers, die ich immer schon für falsch gehalten habe, im Zuge einer großen Mehrwertsteuerreform zurücknehmen." Lt. abgeordnetenwatch.de haben Sie doch aber GEGEN den Verzicht der Mehrwertsteuersenkung, d.h. für eine Senkung gestimmt am 04.12.09 ... Was für eine schmierig verlogene Scheinheiligkeit ...
hosiannarunner (01.02.2010, 10:16 Uhr)
Schade!
Es ist wirklich bedauerlich, dass ich nicht Kabarettist geworden bin. Die müssen sich doch momentan gar keine eigenen Witze mehr ausdenken, sondern nur wörtlich wiederholen, was unsere Regierungspolitiker erzählen. Und das Publikum liegt vor Lachen auf dem Boden - garantiert.
bayerbienengift (01.02.2010, 09:57 Uhr)
jetzt wo die Lobbygruppen und Amigos die FDP
mit Parteispanden fürstlich für ihre Clientelpolitik belohnt haben, kann doch die Steuerbe-günstigung nicht mehr zurückgenommen werden. Bestechungsgelder sind Ehrensache. Das wissen wir seit Helmut Kohl. Wir müssen uns eher daran gewöhnen, dass es Politik ohne Korruption nicht gibt.
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