Das Drama von Ludwigshafen

18. Februar 2010, 17:49 Uhr

Schüler stürmen voller Panik aus dem Klassenraum, ihr Lehrer liegt schwer verletzt auf der Treppe: Aus welchen Motiven handelte der Täter, der das Drama von Ludwigshafen ausgelöst hat?

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Ludwigshafen, Berufsschule, Amoklauf, Bluttat, Lehrer, Ex-Schüler, Noten

Alarm in Ludwigshafen: Ein Großaufgebot der Polizei ließ die Berufsschule evakuieren©

Für Ramazan Y. und seine Mitschüler wurde am Donnerstag ein Albtraum Wirklichkeit: Die Klasse hatte gerade Unterricht in Farbgestaltung gehabt, als auf dem Gang Schreie ertönten. "Dann sind alle in Panik rausgerannt", berichtet der 16-jährige Schüler der Ludwigshafener Berufsschule für Technik. Das Opfer war sein Lehrer. Die Schüler sehen ihn schwer verletzt auf der Treppe liegen.

Als die Polizei wenige Minuten nach der Bluttat in der Malerwerkstatt eintrifft und dem 58-jährigen Pädagogen Erste Hilfe leistet, ist es bereits zu spät. Der Lehrer stirbt noch am Tatort. Zu diesem Zeitpunkt ist der 23-jährige Tatverdächtige bereits festgenommen.

Gegen 10 Uhr habe der junge Mann das Schulgelände betreten, sei in die Malerwerkstatt gegangen und habe offenbar gezielt nach dem 58-jährigen Pädagogen gesucht, berichtet der Leiter der Staatsanwaltschaft Frankenthal, Lothar Liebig. Auf der Kellertreppe seien der mit einem Kampfmesser und einer Schreckschusspistole bewaffnete Täter und sein Opfer aufeinander getroffen.

Wie sich das Drama abspielte

Dann sei es offenbar zu einem Kampf gekommen, berichtet Liebig. Dies lasse sich aus dem Verletzungsmuster schließen. Stunden nach der Tat wird allmählich ein Motiv für die Bluttat deutlich: In der ersten Vernehmung gibt der junge Mann an, als früherer Schüler habe er eine sehr große Wut auf den getöteten Lehrer gehabt, da dieser ihn immer schlecht benotet habe. Die Staatsanwaltschaft leitet gegen den 23-Jährigen ein Ermittlungsverfahren wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen ein.

Doch mit dem Tod des 58-Jährigen ist die Aktion des Täters noch nicht beendet. In den folgenden Minuten nimmt die Tat amokähnliche Züge an. Er rennt in das benachbarte Hauptgebäude der Schule, entzündet ein bengalisches Feuer und greift einen weiteren Lehrer an. Doch dieser kann fliehen. Irgendjemand löst Feueralarm aus, worauf die knapp 2000 anwesenden Schüler das Gebäude verlassen. Als der Schulleiter im 3. Obergeschoss sichergehen will, dass alle Schüler das Gebäude verlassen haben, trifft auch er auf den Täter und wird von diesem mit der Schreckschusswaffe beschossen. Kurz darauf treffen Streifenbeamte ein, die den Täter zur Aufgabe bewegen können, entwaffnen und festnehmen.

Todesdatum 2010

Nach Recherchen der "Rhein-Zeitung" soll sich der Tatverdächtige schon länger mit dem Thema Amoklauf beschäftigt haben. Auf einer Profilseite habe er als sein Todesdatum 2010 angegeben. Auf dieser Seite zähle er "Schützensport & alles was mit Waffen zu tun hat" zu seinen Hobbys. Dort sei er zudem Mitglied in Gruppen wie "Legale Waffenbesitzer" und "Liberales Waffenrecht". 2007 habe er zudem ein achtminütiges Video hochgeladen, in dem er Fotos zu dem Amoklauf von Erfurt mit 17 Toten aus dem Jahr 2002 zusammengestellt habe. Dort zeige er mit Rap-Texten unterlegte Bilder von dem Polizeieinsatz im Erfurter Gutenberg-Gymnasium.

Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen ist wenige Stunden nach der Tat sichtlich geschockt und kämpft mit den Tränen. "Wir alle haben mit Nachdruck gehofft und gewünscht, dass so etwas in einer rheinland-pfälzischen Schule nie geschehen würde", sagt die SPD-Politikerin. Am Freitag und Samstag wird an der Schule kein Unterricht stattfinden. Über die Identität des Tatverdächtigen war am Donnerstag zunächst nur wenig bekannt. Nach den Worten des Ludwigshafener Kripochefs Franz Leidecker soll der 23-Jährige keiner regulären Beschäftigung nachgegangen sein und sich zuletzt in einer Fördermaßnahme des Christlichen Jugendwerks befunden haben. Er hatte die Schule bereits 2004 verlassen. Bei dem Lehrer handelte es sich nach Angaben der Ermittler um einen Familienvater mit Wohnsitz in Hessen.

Von Guido Rijkhoek, APN
 
 
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KOMMENTARE (10 von 10)
 
SethusCalvisius (19.02.2010, 21:06 Uhr)
@nerventanz
Ich habe noch in keinem Artikel über diesen Mord irgendetwas über Killerspiele gelesen. Was soll also dieses Geheule?

@lummy
Jaja, früher war alles besser.
Die Generation unserer Großeltern, autoritär und anständig erzogen, hat uns immerhin das Dritte Reich eingebracht.

Aber Sie haben ja Recht, wie folgendes Zitat zeigt:
"Die Jugend heutzutage hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten. Die jungen Leute widersprechen ihren Eltern und tyrannisieren ihre Lehrer."
(Sokrates, um 400 v.Chr.)
esopherah (19.02.2010, 07:26 Uhr)
was für ein bullshit!
Amoklauf, ja ne is klar, mit nem messer amok gelaufen... amok wird das neue unwort 2010 weil die medien mit diesem wort anscheinend besonders viel verdienen.
Das hier war ein ganz normals verbrechen und kein amok!
Ein verwirrter spinner der schon während der schulzeit auffällig wurde und dank der weichspül pädagogik nie diszipliniert wurde hat nun das was er gelernt hat umgesetzt.
Er glaubt er ist das opfer und alle anderen sind schuld an seinem leben, und die möchtegern erzieher geben ihm sogar noch recht....

nerventanz (19.02.2010, 07:24 Uhr)
Es geht wieder die "Killer"-Spiele-Diskussion los
Oh nein... der Mann war wohl auch am gleichen Morgen bestimmt einmal auf der Toilette.

Verbietet Toiletten!!
lummy (19.02.2010, 06:57 Uhr)
Hier..
sind beide Seiten Schuld.Diese kranke Gesellschaft und Was heut zu Tage noch die Worte" Erziehung" trägt.
Ich Generation 1965 traue mir hier zu sagen Das die nachfolgenden Generationen so derart verzogen wurden das einem wirklich schlecht wird.
Zu antiautoritär und keine strenge führende Hand mehr hinter sich.Die sehe ich selbst in meinem Bekanntenkreis wo man nur den Kopf schüttelt.
Zu meinen Zeiten wurde untereinander,also unter Freunden mal wenn du frech warst eine Watsch gegeben.
Heutzutage wir solange auf den anderen eingeprügelt bis dieser wortwörtlich verreckt ist.
Diese Brut ist zu keinen Schuldgefühlen mehr fähig ,hat weder Anstand noch Hemmungen.Wir haben genauso gesoffen und gekotzt.Doch bei uns war nicht das Motto:Wegknallen bis die Rübe leer ist angesagt.
Aber kein Wunder,die Kinder und Jugenlichen werden am Fernseher und Computer beschäftigt und ziehen sich Sendungen rein wie,"Richterin Salesch,Britt,Verdachtsmomente,Big Brother,und der ganze verdammte restliche Schwachsinn auf unseren Privatsendern.
Da verblödet selbst der hartgesottenste.

