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Wer ist die Frau an Müntes Seite?

Der breiten Öffentlichkeit war Michelle Schumann, 29, völlig unbekannt - bis die Medien berichteten, dass sie mit SPD-Chef Franz Müntefering verbandelt sei. In der Partei jedoch ist die junge, redegewandte Politikerin schon lange eine Größe. Was Peer Steinbrück zu einer interessanten Prophezeihung veranlasste.

Für Interviews ist sie derzeit nicht zu erreichen: Michelle Schumann schweigt zu den Schlagzeilen, die Donnerstagmorgen überall zu lesen waren. "Münte: Sie ist sein neues Glück", stand auf dem Titelblatt der "Bild-Zeitung." Die "Bunte" schrieb in ihrer Online-Ausgabe: "Müntes neue Liebe bewegt die Republik". In den vergangenen Monaten waren viele Beobachter im politischen Berlin erstaunt über SPD-Chef Franz Müntefering: Mit wie viel Energie er seine Arbeit anging. Wie zuversichtlich er trotz mieser Umfragewerte und der Wahlschlappe in Hessen war. Glaubt man den nun erschienenen Berichten, hat sein Tatendrang auch private Gründe: Michelle Schumann soll die neue Frau an seiner Seite sein.

Steinbrücks Prophezeihung

Die 29-jährige Westfälin arbeitet seit 2008 als wissenschaftliche Mitarbeiterin in Münteferings Büro und schreibt als Journalistin für das SPD-Parteiorgan "Vorwärts". Sie gilt als großes politisches Nachwuchstalent innerhalb der nordrhein-westfälischen Sozialdemokraten. Schon vor der aktuellen Berichten stand sie mehrere Male im Blickpunkt - weil sie schon in jungen Jahren eine sehr erfolgreiche Parteikarriere hingelegt hat. Peer Steinbrück prophezeite bereits 2005: "In zehn Jahren ist Michelle Landesvorsitzende."

Geboren wurde Michelle Schumann 1980, aufgewachsen ist sie als Älteste von drei Geschwistern in Herne. Der Vater ist Kleinunternehmer. In einem Interview mit der Initiative "Pro Dialog", das auf Youtube abrufbar ist, sagt sie, dass ihr Elternhaus "eher konservativ" geprägt sei. "Ich bin nicht automatisch in die SPD reingewachsen, ich habe mich dafür entschieden - ganz bewusst." Ihre Wortwahl klingt wenig förmlich, dafür sehr natürlich.

Die Bundestagswahl 1998 beschreibt sie selbst als Schlüsselerlebnis für ihr politisches Engagement. Bis dahin sei sie "nicht festgelegt" gewesen, sagt Schumann. Ein paar Freunde seien bei den Jusos gewesen, und in der Diskussion habe sie schnell gemerkt, dass die CDU Positionen vertreten habe, die ihr "die Zukunft sehr schwer gemacht" hätten. Deshalb sei sie Sozialdemokratin geworden.

"Hände in den Sternen"

Während ihrer Schulzeit absolvierte Schumann eine Ausbildung zur Kinderpflegerin. Direkt im Anschluss daran holte sie auf dem zweiten Bildungsweg ihr Abitur nach. Sie habe damals schon gewusst, dass sie studieren wolle, sagt Schumann. 2007 machte sie ihren Abschluss im Studiengang "Journalismus und PR" mit Schwerpunkt Wirtschaft. Danach war sie in der PR- und Öffentlichkeitsarbeit tätig.

Zu diesem Zeitpunkt war vielen Sozialdemokraten schon die Begabung der braunhaarigen Nachwuchspolitikerin aufgefallen. Bereits im Jahr 2004 gewann sie einen Rhetorik-Wettbewerb der Deutschen Rednerschule. In der Jury saß damals unter anderem der damalige SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter. Die erste Aufgabe war eine persönliche Vorstellung in einer Minute. Schumann brauchte laut "Spiegel" nur 19 Sekunden: "Meine Damen, meine Herren, Michelle Schumann, das bin ich, ich bin 24 Jahre alt. Als Mädchen des Ruhrgebiets habe ich die Hände in den Sternen, die Beine auf dem Boden, die Gedanken bei der Gemeinschaft und mein Herz bei Schalke 04. Glückauf." Benneter soll begeistert gewesen sein. Als politisches Vorbild soll sie damals Gerhard Schröder angegeben haben - und eben Franz Müntefering.

Politik bis zum 70ten

Von 1999 bis 2004 war sie Juso-Vorsitzende des Unterbezirks Herne. Auch in der SPD übernahm sie schon früh Verantwortung: Seit 2002 ist sie stellvertretende Vorsitzende der Herner Sozialdemokraten. Zwei Jahre später wurde sie sogar in den Landesvorstand des mächtigen SPD-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen gewählt. Dort kümmert sie sich schwerpunktmäßig um die Themen Soziales, Wirtschaft und Kommunales. Außerdem ist sie Stadtverordnete in Herne.

Für ihren Job im Büro von Franz Müntefering zog sie vergangenes Jahr nach Berlin, sie lebt in einer Wohnung im bunten Stadtteil Kreuzberg. Die Stelle als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Büro des Parteivorsitzenden gilt als Karrieresprungbrett. Und offenbar plant Schumann für eine lange Laufbahn als Politikerin: "Ich will Politik machen, bis ich 70 bin", sagte sie im August vergangenen Jahres einem Reporter der "WAZ". Damals firmierte sie schon als "Mitarbeiterin von Franz Müntefering". Und der bereitete just zu diesem Zeitpunkt sein Polit-Comeback vor. Mit 68.

chr

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