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17. Dezember 2007, 08:07 Uhr

Glos warnt vor "Dammbruch"

Wirtschaftsminister Michael Glos hat vor der generellen Einführung von Mindestlöhnen gewarnt. Es müsse eine "Brandmauer" gegen weitere Maßnahmen her. Auch Arbeitgeberpräsident Hundt warnte vor der flächendeckenden Ausweitung.

Der deutsche Wirtschaftsminister Michael Glos beim nationalen IT-Gipfel in Hannover am 10. Dezember 2007© Hannibal Hanschke/Reuters

Nach der Zustimmung des Bundestages zum umstrittenen Post-Mindestlohn warnt Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) die Union eindringlich vor einer ähnlichen Entwicklung in anderen Branchen. "Nach dem Post-Mindestlohn ist der nächste Dammbruch bei der Zeitarbeit zu befürchten", schrieb er in einem Brief an die Mitglieder der CDU/CSU-Fraktion, über den die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (FAZ) und die "Financial Times Deutschland" berichten. Sollte die Deregulierung der Zeitarbeit wieder rückgängig gemacht werden, "droht der Verlust vieler Arbeitsplätze".

Es sei richtig, Menschen vor einer möglichen Ausnutzung in Notsituationen zu schützen, schrieb Glos laut FAZ. Beim Post- Mindestlohn sei aber "mit unredlichen Argumenten ein Problem konstruiert" worden, um eine wirtschaftspolitisch richtige Reform, die Liberalisierung des Postmarktes, zurückzudrehen. Die offensichtlich zu hoch angesetzten Mindestlöhne machten Arbeitsplätze unrentabel und führten zu Arbeitsplatzabbau - gerade bei Geringqualifizierten. Bei der Zeitarbeit drohe "eine ähnliche Rolle rückwärts". Deshalb müsse eine "Brandmauer gegen weitere arbeitsplatzgefährdende Maßnahmen" her.

Kauder: "Lohnfindung ist Aufgabe der Tarifpartner"

Wie Glos lehnte auch Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) allgemeine gesetzliche Mindestlöhne strikt ab. "Es kann keinen gesetzlichen Mindestlohn geben. Die Lohnfindung ist Aufgabe der Tarifpartner", sagte Kauder in der ARD-Sendung "Bericht aus Berlin". Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Laurenz Meyer (CDU), bekräftigte in der "Bild"-Zeitung: "Flächendeckende Mindestlohn-Lösungen wird es mit der Union nicht geben."

Der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Arbeitgeberverbände (BDA), Dieter Hundt, wies in der "Bild"-Zeitung den jüngsten Vorstoß von Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD), das Entsendegesetz auszudehnen, scharf zurück. "Der Arbeitsminister befindet sich auf einem gefährlichen Irrweg", sagte Hundt. "Branchenbezogene gesetzliche Löhne werden wie bei der Post auch in anderen Branchen dazu führen, dass viele ihren Arbeitsplatz verlieren. Herr Scholz, lassen Sie die Finger von dieser arbeitsplatzvernichtenden Politik", sagte Hundt.

Rürup für flächendeckenden Mindestlohn von 4,50 Euro

Der Wirtschaftsweise Bert Rürup sprach sich in der "Märkischen Oderzeitung" dagegen für einen flächendeckenden Mindestlohn von etwa 4,50 Euro pro Stunde aus. Damit wären "definitiv keine relevanten Beschäftigungsverluste verbunden". Ein flächendeckender gesetzlicher Mindestlohn für alle Branchen solle "als letztes Netz dienen, weil es immer Bereiche gibt, in denen es keine Tarifverträge gibt". Dieser Mindestlohn müsse von einem Kombilohn begleitet werden, bei dem der Staat einen Teil des Lohnes zahlt, sagte der Vorsitzende des Rates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Unterdessen stellte der Chef und Minderheitsgesellschafter des angeschlagenen Briefzustellers Pin-Group, Günter Thiel, dem Axel- Springer-Verlag als Haupteigentümer ein Ultimatum. "Wir brauchen bei Pin bis Weihnachten einen Geldeingang", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Zwischen einer Einigung und einer Überweisung müssten ein paar Dinge organisiert werden. "Spätestens Dienstagmorgen wird man deshalb weißen oder schwarzen Rauch aufsteigen sehen." Am Dienstag tagt der Pin-Verwaltungsrat.