SethusCalvisius (18.02.2010, 23:41 Uhr)
Verfolgungswahn
Irgendwie scheinen Waffenbesitzer und Killerspieler unter Verfolgungswahn zu leiden. Bisher hat niemand die Computerspiele oder Waffenbesitz für diese Tat verantwoirtlich gemacht, trotzdem heulen hier alle auf. Peinlich.
Und was die Information, dass der Täter Mitglied in Gruppen wie "Legale Waffenbesitzer" und "Liberales Waffenrecht" ist, mit Hetze zu tun haben soll, ist mir absolut unbegreiflich.

Im Grunde ist das Problem, dass wir überhaupt nicht erahnen können, was zu dieser Tat geführt hat. Dass ein junger Mann 6 Jahre, nachdem er die Schule verlassen, zurückkommt und einen Lehrer ermordet, ist wohl kaum zu erklären. Da müssen doch noch ganz andere Dinge mitspielen.
arniston (18.02.2010, 22:01 Uhr)
noten ?
werbung geld und liga, immer der erste. was ist schon der zweite. man misst so nicht die spitze des eisberges , es ist der eisberg.
man hat alles zu haben, immer den scanner bereit, millionen fallen nicht auf, in depression
zu versangen. so teilen sie uns nicht mit, den nächsen schtritt.
gesellschaft feind im täterwissen, liebe gebraucht aus dem gewissen,
so kommt gesellschaft oft zu spät mit kaviar
und sonst noch blöd.
Countryjoe (18.02.2010, 19:49 Uhr)
Wieder Hetze
"Auf dieser Seite zähle er "Schützensport & alles was mit Waffen zu tun hat" zu seinen Hobbys. Dort sei er zudem Mitglied in Gruppen wie "Legale Waffenbesitzer" und "Liberales Waffenrecht".

Auch wenn keine Schusswaffen und schon gar keine legalen bei diesem sinnlosen Verbrechen verwendet worden sind, die Hetze mußte wohl trotzdem sein!
Das ist beschämend!

Mostarac (18.02.2010, 19:40 Uhr)
Tragödie
Mein Beileid geht erstmal an die Familie des getöteten Lehrers und dann auch irgendwo an die Familie des Vollpfostens, denn sie wird sich vermutlich demnächst weder in der Kritik finden wie sie denn ihr Kind so hat verkümmern lassen.

Wie der Vorredner bin auch ich der Meinung dass diese unfassbare Tat leider sofort irgendwelche sich profilieren-wollenden Politikerverbrecher auf den Plan rufen wird welche sofort dieses oder jenes Verbot fordern werden. Es wundert mich nur, dass es bisher weder bei der Bild noch in anderen Medien pauschal heißt dass man auf seinem PC Counterstrike und ähnliche Killerspiele gefunden hat, doch was nicht ist kann noch werden. Ist vermutlich den Redaktionen noch nicht eingefallen dass man damit den Absatz ankurbeln kann ... zum Kotzen ist das.

Mir jedenfalls tun einfach die armen Familien Leid die nix dafür können.

Gruß, Mosti
Fraggles (18.02.2010, 19:17 Uhr)
ein Fall für
die Anstalt ist der junge Mann der diese Tat begangen hat.

Ich hab meinen Quali wegen eines einzigen Lehrers nicht bestanden da ich ihn die Jahre zuvor mit Streichen geärgert habe, aber das ist noch lange kein Grund solch abscheuliche Taten zu begehen.

Mir graut allerdings schonwieder vor den Rufen nach diversen Verboten die nun sicher wieder kommen werden.
jomimo (18.02.2010, 19:05 Uhr)
@stern-online
Ihr Titel und Ihr Aufmacher sind unsäglich.

Amok - stark missbrauchter Begriff. Wer darüber lesen möchte geht zu BILD.

Und wird dort auch bedient.

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