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3. Februar 2010, 20:18 Uhr

Angie, Horst und Guido im Nebel

Was haben wir Bürger denn da zusammengewählt? Nach 100 Tagen ist klar: kein Profil, keine Führung, und das mitten in der Krise. Gute Nacht! Eine Bilanz von Hans Peter Schütz

Merkel, Angela, Seehofer, Horst, Westerwelle, Guido, Koaliton, Schwarz-Gelb, Regierung, Führungsschwäche, Profillosigkeit, Pofalla, Ronald, Wulff, Christian, Köhler, Christina, Leutheusser-Schnarrenberger, Sabine, Ramsauer, Peter, FDP, CDU, CSU

Wo wollen die hin? Kanzlerin Angela Merkel und Außenminister Guido Westerwelle© Michael Gottschalk/DDP

Sage keiner: keine Führung. Schließlich heißt die Koalition jetzt "christlich-liberale" Koalition. Nicht Schwarz-Gelb. Klare Ansage von Merkel, Westerwelle, Seehofer. Sage keiner: keine Eintracht. Gehen sogar gemeinsam Tartar essen, die Angie, der Horst und der Guido.

Nur, wo sie politisch hinwollen und wie sie dorthin gelangen - nichts. Der CDU-Vizevorsitzende Christian Wulff fand den griffigsten Kommentar zu den ersten 100 Tagen der schwarz-gelben Koalition: "Die Dinge wabern." Gut beobachtet. Eine Nebel-Koalition.

Erbarmungswürdiger Start

Rundum Recht hat Wulff. Wie hat Konrad Adenauer Politik gemacht? Darauf antworten viele in der CDU mit wehmütig glänzenden Augen: Er hat gefragt, worauf es ankommt. Nicht danach, was ankommt. Wie es seine Urenkelin Merkel penetrant tut. Die Mittelständler, die Sozialausschüssler, die Vertriebenen, die Katholiken und die Konservativen fragen: Sind wir noch in der richtigen Partei?

Die historisierende Frage, ob es denn jemals einen guten Start einer neu komponierten Regierungskoalition gegeben habe, ist ein plattes Ablenkungsmanöver. Denn es hat ihn gegeben. Bei Brandt und Scheel, bei Kohl und Genscher. Bei Merkel, Westerwelle und Seehofer nicht. Erbarmungswürdiger ist noch keine Regierung gestartet als Schwarz-Gelb im Jahre 2009.

Sehnsucht nach der Großen Koalition

Gut gestartet sind drei Minister: Schäuble, von der Leyen, Ramsauer. Der Rest, die Kanzlerin inklusive, findet in positiven Schlagzeilen nicht statt. Gesundheitsminister Rösler schweigt vor sich hin. Redet in Interviews über Kopfpauschale und sagt im Bundestag nichts. Frauenministerin - wie heißt sie denn gleich?- ach ja, Köhler, gibt kaum Interviews und schweigt auch vor sich hin. Schon mal gehört von "Schnarri", die mal eine echte, frei redende Liberale war? Und so weiter und sofort.

Es schleicht sich Sehnsucht ein nach den SPD-Steinbrücks und Umwelt-Gabriels der großkoalitionären Vergangenheit. Die sagten dann und wann mal was. Schon mal was gehört vom Kanzleramtsminister Pofalla? Irgendwie gab's mal einen Minister Jung, Verteidigung, ist aber schon wieder weg. Zu Guttenberg ist gut, trägt die besten Klamotten und Krawatten. An Afghanistan und an all das, was dort geschieht, gewöhnt er sich weniger schnell.

Die Milliarde für die Hoteliers

Wie wir von der Rekord-Staatsverschuldung je wieder herunter kommen sollen? Sagt uns keiner, nicht mal Finanzminister Schäuble. Zufrieden sind nur die Hoteliers - eine Milliarde Euro mehr in der Kasse. Der einzige Punkt, an dem die Kanzlerin und der Vizekanzler, die Chef-Politiker des Ungefähren, Führung gezeigt haben. Nein, wir versprechen es: Die FDP taufen wir nicht in Mövenpick-Partei um, weil aus der Hotelbranche Spenden gekommen sind.

