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18. Juni 2010, 09:16 Uhr

Schavan will zurück auf Los

Für die Senkung der Mehrwertsteuer bei Hotelübernachtungen hat Schwarz-Gelb reichlich Prügel einstecken müssen. Nun regt Bildungsministerin Annette Schavan an darüber nachzudenken, die Steuererleichterung wieder rückgängig zu machen. Auch sonst zeigt sie sich unzufrieden mit dem Zustand der Koalition.

Annette Schavan, Hotels, Mehrwertsteuersenkung, überdenken

Unzufrieden mit dem Zustand der Koalition: Bildungsministerin Annette Schavan© APN

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, die umstrittene Mehrwertsteuersenkung für Hotels rückgängig zu machen. Es lohne sich, "darüber im Laufe der Legislaturperiode noch einmal nachzudenken und stattdessen zum Beispiel die steuerliche Förderung von Forschungsinvestitionen für Unternehmen einzuführen", sagte Schavan der "Berliner Zeitung". Das Finanzvolumen beider Maßnahmen sei in etwa identisch.

Die Koalition hatte die Mehrwertsteuer für Hotelübernachtungen Anfang des Jahres auf Druck von CSU und FDP gesenkt und war damit in weiten Teilen der Bevölkerung und der Wirtschaft auf Unverständnis gestoßen.

Schavan sagte, über einen höheren Spitzensteuersatz sei in der Koalition derzeit kein Konsens zu erzielen. Allerdings könne "an irgendeinem Punkt die Frage kommen: Was ist in dieser Wahlperiode beim Thema Steuer drin". Der Koalitionsvertrag von Union und FDP gelte weiter, betonte Schavan. "Aber wir werden bewegungsunfähig, wenn jeder neue Akzent - auch Veränderungen gegenüber dem Koalitionsvertrag - gleich als Weg zum Ende der Regierung interpretiert wird." Die Koalition brauche die Einsicht, dass sich die Wirklichkeit in einer Art und Weise verändern könne, dass nicht mehr alle Punkte des Koalitionsvertrags Eins zu Eins in die Zeit passten.

Merkels Schweigen, ein Ausdruck von Führungsstärke

Kanzlerin Angela Merkel nahm die Bundesbildungsministerin gegen Vorwürfe der Führungsunfähigkeit in Schutz. "Angela Merkel führt egal in welcher Koalition, indem sie andere ernst nimmt, auf Teamgeist, Kommunikation und Fairness setzt", sagte Schavan. "Das ist gerade in schwierigen Lagen besser als jede autoritäre Basta-Politik." Zu Beschwerden aus der CDU, Merkel kommuniziere zu wenig, sagte die Ministerin: "Angela Merkel redet, wenn es so weit ist. Und wer sie kennt, weiß: Davor schweigt sie." Dies sei ein Ausdruck von Führungsstärke.

Unzufrieden zeigte sich Schavan aber mit dem Zustand der Koalition. Sie forderte ihre Regierungskollegen zu zivileren Umgangsformen auf. Das Erscheinungsbild leide darunter, dass Meinungsverschiedenheiten mit persönlichen Angriffen und einem Wettbewerb der Eitelkeiten verbunden würden. "Wir müssen unsere Pflicht tun und dürfen Politik nicht verwechseln mit einer Bühne, auf der ein möglichst dramatisches Stück aufgeführt werden soll", sagte Schavan.

AFP
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
mikelmd (19.06.2010, 07:22 Uhr)
Es war doch nicht so gemeint..
..wir sollten noch einmal darüber sprechen. Genau dafür lieben die Menschen in Deutschland die derzeitige Bundesregierung. Nach nur 6 Monaten wird alles wieder in Frage gestellt, was in nur zwei Wochen im Herbst 2009 zusammen gemurkst wurde. Regieren geht irgendwie anders, oder?! Aber wem wundert es noch hat sich doch die Koalition schon eine Woche nach dem sie den Vertrag unterschrieben hat zerlegt. Es bleibt zu hoffen, dass Wir bald ein Licht am Ende des Tunnels sehen und dieser Wahnsinn bald vorbei ist. Liebe Bundesregierung, Deutschland ist kein Spielplatz für Selbstdarsteller und Ignoranten!!
berthold3228 (18.06.2010, 16:28 Uhr)
Beleidigend
@Papayu
Bitte keine Beleidigungen.
Schavan ist keine Schwäbin ( Gott sei Dank ), sondern wurde nur als ( recht unfähige ) Kultusministerin importiert.
tannebaum (18.06.2010, 15:51 Uhr)
tolle idee...
...das kostet ca. 10.000 arbeitsplätze!!!