Thiel ist bis dahin bereit, Springers 63,7 Prozent-Anteil an Pin zum symbolischen Preis von einem Euro zu übernehmen und den Post- Konkurrenten fortzuführen. Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner lehnte dies im Magazin "Spiegel" ab: "So wie er sich das vorstellt, geht das nicht."

Zeitungsträger sollen Pin retten

Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Fraktion im Bundestag, Ludwig Stiegler, warnte Thiel vor einem Unterlaufen des Mindestlohnes für Briefdienstleister. "Der Bundestag wird sich von einem Unternehmer, der mit Dumpinglöhnen Wettbewerb betreiben will, nicht auf der Nase herumtanzen lassen." Stiegler reagierte damit auf einen "Focus"-Bericht, dem zufolge Pin den Mindestlohn mit Hilfe von Zeitungsboten umgehen will. Pin-Vorstandschef Thiel sehe den "flächendeckenden Einsatz von tausenden Zeitungsausträgern" vor.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 19)
 
Cairol (20.12.2007, 01:57 Uhr)
Eines steht fest
ich würde niemals und unter gar keinen Umständen für 4,50 € die Stunde arbeiten gehen. Politiker die so etwas forden haben nicht mehr alle Eier in der Pfanne.
kralli19 (19.12.2007, 18:20 Uhr)
´Christliche Gewerkschaft´
Klar fürchtet Glos einen Mindestlohn bei der Zeitarbeit, bisher hat er ja mit seiner "Christlichen Gewerkschaft" das Ziele Gleicher Lohn für Gleiche Arbeit erfolgreich boykottiert. Die jetzigen Zeitarbeits-Tariflöhne wurden vom DGB & Co damit Gerechtfertigt, das man so niedrig abschließen müsse, damit sie nicht noch von der Christlichen Gewerkschaft unterboten würden. So weit ist es schon. Da organisieren sich Arbeitgeber und Politiker in einer Gewerkschaft, nennen die auch noch zynischerweise "christlich" und handeln dort Löhne für Arbeitnehmer aus. Eine reine Pseudo- und Alibi-Gewerkschaft. Wahrscheinlich bezieht sich das christlich nur auf "Armut schändet nicht".
ganzbaf (17.12.2007, 13:36 Uhr)
Beispiel Frankreich: Seit über 50 Jahre Mindestlohn. Z.Zt. 8.- Euro/h!...
...und wird auch noch alle 3 Jahre der Inflation angeglichen!
Dazu seit über 10 Jahren die 35Std.-Woche, die jedes hochdurchrationalisiertes Wirtschaftsland nötig hätte. Wenn nicht weniger...
Eisenbaer (17.12.2007, 11:34 Uhr)
Rürup gehört auf die Kleinkunstbühne
Im Mainzer "Unterhaus" hätte er mit diesem Zitat die Lacher auf seiner Seite: `Damit (4,50 Euro die Stunde Mindestlohn) wären "definitiv keine relevanten Beschäftigungsverluste verbunden"´. Er sollte aber den Satz nachschieben: "Die Leute müssen sich nur von der Idee befreien, von ihrer Arbeit leben zu wollen."
mutti1 (17.12.2007, 11:28 Uhr)
beim MINDESTLOHN der angefordert ist
geht es um das sich selbst finanzieren des eigenen datengeschützten lebens, man fordert von dem bürger, das er sich dauernd erniedrigen und ausbeuten lässt.
das hauptinteresse von den politikern ist, ihre pfründe zu schützen, denn diese sitzen ja oft in den jeweiligen branchen aufsichtsräten und wer kann behaupten, das 1 stunde klo putzen weniger qualifizierung nötig hätte, als 1000 bedienstete täglich zu motivieren, ihrem boss die goldene nase zu erwirtschaften?????? die post hat unsere porto -überschüsse in aller welt zum filialen eröffnen verpulvert, aber dort zahlt man sicher keine 55 cent für 1 brief.