Aber wir würden schon gerne wissen, was die Regierenden denn nun wirklich wollen, von dem, was sie uns versprochen haben. Wunschbilder haben wir Bürger selbst. Und auch die stehen unter Finanzierungsvorbehalt. Bei der Bundesregierung eigentlich auch? Die wird, nur eine Nebenbemerkung, getragen von wichtigen Repräsentanten, die Steuerhinterzieher unbedingt schonen wollen.

Identitätsverlust der CDU

Kurzfristig betrachtet: Was nur haben wir Wähler da für die ersten 100 Tage zusammen gewählt? Doch es geht leider nicht nur um schwarz-gelbe Ministerköpfe.

Mindestens ebenso gefährlich für Merkel, Westerwelle und Seehofer, neben Profillosigkeit und Führungsschwäche ihrer Regierungsarbeit, ist der damit verbundene Gesichtsverlust ihrer Parteien. Der Abstieg der CDU hat vor allem eine sehr gefährliche Ursache: Ihre Identität zerfließt - und damit ihr in der bundesdeutschen Parteienlandschaft bislang einzigartiger Charakter. Stets vereinigten sich in der CDU drei Strömungen. Die konservative, die liberale und die soziale. Das war das Credo, zu dem sich in der Vergangenheit alle Parteivorsitzenden in Wort und Tat bekannten. Merkel jedoch bekennt sich keineswegs gleichgewichtig zu den drei Grundwerten der Partei. Das liberal-urbane Publikum umschmeichelt sie programmatisch weitaus intensiver als das konservative. Unterm Strich dieses fahrlässigen Umgangs mit der ideologischen Struktur der CDU könnte in absehbarer Zeit der Verlust ihres Charakters als Volkspartei stehen.

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Kabinett Merkel Niebel Noten Schäuble Versetzung
KOMMENTARE (10 von 58)
 
MBALZ (05.02.2010, 09:34 Uhr)
Da hilft nur noch die Erinnerung an Giovanni Trappatoni:
Mutti hat fertig -

Flasche leer -

Was erlauben Pinkwart ?
Johann58 (04.02.2010, 23:36 Uhr)
Und zu allem Ueberfluss
wird unswer lieber Guido dann auch nur als Nummer 2 der unsexiest woman gekuert.
turo (04.02.2010, 16:31 Uhr)
Herr Schütz,
es sind die Mefdien, die alles daran setzen, diese Koalition mies zu machen.
Die Medien sollten vorurteilsfrei unterrichten. Eigene Wertungen sollten sie in Kommentsaren verpacken. Ich wünsche mir mehr Aufklärung zu komplexen Fragen, Kopfpauschale, Änderung der Zuständigkeit bei Hartz 4, Fragen zur Atomenergie und anderes mehr
Sozimod (04.02.2010, 14:45 Uhr)
Wir benötigen keine neue Regierung
sondern ein neues Wirtschafts-Sozialsystem.
Ein System dass die Realwerte mit einbezieht. Weniger Verwaltung (nicht nur durch Personalabbau, sondern durch Gesetzeänderung), neues Gesundheitssystem (Beiträge günstig, mehr Solidarität, weniger Pharmalobby), neues, für alle finanzierbares Rentensystem, sichere Tarifentlohnte Arbeitsplätze, weniger Leiharbeit (dadurch Entlastung der Argen, sprich weniger Verwaltung), Frieden, statt Kriegspolitik
und den sauberen, sicheren Ausstieg aus der Atomindustrie.

Welche Partei würde diese Aufgaben angehen?

CDU? Nein!
SPD? Jein!
FDP? Nein!
Grüne? Jein!
DIE LINKE? Ja!

Quelle: siehe Partei/Wahlprogramme!

Ein neues System ist leider mit der CDU/CSU/FDP nicht umsetzbar.

Sie bevorzugen ein altes verbrauchtes System.

SPD/Grüne/DIE LINKE könnten für ein modernes System stehen.

Dazu muss man aber alte Zöpfe abschneiden. Mit unverbrauchten frischen Politikern den Willen des Volkes(mehrheitlich) umsetzen.

Mehr Solidarität, mehr soziales Engagement für ein ein menschenwürdiges Leben in Deutschaland und Europa!