denn scheinbar hat keiner begriffen, was dann passieren wird. dann hätten sie es nie beschliessen dürfen, aber eine rücknahme wäre nun fatal.
paladin09 (18.06.2010, 14:15 Uhr)
Ich denk die ist Bildungsministerin?
Was hat die sich in fremde Zuständigkeiten anderer Ministerien einzumischen? Das sollten sich Schäuble und Brüderle auf das schärste verbitten!
Wendehälse gibt es heute mehr, denn je und viele besteigen den Zug erst, wenn sie wissen wohin die Fahrt geht man sich der Aufmerksamkeit sicher sein kann, seine Karriere förderlich ist.
Um als Politiker erfolgreich zu sein muß man nicht beliebt sein, sondern sich Aufmerksamkeit erarbeiten, sich anbiedern, gut verkaufen und mit dem Strom schwimmen wohin eine politische Mehrheit strömt.
Für gewählte Politiker sind deren Wähler zumindest für 4 Jahre völlig schnuppe. Erst, wenn Wahlen anstehen erinnern sich Politiker das es da noch dieses dumme Wählervolk gibt die sie bearbeiten, belatschern, belügen, sich verkaufen, anbiedern müssen um gewählt zu werden.
Nach der Wahl? Wer ist schon das Volk? Das Volk kann uns gewählten Politikern rein garnichts!
Zum Volksaufstand - regoroser Protestwahl ist dieses pazifistische Wählervolk was sich an jedem bequemen Lebensstandart, seinem geliebten Auto klammert, den nächsten Spanienurlaub für wichtiger hält als größere politische Gerechtigkeit ins System zu bringen, viel zu feige.
Solange die politschen Macht im steten Wechsel zwischen mal CDU/CSU und SDP/Grünen sich abwechselt wird sich in diesem Staat nichts ändern und ist es eigentlich egal, wen man am Wahltag wählt.
Wirklich revolutionäre neue Ideen, neue Parteien an die Macht zu bringen ist dieses Wählervolk zu feige.
bmpost (18.06.2010, 12:39 Uhr)
Hahaha...
Wie man in der taz liest, will die FDP jetzt allerdings die kommunale Gewerbesteuer abschaffen und dafür die MWSt für alle erhöhen!
undjetztnochder (18.06.2010, 12:12 Uhr)
Schavan hat Recht
Treffende Analyse, richtige Schlussfolgerungen. Von diesem Typ des leisen, kompetenten Politiker bräuchten wir mehr. Aber das Volk sehnt sich halt nach substanzlosen Klugschwätzern wie Gysi und Lafontaine oder meinetwegen auch Künast und Gabriel.
Benkku (18.06.2010, 11:53 Uhr)
Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.
"Angela Merkel redet, wenn es so weit ist."

Die eigentlichen Chefs sitzen woanders. Daher die Verzögerung.

Mein Ratschlag: Das Reden sollte die Merkel sich dann besser ganz verkneifen. Möglicherweise bekommt sie dann dafür von dieser Elite-Vertreterin noch mehr Kompetenz bescheinigt, weil nämlich bisher von ihr nicht mehr als ihre berüchtigten Verzögerungskommentare, Ausflüchte und Absichtserklärungen abgesondert wurden.

Folge: immenser Schaden. (Weder Frau Merkel noch Annette Schavan tragen irgendein ein persönliches Risiko für das, was sie anrichten.)
rynaldo (18.06.2010, 10:59 Uhr)
Um Gottes Willen
... will die sich etwa jetzt als die Erbin von Merkel positionieren? - ein Alptraum würde war. Ich meine wir haben eine Ewigkeit nichts mehr von ihr gehört, ihr jetziges auftauchen wird doch einen Grund haben.
80blatt (18.06.2010, 10:49 Uhr)
AttaTroll (18.06.2010, 10:10 Uhr)
Da kamen Sie mir zuvor.
Motto:"Wenn ich selbst keine Ahnung habe(und kein Rückgrat), warte ich mal ab, was die anderen so machen und suche mir das Beste `raus."

Aber verfolgt man so manche Berichterstattung und Umfragewerte, gilt diese Dame noch immer als beim Volk beliebt und nur der Ww wäre an allem schuld - seltsam und befremdlich.
audio001 (18.06.2010, 10:44 Uhr)
Gute Idee!
Dann könnte man sich auch noch einmal der zum 01.01.2009 geänderten "Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge" zuwenden!
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