und 1 stunde als geschirrspüler ist anstrengender als die mio. bleistiftanspitzer in den beamtenstuben.
nur beim aushecken von hartz 4, riesterrente, SGB der letzten 4 jahre und bei der mehwertsteuer und der reichen-nicht-steuern sind die fleißig....
dachauerthomas (17.12.2007, 11:24 Uhr)
Schwachsinn???
Hungerlöhne sind kein Schwachsinn, sondern System. Gewinne privatisieren (zugunsten der oberen 10000), Verluste sozialisieren ist eine Version, heute kommt da noch hinzu, dass die Beschäftigten für faktisch nichts arbeiten (müssen, wenn sie nicht ihre staatliche Untersctützung verlieren wollen) aber davon nicht leben können und trotzdem weiter Hartz4 benötigen. Das heißt doch, der Staat, das heißt wir mit unseren Steuergeldern bezahlen die Billiglöhner und die Gewinne der Firmen.
Eisenbaer (17.12.2007, 11:15 Uhr)
@undjetztnochder
Das ist ja fein formuliert: "...wenn er (der Mindestlohn von 4,50 Euro die Stunde) keine Arbeitsplätze vernichtet". NATÜRLICH würden 4,50-Euro-Mindestlohn-die-Stunde-Jobs massenweise Arbeitsplätze vernichten (das liegt in der Natur der Sache), nämlich die Jobs bei denen jetzt noch mehr gezahlt wird. Der Postmarkt ist begrenzt und er nimmt in Zeiten von E-Mail usw. immer weiter ab. Deshalb wollte ja auch PIN das "Morgenzeitungsaustragen" mit der Briefzustellung verknüpfen und TNT das Verteilen von Werbebroschüren damit.
***
Und wenn jetzt PIN jammert, dann hat das noch den pikanten Beigeschmack, dass denen die Einführung eines Mindestlohns vermutlich ganz recht ist. Denn das "Morgenzeitungsaustragen" und die Briefzustellung lassen sich zeitlich eben nicht unter einen Hut bringen. Die Zeitung soll bereits auf dem Frühstückstisch liegen, das Briefe lesen hat bis abends Zeit. Deswegen jammert ja auch nur PIN so laut. TNT hat mit seinem Konzept weitaus weniger Probleme, deshalb hört man von denen auch kaum etwas. Und die (Gelbe) Post kann mit diesen Mindestlöhnen auch gut leben.
***
Also haben Arbeitnehmer auch keinerlei Veranlassung, über eine Senkung dieses Mindestlohns nachzudenken, wollen sie sich nicht freiwillig vor den Karren der Arbeitgeber spannen lassen.
Maroon (17.12.2007, 11:06 Uhr)
Gesunder Menschenverstand
Ich hab das gerade mal ausgerechnet. 4,50 € die Stunde x 160 Stunden = Nettoverdient bei Steuerklasse 1 von ca. 570,00 €........
Manchmal habe ich das Gefühl, bei unseren Entscheidungsträgern greift die kollektive Gerhirnerweichung um sich. Wer soll davon leben? Oder besser....wer geht dafür arbeiten?
Wieso funktioniert der Mindestlohn, der ein menschenwürdiges Leben ermöglicht, in unseren Nachbarländern?
Wer für dieses Geld arbeitet, bekommt vom Staat noch was drauf damit er überhaupt über die Runden kommt..diese Zahlungen werde aus Steuergeldern finanziert.
??? Arbeitsplätze zu Dumpinglöhnen auf Kosten der Steuerzahler....oder versteh ich da was falsch????
atride (17.12.2007, 10:52 Uhr)
und wer schützt uns
überhaupt vor dem dammbruch an schwachsinn aus der politik? ich ersaufe!
kurter123 (17.12.2007, 10:44 Uhr)
mindestlohn
von 7 euro muss eingeführt werden. der endbenutzer hat es schon so schön für 4,5 euro die stunde ausgerechnet. Er hat aber die steuer vergessen. Dann ist es sinnlose arbeit und man sollte lieber den arbeitgeber ausrauben um ein anständiges gehalt zu bekommen.
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