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18. Juni 2010, 08:14 Uhr

Linke umgarnt SPD und Grüne

Nach der Ankündigung von Hannelore Kraft, nun doch eine rot-grüne Minderheitsregierung bilden zu wollen, steht die Linke in den Startlöchern. Vorsitzende Gesine Lötzsch sieht "große Schnittmengen" - etwa in der Bildungspolitik. FDP-Landeschef Andreas Pinkwart spricht indes von einer "Verzweiflungstat" Krafts.

NRW, Minderheitsregierung, Linkspartei, Gesine Lötzsch

"Unser Angebot steht": die Vorsitzende der Linkspartei, Gesine Lötzsch© APN

Nach der Entscheidung für eine rot-grüne Minderheitsregierung in Nordrhein-Westfalen hat die Vorsitzende der Linkspartei, Gesine Lötzsch, SPD und Grünen die Unterstützung ihrer Partei bei zukünftigen Abstimmungen im Landtag signalisiert. Es gebe zum Beispiel in der Bildungspolitik "große Schnittmengen", sagte Lötzsch dem "Hamburger Abendblatt". "Wir wollen längeres gemeinsames Lernen in den Schulen und wir wollen die Abschaffung der Studiengebühren." Auch hätten SPD, Grüne und Linke in vielen sozialen und ökologischen Fragen ähnliche Auffassungen, "die wir auch gemeinsam umsetzen können", sagte Lötzsch weiter.

Die Parteichefin erneuerte zugleich die Einladung der Linkspartei an eine rot-rot-grüne Koalition in Nordrhein-Westfalen: "Unser Angebot steht." Sie könnte die Minderheitenregierung "als vertrauensbildende Maßnahme akzeptieren, um dann eine ordentliche Regierung zu bilden", sagte Lötzsch.

Die Linkspartei, die im Düsseldorfer Landtag über elf Sitze verfügt, will sich laut Lötzsch noch nicht festlegen, ob sie SPD-Landeschefin Hannelore Kraft zur Ministerpräsidentin wählen wird. "Wir werden keine Blankoschecks verteilen. Klaus Ernst und ich werden in der nächsten Woche mit der Fraktion über diese Fragen ausführlich diskutieren", kündigte die Parteichefin an.

Pinkwart kritisiert Krafts "Verzweiflungstat"

FDP-Landeschef Andreas Pinkwart kritisierte Krafts Volte hingegen als "Verzweiflungstat". "Frau Kraft ist von ihrer Bundesspitze und vor allen Dingen von den Grünen in die Ypsilanti-Falle hineingetrieben worden", sagte Pinkwart im ZDF-Morgenmagazin. Die Grünen hätten auch die Sondierungsgespräche mit der FDP "torpediert, weil sie auf die Linken bauen".

Der SPD-Fraktionsvize Hubertus Heil wies den Vorwurf zurück, die Bundes-SPD hätte Druck auf Kraft ausgeübt. "Ich habe nicht den Eindruck, als hätte es Druck aus Berlin gegeben", sagte er der "Thüringer Allgemeinen". Heil lobte vielmehr die überraschende Entscheidung für eine Minderheitsregierung in NRW. "Es ist ein richtiger, konsequenter und auch mutiger Schritt". Dies sei kein einfacher Weg, aber der beste, den das Land nun habe. Diese Lösung sei nicht nur legal, sie sei auch völlig legitim, fügte Heil hinzu. "Es gibt die Möglichkeit zu einer stabilen Politik, wenn alle im Parlament ihre Verantwortung übernehmen."

Eine Stimme fehlt zur absoluten Mehrheit

Auch aus der Union kam erneut Kritik an der Entscheidung. Der Schritt der SPD stehe "in krassem Widerspruch zu ihrer staatspolitischen Verantwortung, zu einer stabilen Regierung beizutragen", sagte der parlamentarische Geschäftsführer der Unions-Bundestagsfraktion, Peter Altmaier (CDU), dem "Kölner Stadtanzeiger". Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), nannte Krafts Vorgehen einen "Beitrag zur Stärkung der Politikverdrossenheit".

