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22. Januar 2009, 16:15 Uhr

CDU-Politiker grummeln mit Merkel

Die SPD jubelt - und in der Union mehren sich die kritischen Stimmen. Nach der beschlossenen Ausweitung des Mindestlohns präsentieren sich die Sozialdemokraten als Einheit und die Konservativen als Streithähne. Verkehrte Welt in Berlin? Von Tiemo Rink

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Ärger aus den eigenen Reihen: CDU-Wirtschaftspolitiker kritisieren den Kurs der Kanzlein© Axel Schmidt/ddp

Laurenz Meyer wirkt etwas verloren. Bis grade eben spazierte der ehemalige CDU-Generalsekretär am Donnerstagmittag noch munter durch die Abgeordnetenbänke der Union, hielt hier ein Schwätzchen, plauderte dort ein wenig. Nun gehen ihm plötzlich die Gesprächspartner aus. Seltsam entrückt lächelt der Parlamentarier, wringt die Hände, steht einfach so da und guckt zum Rednerpult. Dort jubiliert Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) soeben über die Ausweitung des Mindestlohns, die die große Koalition an diesem Tag mit satter Mehrheit beschließt. Und Meyer macht nicht den Eindruck, als würde er mitjubeln wollen.

In der Union dürfte es Anfang der Woche ordentlich gekracht haben. Schließlich musste der wirtschaftsliberale Flügel der Konservativen in den letzten Monaten einige Kröten schlucken: Erst die Rekordverschuldung des Bundes, dann die Teilverstaatlichung einiger Banken und nun noch der Mindestlohn - in der Wirtschaftskrise haben bisherige Glaubenssätze der Konservativen plötzlich keine Gültigkeit mehr. In der Fraktionssitzung am Dienstag wagten dann einige Abgeordnete rund um Laurenz Meyer den offenen Aufstand. Neben Meyer kündigten die Wirtschaftspolitiker Connemann, Michael Fuchs und einige weitere Abgeordnete an, gegen die Einführung von Mindestlöhnen zu stimmen – ein Affront für die Parteispitze. Unterstützung erhielten sie dabei vom Chef der CDU-Mittelstandsvereinigung Josef Schlarmann. Auch er schimpft seit Monaten über den angeblich zu wirtschaftsfernen Kurs der Kanzlerin. Die hatte die Kritik des Wirtschaftspolitikers sonst immer fein ignoriert - am Montag aber attackierte sie den Mittelständler vor dem versammelten CDU-Vorstand.

"Die letzten Mohikaner"

Spätestens seit dem überraschenden Triumph der FDP bei der Hessenwahl am letzten Sonntag zeigt sich die Union bemerkenswert dünnhäutig. Der aktuelle Kurs - so die Befürchtung einiger Abgeordneter - treibe die Wähler in Scharen zu den Liberalen. Darüber freuen kann sich naturgemäß die FDP. Für den Abgeordneten Heinrich Kolb sind die konservativen Abgeordneten rund um Laurenz Meyer wegen ihres Widerstandes gegen die Mindestlöhne die "letzten ordnungspolitischen Mohikaner der Union". In Richtung des Wunschkoalitionspartners stellt Kolb fest: "Sie werden von der SPD Stück für Stück über den Tisch gezogen."

Ganz anders stellt sich die Situation für den CDU-Arbeitsexperten Ralf Brauksiepe dar. Und der Abgeordnete klingt dabei fast wie ein Sozialdemokrat: Es gehe um "faire Löhne" und darum, dass die Menschen in Vollzeitarbeit von ihren Gehältern leben könnten. Der Abgeordnete dankt der SPD dafür, dass sie in den Verhandlungen von ihrem "hohen Ross heruntergekommen" sei. Das nun verabschiedete Gesetz sei ein Kompromiss, für den die SPD-Vizechefin Andrea Nahles "auf keiner Juso-Konferenz eine Mehrheit bekommen hätte", so Brauksiepe weiter.

Mindestlohn, Angela Merkel, laurenz Meyer, Kritik, Bundesrat, Bundestag, Abstimmung, SPD

Ablehnung im Bundesrat?

Auch die Sozialdemokratin Nahles lobt die konstruktive Arbeitsatmosphäre, in der die Union ihre Ablehnung schließlich aufgegeben habe. Die Einführung von Lohnuntergrenzen - bei Nahles scheint es sich um ein großes gemeinsames Projekt zu handeln, bei dem am Ende alle gewinnen. Andere Sozialdemokraten werden da deutlicher: "Der konservative Wirtschaftsflügel der Union hat alles getan, die Ausweitung des Mindestlohns in andere Branchen zu verhindern. Aber die SPD hat sich in den Verhandlungen durchgesetzt", so ein SPD-Bundestagsabgeordneter hinter vorgehaltener Hand.