Steinbrück hat als Finanzminister versagt!
Wichtige Schritte hätte man vor der Wirtschaftskrise einleiten müssen. Die Krise wurde von Ihm unterschätzt.

Oskar Lafontaine warnte seit 2006 davor!

seilenna (04.02.2010, 13:53 Uhr)
Hundert Tage Schwarz-Gelb
Warum wundern sich so viele Menschen über die schlechte Politik von Schwarz-
Gelb?
Es muss doch allen interessierten Wählern klar sein dass wir vom unteren Mittelmaß regiert werden und die paar
guten Leute
(Guttenberg, von der Leyen, Röttgen)
die grottenschlechte Politik der ersten 100
Tage nicht aus dem Feuer reissen können. Die FDP ist ein Totalausfall,
Rösler sagt immer die gleichen unverbind-
lichen Sätze, Herr Niebel stammelt sich durch das Ministerium das er unbedingt abschaffen wollte, Westerwelle stolziert
als hölzerner Kaspar durch die weite Welt
und Brüderle tut eigentlich das, was er auch voher gesagt hat, er hält sich komplett raus. Wohin das Ganze führt?
Wahrscheinlich zuerst mal zur Abwahl
von Schwarz-Gelb in Nordrhein-Westfalen
und anschließend ein weiteres Gemurkse
in Berlin.
Milli (04.02.2010, 12:43 Uhr)
Gruselkabinett...
Unabhängig von der Benotung: Mir ist schon schlecht geworden, als ich die ganze Bande auf einmal ansehen mußte: sozusagen das Kompetenz-Team der Bundesrepublik Deutschland. Toll!!!!
Mir fällt dazu eigentlich gar nichts mehr ein. Aber wir sollten auf gar keinen Fall den Kopf in den Sand stecken: Auf die Straße mit Euch, auf zur Demo. Und auf jeden Fall immer wählen gehen.
Denn das, was wir da jetzt haben, wollten nur etwas mehr als ein Drittel der Wahlberechtigten. Schon vergessen???
nightmare_online (04.02.2010, 11:57 Uhr)
@Maddux enttäuscht? Warum?
Ehm ... nun würde mich aber doch brennend interessieren, warum.
Die Ziele der Gesundheitspolitik, Kopfpauschale etc. stehen im FDP-Programm.
Das Verhalten von Wirtschaftsminister Brüderle (quasi-Nicht-Existenz) entspricht der ideologischen Vorgabe, das der Staat sich nur möglichst wenig "einmischen" müsse, und alles würde von allein "gut".
Das die FDP eine Klientelpartei ist, konnte jeder - spätestens - nach dem Konkurrenz-Vermeidungs-Strategien für Apotheker in 2007 wissen.
Das die Bürgerrechte für die FDP nur ein Bauernfänger-Instrument sind, lehrte nicht nur der große Lauschangriff, sondern z.B. auch die Zustimmung der FDP zum Polizeigesetz in Hessen im letzten Jahr.
Also - ums mal zusammenzufassen: die FDP macht alles genau so, wie es zu erwarten war. Also wo ist das Problem?
Sternchen2020 (04.02.2010, 11:09 Uhr)
Jetzt wird es abstrus
Zitat: "Mit Friedrich Merz hat Merkel den letzten überzeugenden Konservativen aus der Politik ""

Dafür gibt es eine dicke Gehaltszulage? Kpfschütteln...
Hamskibamski (04.02.2010, 10:57 Uhr)
Gegen diese Trümmertruppe war die grosse Koalition ja noch eine richtige Regierung !
Momentan kann man zu dieser Regierung nur sagen : 4 Jahre erster April / Denn so ganz kann man nicht glauben, dass dieser Haufen an Inkompetenz, von einem 80 Mio. Volk die Regierung repräsentiert.
Aber wie ging das Kinderlied noch gleich ? Schlaf Merkel schlaf, der Guido ist ein ...... usw. usw.
Maddux (04.02.2010, 10:43 Uhr)
Fassungslosigkeit und Wut
Ich würde gerne meine Stimme zur Wahl 2009 zurücknehmen. Die FDP ist ein einziger Skandal von Betrug am Wähler (außer Hoteliers). Die nächste Wahl - ohne mich.
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