Im Landtag fehlt dem Bündnis eine Stimme zur absoluten Mehrheit. Die Linke hatte im Vorfeld aber angekündigt, Kraft unter bestimmten Bedingungen zur Ministerpräsidentin zu wählen. In einem vierten Wahlgang würde ohnehin die relative Mehrheit der Stimmen ausreichen.

zen/joe/AFP/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 24)
 
paladin09 (18.06.2010, 14:19 Uhr)
Ohne die LINKEN
wird Kraft in NRW keine Minderheitenregierung betreiben können. Ohne die LINKEN wird es in Deutschland bald in garkeinem Ladesparlament mehr zur Regierungsmehrheiten kommen.
Das ist als realer Fakt bei den Altparteien nur noch nicht richtig angekommen.
Farbenseher (18.06.2010, 13:16 Uhr)
So, so
Zitat: "Wussten Sie dass Herr Ernst als erstes sein Gehalt hat hochsetzen lassen?"

Wussten Sie, dass das thüringische und das niedersächsische Landesparlament, gefolgt von der Charge rund um Merkel unmittelbar nach Verabschiedung des "Sparpaketes" erst einmal beschloss die Diäten für das nächste Jahr kräftig zu erhöhen?

Wussten Sie auch, dass allein die Mitglieder der Linke und zum Teil die der Grünen, solche Diätenerhöhungen direkt wohltätigen Zwecken zukommen lassen?

Wussten Sie evtl. auch, dass die Linke als einzige Partei dafür streitet, dass Firmenspenden an Parteien KOMPLETT verboten werden sollen?

Und übrigens, ich bezweifle ja, dass das schon zu ihnen durchgedrungen ist, aber: Wussten Sie, dass
1. Die sich die Linke aus der WASG (Ex-SPDler) und der PDS zusammensetzt und das der Ernst mit der DDR überhaupt nix zu tun hatte, sondern ein Gewerkschafter aus Bayern ist?

2. Das Sie in den Reihen der FDP und CDU jede Menge IMler finden werden, weil diese die Blockparteien komplett assimiliert haben nach der Wende?

Sie sollten sich einfach mal mit der Partei beschäftigen, das Parteiprogramm stimmt in weiten Teilen mit dem Godesberger-Programm auf dessen Grundlage die SPD von 1959 bis 1989 Politik gemacht hat, überein.

Mit anderen Worten:

NIX KOMMUNISMUS! VERSTEHEN? SOZIALE MARKTWIRTSCHAFT UND MITBESTIMMUNG!
Sozimod (18.06.2010, 12:41 Uhr)
Etwas mehr demokratieverständnis...
würde ich mir wünschen. DIE LINKE in NRW hat mit ihren Kandidaten die 5 Prozenthürde geschafft. Somit 11 Landtagsabgeordnete demokratisch (falls alle Stimmen gezählt wurden) vom Volk in NRW gewählt. Aber was wollen wir? Wieder eine Nationale Rechte? Fast die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger in NRW sind n i c h t zur Wahl gegangen!!!!
Unsere Demokratie ist in gefahr, verschuldet von den etablierten Parteien (sowie Sponsoren, Banken und Großunternehmen). Diese Politikverdrossenheit zeigt eines deutlich:

Das Volk ist mit der Politik der etablierten Parteien nicht einverstanden. Es zeigt auch noch:
DIE LINKE konnte vor Ort nicht für Vertrauen werben!

Wenn die etablierten Parteien, sowie Banken und Großunternhemen ihr System nicht freiwillig sozial, christlich verändern, wird es zur Eskalation kommen. Das will keiner!!! Oder?
susi_sonicht (18.06.2010, 12:07 Uhr)
Add delsa
Möchten Sie damit ausdrücken dass wir ungebildet waren/sind nur weil wir in der DDR zur Schule gegangen sind?

Glauben Sie allen Ernstes dass der Unterricht in der DDR nur aus Staatsbürgerkunde bestand? Sie armer Unwissender - die Bildung war einer der wenigen positiven Punkte auf der Liste des DDR-Alltages. Wenn ich mir dagegen anschaue was meinen Kinder seit 1990 in der Schule beigebracht wurde und wie oft der Unterricht ausfiel dann kann ich mich doch nur noch mit Schaudern abwenden und wundern dass sich über die Wissensvermittlung in den Schulen der DDR aufgeregt wird ... *kopfschüttel*
Schwarzenegger (18.06.2010, 12:04 Uhr)
@vegefranz
Was sollen wir wählen? Die Gefahr für unser Land geht m.E. nach vielmehr von Lobbyisten aus, die Einfluss auf Regierende nehmen um z.B. Hedgefonds zu legalisieren (Folge: Bankenkrise) oder europäische Schutzzölle verhindern (China hat restriktive Schutzzölle - der Hauptgrund warum die Produktion dorthin verlagert worden ist).

