. .
Politik in Deutschland
Schlagzeilen Themen Mobil iPad Blogs Investigativ Hefte
 
Fotocommunity
Fotocommunity

Treffpunkt für ambitionierte Amateurfotografie. Bilder hochladen und bewerten, sich mit anderen Austauschen. mehr...

Weblogs bei stern.de
Weblogs bei stern.de

Die Online-Tagebücher bei stern.de: Freie Autoren schreiben hier persönlich, direkt und eigenständig. mehr...

Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka
sternTV - Information und Unterhaltung mit Steffen Hallaschka

Vertiefende Informationen zu der aktuellen und den vergangenen Sendungen von sternTV. mehr...

stern Investigativ
stern Investigativ

Das Recherche-Team des stern. Erfahren Sie mehr über die Recherchespezialisten und ihre Enthüllungen von Terrorismus bis Wettmanipulation. mehr...

 

Ratgeber Versicherung

Warum die Beiträge steigen

Milliardenloch der Krankenkassen

Die gesetzlichen Kassen sind klamm, deshalb können sie einen Zusatzbeitrag erheben. Die DAK ist die erste große Kasse, die dies tut. Sie verlangt von ihren Mitgliedern acht Euro mehr im Monat. Was auf die Versicherten noch zukommt. Von Timo Pache und Kai Beller

Millionen Mitglieder gesetzlicher Krankenkassen müssen sich 2010 auf deutlich steigende Beiträge einstellen. Die Chefin des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen, Doris Pfeiffer, erwartet, dass alle Versicherten spätestens 2011 den Zuschlag zahlen müssen. Millionen werden schon in diesem Jahr zur Kasse gebeten.

Experten sagten voraus, dass zur Jahresmitte jedes zweite der rund 51 Millionen Kassen-Mitglieder betroffen sein wird. Wir zeigen, womit die Versicherten rechnen müssen.

Warum brauchen die Kassen einen Zusatzbeitrag?

Früher konnten die Krankenkassen eigenständig über die Höhe ihres Beitrags entscheiden. Wenn sie mehr Geld brauchten, erhöhten sie den Beitrag. Das geht seit Anfang 2009 nicht mehr. Heute gilt für alle Kassen ein einheitlicher Beitrag, der aktuell bei 14,9 Prozent des Einkommens bis zur Beitragsbemessungsgrenze (BBG) liegt.

Die Angelegenheit ist aber noch komplizierter. Denn die Einnahmen aus diesem Beitrag gehen nicht direkt an die Kasse, sie fließen zunächst in den Gesundheitsfonds. Der Bund zahlt ebenfalls in diese Geldsammelstelle ein, 2010 knapp 16 Milliarden Euro. Aus diesem Fonds erhalten die Kassen eine Pauschale für jeden Versicherten. Kommt eine Kasse mit diesen Einnahmen nicht aus, muss sie einen Zusatzbeitrag erheben. Genau das ist Fall sein: Der Verband der gesetzlichen Kassen rechnet damit, dass bis zu vier Milliarden Euro fehlen.

Wer muss mehr zahlen?

Der Spitzenverband der Kassen rechnet damit, dass der Zusatzbeitrag auf alle Versicherten zukommt. Die DAK mit sechs Millionen Versicherten ist die erste große Kasse, die 8 Euro mehr monatlich von ihren Mitgliedern verlangt. Auch Barmer und Techniker Krankenkasse schließen Zusatzbeiträge nicht aus.

Bei den Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOKen) gestaltet sich die Finanzlage zwar etwas freundlicher. Wegen ihrer Versichertenstruktur erhalten sie mehr Geld über den Risikostrukturausgleich. Kassen mit einem hohen Anteil von kranken und einkommensschwachen Mitgliedern profitieren von dem Finanzausgleich. Trotzdem schließen auch die AOKen Extraprämien nicht aus.

Einige Kassen haben einen Zusatzbeitrag für 2010 ausgeschlossen. Dazu gehört beispielsweise die Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) mit einer Million Versicherten. Auch die Securvita verzichtet in diesem Jahr auf den Aufschlag.

Wie hoch wird der Beitrag ausfallen?

Für den Zusatzbeitrag gelten zwei Grenzen: Maximal darf er ein Prozent der Beitragsbemessungsgrenze betragen, 2010 also 37,50 Euro im Monat. Da der Beitrag als Pauschale erhoben werden darf, gilt zudem eine zweite Grenze: Bis zu acht Euro monatlich dürfen die Kassen verlangen, ohne zu prüfen, ob dies beim Versicherten mehr als ein Prozent des Einkommens ausmacht. Rein rechnerisch wäre flächendeckend ein Beitrag von etwa sechs Euro nötig, um das prognostizierte Defizit auszugleichen. Aber die exakte Höhe hängt von der Finanzlage jeder Kasse ab.

