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28. Januar 2008, 15:01 Uhr

"Koch hat die Gesellschaft gespalten"

Roland Kochs Wahlkampagne hat mehr oder minder offen mit Ressentiments gegen Jugendliche mit Migrationshintergrund gespielt. Im stern.de-Interview spricht der Migrantenvertreter Mehmet Tanriverdi über die Bedeutung von Kochs Kampagne für die Integration in Deutschland.

Die Wahlkampagne von Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat sich speziell gegen gewalttätige Jugendliche mit Migrationshintergrund gerichtet© Frank May/DPA

Herr Tanriverdi, Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat mit einem Wahlkampf gegen jugendliche Migranten versucht, die Wahl zu gewinnen. Wie bewerten Sie, dass er bei der Wahl deutlich an Zustimmung verloren hat?

Er hat verloren, weil Menschen ihm einfach übelgenommen haben, dass er die Gesellschaft gespalten hat. Dafür hat er die Quittung bekommen.

Das Wahlkampfthema Jugendgewalt hat Roland Koch ihrer Meinung nach also eher geschadet als genützt?

Ja, ich denke, das Thema Jugendgewalt hat ihm geschadet. Es war natürlich nicht das einzige Thema. Bildung hat in Hessen immer eine wichtige Rolle gespielt. Vor allem, weil die Bildungspolitik der hessischen Landesregierung gescheitert war, haben die Bürger Koch abgewählt. Ich gehe davon aus, dass sehr viele Stammwähler oder Menschen mit Migrationshintergrund, die die CDU gewählt haben, sich dieses Mal bewusst anders entschieden haben.

Was sagt das Wahlergebnis über die latente Fremdenfeindlichkeit in Deutschland aus? Ist sie gar nicht so groß, wie von vielen Linken immer vermutet wird?

Fremdenfeindlichkeit in Deutschland war immer vorhanden, gerade in Krisenzeiten. Was das Thema angeht haben wir immer noch keine Normalität in Deutschland. Die Äußerungen von Herrn Koch waren Diskriminierung pur, trotzdem will ich ihm keine Fremdenfeindlichkeit unterstellen. Das war eine reine Wahltaktik. Wir Migranten sind aber enttäuscht von Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass sie nicht während des Wahlkampfes ein klares Signal gegen das Thema gesetzt hat. Das werden wir bei einem Treffen im Bundeskanzleramt nächste Woche sicherlich noch einmal ansprechen.

Zur Person

Zur Person Mehmet Tanriverdi, 45, ist Präsident der Bundesarbeitsgemeinschaft der Immigrantenverbände in Deutschland e.V. (Bagiv) Der kurdisch-stämmige Deutsche ist Diplom-Ingenieur und Unternehmer.

Interview: Thomas Krause
 
 
KOMMENTARE (10 von 19)
 