Die FDP ist die Lobbyistenpartei schlechthin, ein aktiver Transmissionsriemen des Großkapitals. Mit denen wird es niemals eine Eingrenzung der Hedgefonds oder Schutzzölle geben, die unsere europäischen Arbeitsplätze endlich sichern helfen.

Die CDU (der ich noch am meisten zutraue) ist leider zu gutgläubig gegenüber den Lobbyisten der FDP.

Die SPD ist korrupt, die Grünen haben ausser von Solar von gar nichts Ahnung und sind ebenfalls für Lobbyisten hochempfänglich (siehe Legalisierung von Hedgefonds), bleibt also nur noch die Linke.

So kurios es mir vorkommt, neben der CDU halte ich die Linke für die einzige auftrechte Partei. Auch wenn ich die Ziele der Linken im Allgemeinen nicht gutheisse, so scheinen sie mir zumindest ehrbare Gegner zu sein, ehrlich und unkäuflich.

Wenn die CDU nicht aufpasst, wird die Linke über kurz oder lang als einzige ehrliche Partei dastehen.

Wen also sollten wir wählen? Ich bin zunehmend ratlos.
susi_sonicht (18.06.2010, 11:57 Uhr)
Nein, Sononja
ich brauche die Linken absolut nicht - ich hatte sie 36 Jahre! Ich bin bedient von solchen Gestalten wie Lötzsch und Ernst. Wussten Sie dass Herr Ernst als erstes sein Gehalt hat hochsetzen lassen? Und Frau Lötzsch? Sie wissen wie die Dame zur DDR-Geschichte steht. Wie kann man schreiben dass solche Leute gebraucht werden - ne, das geht mir nicht in den Kopf. Ich habe doch die Wendehälse erlebt - vor der Wende hatten die Parteigenossen die große Klappe, zur Wende waren sie mucksmäuschenstill und niemand wollte es mehr gewesen sein (da sind die Herrschaften sogar zum Gottesdienst gegangen) und jetzt kommen sie wieder aus den Löchern gekrochen.

Aber da die Mehrheit der Menschen es so will - und ich bin demokratisch eingestellt - so sollen sie ihre Chance haben.

Aber einmal ernsthaft gefragt - was erwarten Sie sich eigentlich von dieser Partei? Glauben Sie allen ernstes dass sich diese Leute jetzt für sie (also den kleinen Mann, und die kleine Frau) einsetzen? Wie kann man nur solchen Illusionen nachhängen? Diese Leute werden genauso pragmatisch werden und angepasst wie die Grünen und als erstes an sich denken. An sich und ihre Futtertröge! Jede Wette gehe ich darauf ein!

Und trotz allem begrüsse ich es übrigens dass schwarz-gelb die Mehrheit im Bundesrat verloren hat. Denn schwarz-gelb ist auch keine gangbare Alternative - MEHR!
jeder (18.06.2010, 11:53 Uhr)
übrigens...
wird der spuck...schnell vorbei...sein...
jeder (18.06.2010, 11:51 Uhr)
hier...ihre neuen Genossen...frau kraft...
?Wir hoffen, dass wir mit dieser Mannschaft das nächste Jahr gut über die Runden kriegen.? (Ralf Michalowsky, neuer Parlamentarischer Geschäfsführer der Linkspartei)

Gestern stellte ?Die Linke? ihre Elf für NRW offiziell als Fraktion im Düsseldorfer Landtag vor.

Das Gruppenfoto dürfte sich der Verfassungsschutz wohl gerne ausschneiden. Denn sieben der neuen Abgeordneten unterhalten intensive Kontakte zu eindeutig extremistischen und vefassungsfeindlichen Organisationen.

