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8. März 2007, 13:53 Uhr

Mit Schröder gegen von Beust

Der neue Spitzenkandidat der Hamburger SPD, Michael Neumann, holt sich für die Bürgerschaftswahl 2008 prominente Unterstützung: Ex-Kanzler Schröder soll mit wahlkämpfen. Von Inga Niermann

Mit freundlicher Unterstützung von Altmeister Schröder will Naumann (r.) Hamburgs Bürgermeister werden© Fabian Bimmer/AP

Lauter strahlende Gesichter empfingen Michael Naumann auf seiner ersten Pressekonferenz als SPD-Spitzenkandidat in der Hamburger Parteizentrale. Parteimitglieder hatten zur Begrüßung sogar schon einen knackigen Wahlkampfslogan kreiiert: "Die Zeit ist reif - Michael Naumann", prangte es anspielungsreich auf eilig gebastelten Ansteckschildchen, die die wieder mit Stolz erfüllten Brüste der Parteigenossen zierten.

Endlich einen Spitzenkandidaten

Hamburgs Sozialdemokraten haben allen Grund zur Freude: Nach wochenlangen Querelen, Pleiten und Pannen hat sich überraschend der 65-jährige Journalist und "Zeit"-Verleger Michael Naumann bereit erklärt, CDU-Bürgermeister Ole von Beust bei der nächsten Bürgerschaftswahl herauszufordern. Der ehemalige Staatsminister für Kultur und Medien im Kabinett Schröder will die SPD in der Hansestadt 2008 wieder an die Macht bringen.

"Die Entscheidung als Gegenkandidat anzutreten, ist mir leicht gefallen", sagte Naumann. Die Machtkämpfe innerhalb der Parteiführung in den vergangenen Wochen bezeichnete er als "ganz klassischen Familienkrach". Er sehe sich nun auch nicht als Retter der Partei: "Dass die Partei sich selbst zerlegt, ist ein Irrtum." Die Differenzen, die es innerhalb der Partei gebe, seien überwindbar.

Gemeinsam für die Belange Hamburgs

Der designierte SPD-Landeschef, Vize-Fraktionschef in der Hamburger Bürgerschaft, Ingo Egloff und SPD-Fraktionschef Michael Neumann, legen Wert auf die Aussage, dass sie sich gemeinsam für die Belange der Stadt einsetzten wollen. Auf dem SPD-Sonderparteitag am 24.März sollen Naumann und Egloff nominiert werden.

Für seinen Wahlkampf hat sich Naumann vor allem das Thema Chancengleichheit vorgenommen. "Jedes Jahr haben wir 3000 Hauptschulabgänger. Denen müssen wir einen Chance geben", so der Publizist. Auch für die 140.000 Migranten in Hamburg will er sich einsetzen: "Um die müssen wir uns kümmern." Neben Bildung und Soziales liegt Naumann als ehemaliger Staatsminister für Kultur und Medien, vor allem die Kultur der Hansestadt am Herzen.

Kein Schöngeist sondern Geschäftsführer

Naumann hob aber auch seine Kompetenzen im Wirtschaftsbereich hervor: "Ich bin kein Schöngeist, sondern ein Journalist und Geschäftsführer", sagte er. "Ich habe also schon eine gewisse Ahnung von Wirtschaft." Eine vorrangige Aufgabe sieht Naumann denn auch in der Schaffung von Arbeitsplätzen durch "großvolumige Industrieansiedlungen."

Naumann gilt als schillernde Persönlichkeit. Was ihm aber sicherlich fehlt, ist die Verbindung zur SPD-Basis in der Hansestadt: "Ich bin kein Parteiarbeiter, muss es aber werden", sagte er. Auch verfügt Neumann kaum über Erfahrungen im Wahlkampf. Dafür holt er sich deshalb von niemand Geringerem Unterstützung als Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder. Naumann bezeichnete den Altkanzler "als den besten Wahlkämpfer den die Bundesrepublik je gesehen hat."

Mit der gestrigen Zusage von Naumann für die Bürgermeister-Kandidatur hat die Landes-SPD in Hamburg, mit einem Streich ihre über Wochen anhaltende tiefe Krise überwunden und kann nun nach vorne sehen, so SPD-Generalsekretär Hubertus Heil auf der Pressekonferenz.

1000 Stimmzettel spurlos verschwunden

Ende Februar war die gesamte SPD-Parteiführung zurückgetreten, und hatte damit die Verantwortung für die gescheiterte Mitgliederbefragung zur Wahl des Spitzenkandidaten für die Bürgerschaftswahl 2008 übernommen. Das Stechen zwischen SPD-Landeschef Mathias Petersen und seine Stellevertreterin Dorothee Stapelfeldt war zum Desaster geraten, weil bei der Auszählung der Stimmen rund 1000 Stimmzettel spurlos verschwunden waren. Der Urnengang war daraufhin als ungültig erklärt worden. Die Polizei hat bisher keine Hinweise auf die Täter. Stapelfeldt will nun dem SPD-Landesvorstand vorschlagen, einen Untersuchungskommission zur Aufklärung des Falls einzurichten.

Von Inga Niermann
 
 
KOMMENTARE (1 von 1)
 
havit (08.03.2007, 20:49 Uhr)
Verschwunden
ist der Altkanzler, weil er amtsmüde war. Genauso wird er wieder verschwinden, wenn dieser Medienrummel vorbei ist. Mal hier, mal dort ein bisschen vorbeischauen und dann verschwinden. Mit diesem Wahlkämpfer wird HH keinen Blumentopf gewinnen. Die Bürger von Hamburg wissen, was HH heisst.
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