Wieviel am Ende tatsächlich übrig bleibt, wird sich in den kommenden Wochen entscheiden. Dann muss das von vielen Konservativen ungeliebte Gesetz noch den Bundesrat passieren. In der Länderkammer jedoch hat die Große Koalition seit der Hessenwahl keine Mehrheit mehr. Die FDP baut darauf, den Mindestlohn spätestens dann zu stoppen und in den Vermittlungsausschuss zu delegieren. Mohikaner Meyer dürfte sich freuen.

Von Tiemo Rink
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
kalaehne (23.01.2009, 23:32 Uhr)
Meyer war und ist ein Fehlgriff...
...in der Bundespolitik , denn Meyer hat schon früher bewiesen, daß er an Selbstüberschätzung leidet : So als er kurz nach seiner Berufung zum "CDU - General " davon sprach, daß sich die Frau Merkel bei der Besetzung dieses Postens keinen weiteren Fehlgriff leisten könne. Offensichtlich war er ein Fehlgriff, denn mittlerweile ist der von Meyer als " Fehlgriff " gescholtene R. Polenz ein führender CDU - Außenpolitiker und Meyer durch Herrn Pofalla ersetzt. Zudem, Weitsicht ist keine Stärke des Herrn Meyer : Bedeutet doch gerechter und auskömmlicher Mindestlohn eine solide Grundlage für mehr zufriedene Bürgerinnen und Bürger in unserem Land und zugleich eine Entlastung der Staatskassen... Juergen Kalaehne
nightmare_online (23.01.2009, 14:45 Uhr)
@ganzbaf
Die Sache mit den Mindestlöhnen ist schon witzig. 2005 Im Wahlkampf nannten CDU und SPD Lafontaine einen Populisten, weil der dies forderte. Kurz nach der Wahl verabschiedete die CDU dann auf ihrem Bundesparteitag Ende 2005 dann die Forderung nach Mindestlohn. Der Antrag wurde von Jürgen "Robin" Rüttgers eingebracht (in Kenntnis der schlichten Tatsache das die SPD dies ablehnen würde, denke ich). Und die CDU machte eine 180°-Wendung.
Als die SPD dann im Sommer 2006 (wenn ich mich recht erinnere) ebenfalls eine 180°-Wendung machte, machte die CDU gleich mal noch eine, und war ab sofort wieder strikt gegen Mindestlohn. Man tauschte quasi die Rollen. Das Ergebnis blieb das gleiche. Mindestlohn gibts nicht. Als der linke Flügel der SPD dann etwas bockig war, einigte man sich darauf, das wenn sowohl Gewerkschaften als auch Arbeitgeber einer Branche für einen Mindestlohn seien, könnten sie ihn beantragen.
Aus diesen Vorgängen wird jedenfalls eines ganz klar. Und das ist, WO die Populisten sitzen.
Benkku (23.01.2009, 10:15 Uhr)
@kleinheiliger
Dem ist weiter nichts hinzuzufügen.
keinheiliger (23.01.2009, 06:40 Uhr)
Die Tatsache,
dass gewaehlte, halbwegs gebildete Menschen, die sich Volksvertreter nennen, darueber reden muessen, dass Menschen, die vollzeitbeschaeftigt sind, von dieser Taetigkeit auch leben koennen muessen, ist blanker Hohn. MfG
Margrit1 (22.01.2009, 21:26 Uhr)
was erwarten wir denn?
was hben wir denn? Eione FDJ-Kanzlerin, für die wir das Volk gar nicht vorhanden sind und ansonsten auch nur untere Mittelmäßigkeit.
Die CDU unter Merkel ist den Linken näher als der FDP, sie ist zur zweiten SPD geworden allerdings dem Lnksflügel angehörend. Ich warte immer auf den Tag wo Merkel uns mit Genossen anredet.
Die derzeitige Krise ist noch nicht groß genug, dass die Bürger endlich aufwachen.
ganzbaf (22.01.2009, 21:03 Uhr)
Die schwachbirnigen Grünen natürlich auc )-:
.
ganzbaf (22.01.2009, 21:02 Uhr)
Die jetzigen SPD-Granden waren selbst noch bis lange nach den letzten Wahlen gegen jeden Mindestlohn...

Davor natürlich auch und umso vehementer.
;-Pp
bundesboy (22.01.2009, 19:44 Uhr)
Wann merkt der wirtschaftsliberale Flügel, dass Schluss mit lustig ist?
Hoffentlich wehrt sich der wirtschaftsliberale Flügel noch lange, damit die SPD besser zeigen kann, was für Traumtänzer da mitmachen. Es ist nicht gut für die SPD, wenn sie jetzt ständig gewinnt und es dann im Wahlkampf nix mehr zu gewinnen gibt.
UweBerlin (22.01.2009, 18:58 Uhr)
Laurenz Meyer
auch so ein Kandidat, der aufregend ist wie ein paar eingeschlafene Schweißmauken.
Wenn ich an das Betonlächeln denke, wird mir schlecht.
Mit solchen Politikern wird das einfach nichts in Deutschland.
Ob Mindestlohn/Hartz IV - oder andere Behelfssachen - es ist das Herumdoktern an den Auswüchsen und kein Bekämpfen der Ursachen.
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