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Was die Kanzlerin für ihre Video-Podcasts zahlt

Seit der vergangenen Woche veröffentlicht Kanzlerin Angela Merkel ihren eigenen Video-Podcast. stern.de hat nun herausgefunden, was sich die Regierungschefin die PR-Aktion kosten lässt.

Die PR-Maschinerie des Kanzleramts preist es als ein weltweit einmaliges Projekt: Seit der vergangenen Woche wendet sich die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel per Video-Podcast direkt an ihre Bürger. Jede Woche, so der Plan, soll eine neue Botschaft der Regierungschefin veröffentlicht werden. Wer sich die Datei herunterlädt, kann Merkel überall mit hinnehmen - ins Fitnessstudio, zum Einkaufen, ins Auto. "Ziemlich regelmäßig", sagte Merkel in ihrem ersten Podcast wolle sie auf diesem Wege erläutern, was die Regierung bewege – "im doppelten Wortsinn."

Merkel-Biograf als Chefredakteur

Umsonst ist das neue PR-Instrument freilich nicht. Nach Informationen von stern.de zahlt die Bundesregierung für die ersten vier Video-Podcasts insgesamt 26.000 Euro - inklusive Mehrwertsteuer. Das Geld erhält die PR-Agentur RCC, an der auch der Journalist und Merkel-Biograf Wolfgang Stock als Partner beteiligt ist. Stock ist es auch, der als Chefredakteur für die Gestaltung der wöchentlichen Videobotschaft verantwortlich ist. Unterstützt wird er dabei von Eva Christiansen, ehemalige Leiterin der Pressestelle der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, de facto aber Merkels wichtigste Presse-Beraterin. Christiansen macht derzeit Babypause, berät Stock aber ehrenamtlich bei der Gestaltung der Podcasts.

5,42 Cent pro Nutzer

Stocks Agentur RCC ist für die ersten vier Ausgaben der Merkel-Show ohne Ausschreibung angeheuert worden. Ein rechtliches Problem ist das nicht. Erst nach vier Wochen muss das Projekt öffentlich ausgeschrieben werden - dies soll laut Bundespresseamt demnächst geschehen. Etwas schwerer dürfte die Bewertung fallen, ob die Video-Botschaften ihr Geld auch wert sind. Auf der Internet-Seite des Kanzleramtes heißt es: Die Kosten "(sind) vergleichsweise sehr gering. Gemessen an den Nutzern haben wir einen Bruchteil dessen bezahlt, was beispielsweise eine Broschüre kostet." Nach Angaben des Bundespresseamtes haben bis zum vergangenen Mittwoch rund 120.000 Benutzer die Merkel-Show aus dem Netz geladen. Nimmt man den Preis einer Ansprache - rund 6500 Euro inklusive Mehrwertsteuer - und teilt ihn durch die Zahl der Nutzer, so zahlt die Kanzlerin bislang rund 5,42 Cent, um einen Nutzer zu erreichen. Je attraktiver die Dinge sind, über die die Kanzlerin künftig per Internet-Podcast berichten wird, desto mehr Bürger werden sich für das Angebot interessieren. Und entsprechend günstiger wird das Programm dann natürlich, wenn es auf den einzelnen Nutzer umgerechnet wird. Am nächsten Samstag will Merkel in ihrem Podcast über das neue Elterngeld sprechen.

Florian Güßgen
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