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24. Juli 2008, 08:47 Uhr

Komplett-Umzug nach Berlin?

Offenbar kursieren in Berlin Pläne, auch die restlichen Ministerien nach Berlin zu holen. Derzeit haben noch sechs Ministerien ihren Hauptsitz in der früheren Bundeshauptstadt Bonn. Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht das Vorhaben skeptisch.

Bonn hat sich als Sitz vieler UN-Organisationen etabliert© Hermann J. Knippertz/AP

Die Bundesregierung hat keine Pläne für eine komplette Verlagerung aller Ministerien von Bonn nach Berlin. "Wir haben keine Umzugspläne in der Schublade liegen", sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums am Donnerstag in Berlin. Die "Bild"-Zeitung hatte zuvor berichtet, die Regierung schließe einen Umzug nicht aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte entsprechende Spekulationen bereits zurückgewiesen.

Keine Bewertung im Bericht

Die Zeitung hatte sich auf einen Bericht des Innenministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestages berufen. Wie die Sprecherin erklärte, sei dieser Bericht auf Wunsch des Ausschusses erstellt worden, ihr Ministerium sei dafür traditionell zuständig. In dem Bericht sei aber keine Bewertung abgegeben worden. Es liege jetzt am Ausschuss, daraus Schlüsse zu ziehen.

"Bild" berichtete, in dem Bericht sei erstmals von einer möglichen "Änderung des Berlin/Bonn-Gesetzes" die Rede. Für diesen Fall seien jedoch weitere Ausgleichmaßnahmen für Bonn "zu prüfen". Politiker von Regierung und Opposition äußerten sich laut "Bild" positiv. Dem Bericht zufolge verlagern immer mehr Ministerien mit Dienstsitzen auch in Bonn weitere Kernbereiche nach Berlin oder überlegten dies zumindest.

Noch sechs Ministerin in Bonn

Sechs Ministerien haben nach dem Berlin/Bonn-Gesetz von 1991 ihren Hauptsitz am Rhein, zusätzlich unterhalten das Kanzleramt und alle anderen Ressorts Außenstellen in Bonn. Noch immer arbeiten mehr Ministerialbeamte und Angestellte in der früheren Hauptstadt, nämlich 9148, als in Berlin mit 8726, wie das Blatt schreibt.

Der CDU-Fraktionschef im Berliner Abgeordnetenhaus, Friedbert Pflüger, begrüßte den Plan eines kompletten Umzugs: "Die Pendelei verursacht nicht nur immense Kosten. Wir haben auch in Zeiten bester telekommunikativer Ausstattung noch immer große Reibungsverluste in der Arbeit", zitierte ihn das Blatt. Auch der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Rainer Brüderle, hält den Umzug zumindest von weiteren Teilen der Ministerien für "wünschenswert".

Auch der Bund der Steuerzahler forderte den kompletten Umzug: "Die Vorbereitungen müssen jetzt getroffen werden", sagte Verbandsgeschäftsführer Reiner Holznagel laut "Passauer Neue Presse". Die jährlichen Kosten des doppelten Regierungssitzes beliefen sich auf bis zu 23 Millionen Euro pro Jahr, kritisierte er. Allein für Flüge zwischen Bonn und Berlin habe der Bund zuletzt bis zu neun Millionen Euro jährlich bezahlt.

Die haushaltspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Gesine Lötzsch, erklärte, die Kosten "für zwei Regierungssitze sind durch nichts zu rechtfertigen". Bonn sei großzügig entschädigt worden. Jetzt gehe es darum, die Arbeitsfähigkeit der Bundesregierung in Berlin vollständig herzustellen "und den enormen Aufwand für die Aufrechterhaltung zweier Regierungssitze schnell zu reduzieren". Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach lehnte einen Komplettumzug ab. "Richtig ist, dass Bonn nicht nur, aber auch wegen der Telekom eine erfreuliche Entwicklung genommen hat", sagte der CDU-Politiker dem "Kölner Stadt-Anzeiger". "Richtig ist auch, dass die Stimmen mehr und lauter werden, die einen Komplettumzug nach Berlin fordern. Aber das Bonn-Berlin-Gesetz gilt. Und es gibt keinen Grund, das Gesetz zu ändern."

AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 13)
 