Alex64 (29.01.2008, 15:00 Uhr)
Mal eine Frage
... hast du ausser deiner immer wieder auftretenden "Kommentatorenschelte" auch zum Thema selbst explizit etwas beizutragen, das im entferntesten einer eigenen Meinung entspricht und nicht aus Internetzitaten zusammengesetzt ist?
Nein? Dachte ich mir.
Alex64 (29.01.2008, 14:51 Uhr)
Welche
Maske soll ich denn ablegen?
Was hättest denn gerne "bestätigt"?
Und schon ist sie wieder da, die alte deutsche (Selbst)bezichtigung.
Nein, ich muss dich enttäuschen - nach meinem Selbstverständniss bin ich weder rechts, noch Nazi, noch Faschist - und was pseudoaufgeklärte ach so tolerante Menschen wie du in mir sehen ist mir inzwischen grundlegend egal.
Ich habe gute Freunde anderer Nationalitäten im Inland wie im Ausland (s.o.) und keine Lust, Vorverurteilungen zu treffen.
Aber einige kleinere "Zusammenstöße" mit den von Herrn Koch an den Pranger gestellten Bevölkerungsgruppen lassen mich denn doch für mich persönlich zu dem Urteil kommen, dass das Thema bisher in den Medien bewusst nicht offensiv vertreten wurde, weil anscheinend einige "wohlmeinende", aus meiner Sicht allerdings schlicht ängstliche und auf ihren Ruf als "Nicht-Nazi" und "bessere Deutsche" bedachte Menschen (wie Du) in diesem Land dafür Sorge tragen, dass jeder, der solche Gedanken ausspricht, als Nazi angeprangert wird.
So what?
Clibanarius (29.01.2008, 14:17 Uhr)
Nur weiter so...
....und demaskiere dich selbst. Für die erwähnte Klatsche sorgst du so nur selber.:o) PS: Dein "lieber" bin ich ganz sicher nicht.
Alex64 (29.01.2008, 14:12 Uhr)
Och,
... da freut sich aber einer.
Zu früh - da ich weder dort tätig bin noch das von dir so schön versteckte Blatt im Leseprogramm habe.
Aber zu Ende lesen ist nicht jedem gegeben, und lesen können bedeutet - wie ich schon des öfteren hier erfahren "durfte" - auch nicht gleichzeitig "verstehen".
ICH habe meine Erfahrungen mit Menschen - und leider immer wieder die !!eigene!! Beobachtung machen müssen, das sich gewisse Kulturen, Religionen und Ethnien durchaus bereits aufgrund des zugrundeliegenden Aggressions- und Gewaltpotentials unterscheiden.
Nur - wenn ich jetzt deutlich sage, mit wem ich die schlechtesten Erfahrungen gemacht habe, kommt sofort wieder die erwähnte Klatsche.
Deshalb mal andersrum: Es gab - hier und bei vielen Auslandsaufenthalten - selten Probleme mit Italienern, Spanier, Portugiesen, Iren, Schotten, Briten, Australiern, Thais, Japanern, Koreanern, Chinesen ...
Clibanarius (29.01.2008, 13:51 Uhr)
@Alex
Warum fühlst du dich angesprochen? Habe nirgends deinen Pseudonym genannt. Deine Antwort beweist aber: Voll ins Schwarze getroffen. Deine subjektive Meinung darfst du dir natürlich auch ausserhalb PI von anderen, objektiven Quellen BILDen.
http://www.politischkorrekt.info
http://politicallyimpotent.narod.ru
Alex64 (29.01.2008, 13:44 Uhr)
Ich...
... würde schon eher sagen, Koch hat ein THEMA angesprochen, das die Gesellschaft spaltet.
In diejenigen, die die Augen zumachen und auf die Integrations- und Selbstregulierungskraft der Gesellschaft hoffen und sich ihre heile Welt erhalten wollen - und die anderen, die etwas gegen ansteigende Gewalt und Brutalität und den besorgniserregenden Anteil an Jugendlichen unternehmen möchten, aber sofort als "Rechte", "Islamophob" oder "Nazi" beschimpft werden, wenn sie sich entsprechend äussern....
Alex64 (29.01.2008, 13:18 Uhr)
Ah ja, lieber Clibanarius
Und wann kommt sie jetzt??????
Ich meine die große Klatsche:
Deutscher + verteidigt die "guten" Migranten nicht gegen die "Rassisten" = "Nazi"
Oder konnten sie sich wenigstens DIE gerade noch verkneifen?
Muß man an erwähntem Blog aktiv teilnehmen um sich eine entsprechende Meinung zu bilden?
DAS würde mir dann doch zu denken geben, da ja ansonsten keine Medien für eine objektive Information zur Verfügung stünden, und auch eigene Erlebnisse und Erkenntnisse schlicht als falsch dastehen würden.
Clibanarius (29.01.2008, 12:37 Uhr)
Hier rühren wohl mal...
...wieder einige der U-Boote, Stammschreiber und "Spürnasen" von "Politically Incorrect" die ewig gleiche Suppe.
http://www.politischkorrekt.info
http://politicallyimpotent.narod.ru
Alex64 (29.01.2008, 09:30 Uhr)
johann
... einerseits sind sie gegen die Art, wie Koch das Problem angegangen ist - andererseits geben sie aber zu, dass es ein solches gibt.
Nun muss ich mich fragen: Ist es nicht besser, jemand kümmert sich ÜBERHAUPT irgendwann mal um das Problem und holt es in das Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit??? In meinen Augen immer noch besser als das Problem "totzuschweigen" oder pädagogisch wertvolle Kuschelpolitik zu betreiben und auf "Bereicherung" zu hoffen ....
Johann58 (29.01.2008, 03:22 Uhr)
@talkingkraut
Sie habe ja so recht, dass man das ansprechen muss, aber warum in paar Wochen vor der Wahl auf unertraegliche Weise, nachdem 9 Jahre lang bekanntermassen nichts, aber auch garnichts seitens des Herrn MP passiert ist, und auf einmal ist es das Thema ueberhaupt. Gluecklicherweise ist die Rechnung ja nicht wirklich aufgegangen. Eschborn ist ja nun wirklich nicht weit weg von den sozialen Brennpunkten frankfurts wie beispielsweise Sossenheim und da ist Herrn Koch bisher nicht aufgefallen, dass es kriminelle Jugendliche mit Migrationshuntergrund gibt! Vor diesem Hintergrund hat er zwar etwas notwendiges getan, aber weder um das Problem zu loesen noch in der adaequaten Art und Weise. Es wollte Stimmen am rechten Rand einsammeln und hat seine Stammwaehlerschaft verprellt. Wenn dass nicht Spaltung der Gesellschaft ist? Es wird noch spannend in Hessen.
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