Und wie kommt die Kasse an ihr Geld?

Jeder Beitragszahler muss das Geld selbst überweisen oder der Kasse eine Einzugsermächtigung erteilen. Zur Vereinfachung kann der Beitrag monatlich, halbjährlich oder jährlich gezahlt werden.

Was passiert, wenn ich nicht zahle?

Dann muss die Kasse das Geld eintreiben. Dafür hat sie entweder ein Inkasso-Unternehmen - oder, wie Betriebskrankenkassen oder die Techniker Krankenkasse, den Zoll. Doch das Inkasso-Verfahren gilt als sehr aufwändig. Alternativ könnten die Versicherung Leistungen zurückfahren. Aber auch hier gibt es rechtliche Probleme.

Lohnt sich eigentlich der ganze Aufwand?

Die Kassen bezweifeln das. Schon der Aufwand der Einkommensprüfung werde gewaltig, sagen Kassenfunktionäre - ganz zu schweigen davon, säumige Mitglieder zum Zahlen zu animieren.

Kann man sich gegen den Beitrag wehren?

Ja. Denn sobald eine Kasse den Zusatzbeitrag erheben will, können die Mitglieder binnen zwei Monaten zu einer günstigeren Kasse ihrer Wahl wechseln. Allerdings haben sie keine Gewähr, dass die neue Versicherung später nicht auch zum Mittel der Zusatzprämie greift.

Wie geht die Politik damit um?

Vor allem die FDP steckt in der Bredouille. Sie hat den Zusatzbeitrag seinerzeit abgelehnt, will nun aber die gesamte Finanzierung der gesetzlichen Kassen auf einen Pauschalbeitrag umstellen - wenn auch mit sozialem Ausgleich. Doch die Umstellung kostet viele Milliarden. Angesichts des Sparzwangs im Bundeshaushalt stehen die Pläne auf der Kippe.

Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) wird attackiert, weil er kein Kostendämpfungsprogramm auflegen will. Die CSU forderte ihn auf alle Sparmöglichkeiten auszunutzen. Der Kassenverband beklagt, dass zu viel Geld für unnütze Dinge ausgegeben wird.

KOMMENTARE (10 von 24)
 
ganzbaf (26.01.2010, 20:20 Uhr)
Weniger netto

von brutto.
Hauptsache die FDP Minister bekommen für sich selbst Sonderrabatte.
ganzbaf (26.01.2010, 20:17 Uhr)
Die Krankenkassen gehören verstaatlicht

Punkt und gut.
Administrator (26.01.2010, 08:54 Uhr)
Liebe User,
wir haben an dieser Stelle einige Beiträge gelöscht, in denen User beleidigt wurden oder die am Thema vorbei geschrieben waren. Bitte diskutieren Sie das Thema und sachlich.

Herzliche Grüße,

Ihre stern.de-Admins
flyingfree (26.01.2010, 01:52 Uhr)
Verlauf
Vor der "Gesundheitsreform Part One
13,7 % GKV Beitrag bei meiner Kasse (TK) und keine Praxisgebühr.
nach der "Reform" durchgängig Praxisgebühr und kurzzeitig 15,5 %
Danach eine Zeitlang 14,9 %.
Und jetzt?
Mal eine Frage, kann ich als einzelner, gemeiner Bürger auch eine Partei kaufen, zu einem ermäßigten Satz?
Hamsterrad (25.01.2010, 21:08 Uhr)
Die Krankenkassen Beitragserhöhung
Natürlich gibt es immer fromme vorgeschobene Gründe für Malaisen des Gesundheitssystems.
Auch die Presse drückt sich vornehm.
Aber eigentlich haben wir eine Verwahrlosung bei uns, des Staates, des Systems, der Werte und die Religion aller heisst:
Abkassieren ist gut.
Alle Benachteiligten sind mir egal, Looser eben. Und so bedient sich die Pharmaindustrie wie auch teils die Ärzte und Apotheken ungeniert und völlig hemmungslos an einem hohen Gut, der Bezahlung der Volksgesundheit.
Nirgendwo werden für lächerliche Leistungen derartige Beträge verlangt.
Und ungeniert langen die meisten in den Topf.
Und die Politik ?
Die noch nicht mit Sonderzahlungen und Posten versorgten Volksvertreter sind wahrscheinlich zuwenige und mutlos.
Verständlich. Wir werden bald ein unglaubliches inneres Klima in diesem Staat bekommen, ratsam sind gültige Reisepapiere.
tatanuna (25.01.2010, 20:42 Uhr)
Lobbyistenminister
will Pharmakosten senken. Wo bleiben dann die FDP-Spendengelder ? Der Bürger hat bis heute nicht begriffen, daß Politiker Selbstbediener sind. Bananenrepublik.
Stirn.de (25.01.2010, 19:46 Uhr)
Alles ein abgekatertes Spiel...
Erst beschließt die Bundesregierung 10 Euro Praxisgebühr pr.Quartal, dann alle Krankenkassen auf 14,9% zu setzen und nun zusätzlich 8Euro pr./Monat zu erheben.