Motte07 (24.07.2008, 16:10 Uhr)
Was soll's?
Immer noch fliegen auf Kosten des Steuerzahlers jeden Wochenanfang und -ende unzählige Regierungsbeamte von Kön/Bonn nach Berlin und andersrum, da sie in der Hauptstadt arbeiten aber im Rheinland wohnen.
Wenn jetzt noch die restlichen Ministerien umziehen, fliegen halt doppelt soviele Maschinen das rheinische Beamtenpersonal in die Hauptstadt und zurück. Den Steuerzahler gruselts...
Bigfamily (24.07.2008, 16:05 Uhr)
Einfach widerlich
Warum schreibt eigentlich keiner, dass der Bericht der Bundesregierung bestätigt, dass das Kapitel Regierungsumzug abgeschlossen ist und die Bundesregierung sich mehrfach ausdrücklich zur Einhaltung des Bonn-Berlin- Gesetzes bekennt?
Warum schreibt keiner, dass der Bericht der Bundesregierung mit einer Fülle von Fakten diejenigen widerlegt, die mit falschen Zahlen und Legendenbildungen immer wieder für einen Totalumzug eintreten?
Diese Einseitigkeit der Berichterstattung ist einfach nur widerlich!
utospatz (24.07.2008, 14:18 Uhr)
Ein jeder Thor sucht einen Lobbyisten,
dann musst Du dein Gehirn parteipolitisch versuchen auszumisten! Seit 50 Jahren geht es nur, bleib auf Konrad-Adenauers-Stiftung nur, erlebst du nur, Deutschland Pur!
Dann versuchts die SPD, mit der Hans-Böckler-Stiftung, nachzuziehn das tut weh!
So wird denn über Nacht, ein ganzes Volk parteipolitisch totgemacht!
Da hast du nun Mal das Internet, hast trotzdem keine Macht, weil dank christlichem Schäuble wirst Du totgemacht!
starmax (24.07.2008, 12:57 Uhr)
Am besten ständig in der Luft
- dann können diese Bürokraten und Lobbyisten weniger shcaden anrichten: Laßt sie im Luftraum kreisen!
Nordlich26 (24.07.2008, 12:30 Uhr)
abschöpfen - das ich nicht lache!???
@ Französin: wer soll den hier wen abschöpfen? Es gibt zwischen Bonn und Berlin eine sehr, sehr teure Anlage, die die gesicherte Datenübertragung ermöglicht: den Informationsverbund Berlin-Bonn (IVBB). Wenn sie Angst vor Abschöpfung und Unterwanderung haben, dann schauen sie sich mal aufmerksam im Berliner Nachtleben um. Ich wette, da sind sie schnell desillusioniert. Teilweise steht auch in der Presse mehr, als die einzelnen Bundestags-Ausschüsse selbst wissen. Denken sie sich ihren Teil dazu...aber nicht naiv sein.
fladdy36 (24.07.2008, 12:14 Uhr)
wird zeit
endlich die kosten einzudämmen die dieser irrsinn bisher uns steuerzahler schon gekostet hat. nur um arbeitsplätze zu erhalten? das ich nicht lache.... bonn ist ohne die regierung eh schon ein kaff... alles nach berlin (wenn es denn schon unsere hauptstadt ist) alles andere ist mumpitz und kostet unnötig geld!
Clemens1964 (24.07.2008, 12:04 Uhr)
wieviele
milliarden (oder % der letzten steuerhöhungen) hat dieser idiotische umzug bis jetzt eigentlich gekostet?
Franzoesin (24.07.2008, 10:53 Uhr)
Umzug nach Berlin
An den Kommentaren der Umzugs-Gegner sieht man, das die BRD wirklich nur ein politisch unbedeutender Zwergstaat ist. Kein wichtiger in der Welt Staat zerstreut seine Entscheidungs -Zentralen im Lande - andere Völker bauen sogar extra neue Hauptstädte um ein Machtzentrum zu bekommen.
Der Umzug ist die einzige logische Entscheidung - wer dagegen ist, trägt eine realitätfremde ideologische Scheuklappe : JÄHRLICH werden dadurch hunderte von Millionen Euro aus dem Fenster geschmissen ( zu lasten der Allgemeinheit ), dass in Bonn Ministerien sitzen : täglich Sonder-Flüge von Berlin nach Bonn und zurück durch Ministerien- mitarbeiter - Versand von Information ( Post, Tel? E-Mail) die nicht nur kosten sonden für jeden fremden Dienst ein Festmahl zur Informationsabschöpfung sind ( nur Naivlinge glauben das geschähe nicht ). Diesmal hat Herr Schäuble recht und ich hoffe für Deutschland das er sich durchsetzt gegen den Beamten- und Abgeordneten- Sumpf, dem sein Häusle in Bonn wichter ist als Deutschland.
Nordlich26 (24.07.2008, 10:32 Uhr)
Die Haushälter im Bundestag waren es´!
In den letzten Tagen sind immer wieder Schlagzeilen dieser und ähnlicher Art über die Presseagenturen lanciert worden. Nur haben die kaum in den Medien Erwähnung gefunden.
Jetzt wird die Keule des Komplettunzuges aus der Tasche gezogen, obwohl das so überhaupt nicht in dem Bericht steht. Vielmehr ist von wenigen Stellenverlagerungen in Kernbereichen die Rede und einem KLAREN BEKENNTNIS zum Bonn-Berlin Gesetz. Und auch die angebliche Anzahl der Bonner Beamten-Planstellen ist anhand einer völlig innovativen Zählweise zustande gekommen. Das stimmt so nicht. Die Medien sollten sich nicht von ein paar wenigen PR-Leuten vor den Karren spannen lassen. Das ist pure Berliner Standortpolitik.
Und es war eben nicht Schäuble diesmal. Dessen Ressort musste die Anfrage einiger ausgewiesener Umzugsbefürworter im Haushaltsausschuss beantworten. Und die wiederum lancieren jetzt fleißig Halbwahrheiten...und die Medien übernehmen es leider leichtfertig.
Clemens1964 (24.07.2008, 10:21 Uhr)
klar will der nach berlin...
in bester gestapo und stasi tradition - obwohl sich schäuble über deren armselige möglichkeiten heute wohl eher amüsieren dürfte.
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