? Anna Conrads (31), Politologin aus Duisburg, Mitglied der ?Roten Hilfe?. Deren Ziel ist laut Bundesregierung, die ?gewaltbereite Linke? in ihrem Kampf gegen die bestehende Ordnung zu stützen und zu stärken.? Sie verfolge ?linksextremistische und verfassungsfeindliche Bestrebungen?, ist sogar solidarisch mit inhaftierten terroristischen Gewalttätern, insbesondere aus der RAF.

? Michael Aggelidis (47, Jurist) aus Bonn, bekennt sich zur ?Antikapitalistischen Linken?, einer ultralinken Strömung innerhalb der Partei. Sie stellt laut Verfassungschutz die Systemfrage.

Der neue Fraktionschef Wolfgang Zimmermann (60) gehört ebenfalls dieser Gruppierung an. Seine Kollegin Bärbel Beuermann (54, Lehrerin) ist Mitglied der ?Sozialistischen Linken? (SL), die in ihrem Gründungsaufruf das Unrechtsregime der DDR als ?legitimen Versuch? bewertet. Auch die neue Vize-Fraktionschefin der Linken, Dr. Carolin Butterwegge gehört der ?SL? an.

? Ali Atalan (42) aus Münster war Ratsherr für die ?PDS ? linke Liste? im Stadtrat. Ein Bündnis, das auch von der örtlichen ?Deutschen Kommunistischen Partei? (DKP) mitgetragen wird.
Farbenseher (18.06.2010, 11:40 Uhr)
Verstand ist aus, Lautsprecher haben wir aber noch
Wenn ich so etwas lese wie "Dafür werden die Leute in NRW jetzt zahlen müssen...", dann frage ich mich, wo sich der Schreiberling in den letzten Jahren aufgehalten hat.

Die zahlen doch längst, für Bankenrettungspakete, die vollkommen einseitig nur vom Steuerzahler getragen werden, gleiches im Falle Euro-"Rettung", für eine vollkommene Unfähigkeit in Punkto Krisenmanagement, für Sparpakete, die uns direkt in die Rezession führen werden.
Alles folgen SPD/CDU, CDU/FDP gefärbter Polititk.

Die Politik der Linke hat mit Kommunismus ÜBERHAUPT nichts zu tun. Was die fordern, stimmt zu 100% mit dem GG überein. Und anstatt in Richtung Überwachungsstaat/Totalitarismus zu driften (Wie unsere letzten Regierungen), streitet die Linke für ein MEHR an Demokratie, siehe die Forderung nach politischem Streikrecht.

Ich weiss echt nicht, wie man zu einer derart verschobenen Wahrnehmung kommt. Hört euch einfach Gysis Reden zu den Themen "EU-Rettungsfond", "Sparpaket" oder "Bankenrettungspaket" an. Und versucht danach nochmal, solche Hirnzwergparolen von euch zu geben, ohne euch dabei etwas dümmlich vorzukommen. Es wird euch nicht gelingen.

Die Unterstellung, die Linke würde unerfüllbaren Umverteilungsphantasien nachhängen, ist blanke Springer-Polemik. Sie ist im Gegenteil die einzige Partei, die wirklich umfassende Lösungsvorschläge hat, die glaubhaft zielführend sein können.
undjetztnochder (18.06.2010, 11:18 Uhr)
@rockyciano
"Frau Kraft und Frau Löhrmann werden endlich Politik im Sinne des Bürgers gestalten können. Die Linke wird viele Projekte mittragen können - also eine Mehrheit ist gesichert." - Träumen Sie weiter. Das Ganze wird nicht funktionieren und allenfalls in einem Minimalkonsenz enden - die gemeinsamen Schnittmengen sind klein und schnell abgearbeitet. Und bei vielen großen Fragen wird es eben keine Entscheidung geben - zum Schaden der Menschen in NRW. Wo sonst ein Koalitionsvertrag eine relative Stabilität garantiert (und wie relativ selbst das ist können Sie sehr schön bei unserer aktuellen Bundesregierung studieren...), so gibt es bei einer Minderheitsregierung absehbar keine handlungsfähige Regierung. Die Menschen in NRW werden nun für dieses Experiment zahlen müssen, und ich wünsche denen, dass es nicht allzu lange dauert.

Und was die Opelaner angeht: die werden wenn überhaupt durch GM gerettet - oder überhaupt nicht!
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