Klar, der Staat verdient ja auch an ALLEM mit, weil ALLES versteuert werden muss.

das sind mehr wie 140 Euro JEDES JAHR JEDER arbeitende BÜRGER !!!
Das macht bei 32Millionen Arbeitnehmer :
448.000.000.0 EURO Einnahmen pr./Jahr

WO GEHT DAS GANZE GELD HIN ???
Kroko (25.01.2010, 19:30 Uhr)
Schön wärs
@ Stirn.de

Eher "Zuspruch".. ich habeda 5 schlagkräftige Argumente..;)

Allgemein: Unter FDP- Führung des Gesundheitsressorts wird uns diese Zuzahlung beschert. Vorher gab sie (FDP) vor, diese nicht zu wollen.
Deutlicher kann man sich beim Bürgervera..schen nicht mehr bloßstellen.
Sozimod (25.01.2010, 19:20 Uhr)
2.Teil
Weil Krankenhäuser Gewinne erzielen müssen, noch Kranke Patienten zu früh zur Reha geschickt werden. Weil die Pharmaindustrie unsere Parteien spenden müssen (vieleicht auch einzelne Politiker).
Die Schweine und Vogelgrippe bescherte der Pharmaindustrie Milliarden Gewinne.
Obwohl die Sozialversicherungsträger die Verantwortung der Leistungen (Kranken,Verletztengeld, EU Rente) den Argen, oder der Agentur für Arbeit aufzwingen.
Ein einziges Täuschungsspiel. Zu Lasten der Versicherer. Die 20-30 Jahre eingezahlt haben. Viele EU Rentner würden h e u t e wieder arbeiten, hätte man sie real therapiert und nicht wegverwaltet. Wie in Frankreich z.b.
Auch die zu langen Arbeitszeiten und der Negativstress werden sich noch Jahre später auswirken. Mobbing am Arbeitsplatz, sowie unzureichende Gesundheitsvorschriften für Unternehmer. Achtet mal auf Kundencenter: Nur noch Stehtresen!!!!
Es muss sich viel verändern. Als erstes wir uns.
evitaevita (25.01.2010, 19:17 Uhr)
Pharmakonzerne sind Werbekunden...
...und deshalb werden Stern, Spiegel etc. die wahren Gründe des ausufernden Krankeitssystem nie nennen: Die völlig absurden Phantasiepreise für Medikamente. Das ist das Werkzeug, mit dem die Versicherten ausgeblutet werden. Und wenn den Pharmariesen UND den Apotheken der Gewinn nicht reicht, muss einfach der Beitrag erhöht werden. Beispiel: Brauchte kürzlich eine Salbe mit (80! Gramm: Kosten 25 Euro! Nach alter Währung waren das 50 Mark! Das ist nur ein Beispiel für die Fantasiepreise die aufgerufen werden und uns ALLEN schaden!
 
Leser werben Leser

Jetzt den stern empfehlen und attraktive Prämie sichern!

 
 
 
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (23/2012)
Rettet die Liebe
 
MEHR ZUM ARTIKEL
Krankenkassen Millionen Versicherten drohen Zusatzbeiträge

Mehrere Krankenkassen werden ihren Versicherten demnächst zusätzlich ins Portemonnaie greifen. Da das Geld aus dem Gesundheitsfonds nicht reicht, wollen diese Kasse den für solche Fälle vorgesehenen Zusatzbeitrag erheben. Davon werden viele Millionen Versicherte betroffen sein. mehr...

Gesundheitsreform Der Arzt, dem die Ärzte vertrauen

Philipp Rösler bleibt gern im Ungefähren. Doch inzwischen steht der Reformplan des neuen Gesundheitsministers. Der Druck wächst, dass er seine Projekte erklärt. Der 36-Jährige hat sich einiges vorgenommen. mehr...

 
 
 
 
 
Krankenkassen-Vergleich Die beste Kasse finden

Sie suchen eine neue Krankenversicherung? stern.de findet die passende für Sie!
Zum Krankenkassen-Vergleich

 
 
 
stern-Ratgeber Richtig versichern

Welche Versicherung Sie jetzt brauchen und welche Sie sich sparen können

Linde Verlag
144 Seiten
ISBN: 9783709301753
9,90 €
Hier bestellen

 
 
 
Haben Sie Anregungen zum Thema? Hier können Sie sich an unsere Redaktion wenden.