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30. Oktober 2009, 11:54 Uhr

Denkzettel für Lieberknecht

Zweimal fiel sie durch, erst im dritten Gang klappte es: Christine Lieberknecht hat bei der Ministerpräsidentenwahl herbe Ohrfeigen kassiert - für Schwarz-Rot in Thüringen ein klassischer Fehlstart.

Thüringen, Landtag, SPD, CDU, Wahl, Koalition, Ministerpräsidentin

Versteinerte Miene: Christine Lieberknecht wurde erst im dritten Durchgang zur Ministerpräsidentin gewählt© Martin Schutt/DPA

Die CDU-Landeschefin Christine Lieberknecht ist nach einem Abstimmungsdrama im Landtag neue Ministerpräsidentin von Thüringen. Sie setzte sich am Freitag erst im dritten Wahlgang in einer Kampfkandidatur gegen den Linke-Politiker Bodo Ramelow durch. Die 51-Jährige erhielt 55 von 87 abgegebenen Stimmen. Ramelow kam auf 27 Stimmen. In den ersten beiden Wahlgängen hatte Lieberknecht mit jeweils 44 Stimmen die erforderliche absolute Mehrheit jeweils verfehlt. Daraufhin kündigte Ramelow überraschend seine Kandidatur an. Im dritten Wahlgang reichte die einfache Mehrheit.

Im ersten Wahlgang bekam Lieberknecht lediglich 44 von 87 abgegebenen Stimmen. Eine davon war ungültig. 39 Parlamentarier stimmten mit Nein, drei enthielten sich. Im zweiten Wahlgang wiederholte sich das Drama: Sie erhielt erneut nur 44 Ja-Stimmen. Dem gegenüber standen 38 Nein-Stimmen und vier Enthaltungen. Im neuen Landtag verfügt die CDU über 30 Abgeordnete, die SPD über 18 - zusammen wären das 48 Stimmen.

Lieberknecht nicht überrascht

Lieberknecht zeigte sich nach dem Wahlmarathon erleichtert. Für sie seien mehrere Wahlgänge aber auch nicht überraschend gewesen, schließlich habe es "dramatische Wochen" bis zum Abschluss des Koalitionsvertrags zwischen Union und SPD gegeben, sagte sie. Zwei völlig unterschiedliche Parteien hätten sich angenähert. Das habe sicher auch bei der Entscheidung in der Wahlkabine eine Rolle gespielt.

Lieberknecht zeigte sich jedoch überzeugt, dass sich die neue Regierung ihrer Mehrheit im Landtag künftig sicher sein könne. "Das war die einzige geheime Wahl." Sie kündigte an, dass sie für eine starke Regierung, aber auch ein starkes Parlament stehe. Im Regierungshandeln solle auch die Perspektive des Parlaments mitgedacht werden.

SPD schiebt Schuld auf CDU

Die SPD wies die Veranwortung für das Wahldebakel strikt von sich. Nach den Worten ihres Fraktionschefs Christoph Matschie hat die SPD bei allen drei Abstimmungen gestanden. Seine Fraktion habe auch zur Entscheidung über eine Koalition mit der CDU gestanden. "Da bin ich mir hundertprozentig sicher", betonte der Landeschef. Auch nach Angaben des SPD-Vizepräsidenten des Landtages, Heiko Gentzel, stimmten die Genossen geschlossen für Lieberknecht. "Wir stehen zu unserem Wort." Es sei ein denkbar schlechter Start für die Koalition. Die designierte SPD-Sozialministerin Heike Taubert sagte: "Wahrscheinlich werden da in der CDU alte Rechnungen beglichen."

"Klassischer Fehlstart"

"Ich habe Hochachtung für Frau Lieberknecht", sagte Ramelow, nachdem er der neuen Ministerpräsidentin gratuliert hatte. Für ihn zeige die Wahl, dass die neue Koalition nach wie vor gespalten ist. Lieberknecht tue gut daran, dass Parlament an den Regierungsentscheidungen zu beteiligen. "Wenn sie nur auf die Koalition angewiesen ist, wird sie Schiffbruch erleiden." Ramelow sprach von einem "klassischen Fehlstart" der neuen Regierung. "Da stolpert zusammen, was nicht zusammengehört."

Grünen-Chefin Astrid Rothe-Beinlich kommentierte die Vorgänge mit der Bemerkung: "Ich bin gespannt, wie diese Regierung die von ihr versprochene politische Stabilität umsetzen will."

Lieberknecht übernimmt das Amt von Dieter Althaus, der vor knapp zwei Monaten nach dem schlechten Abschneiden der CDU bei der Landtagswahl zurückgetreten war. Sie ist die erste CDU-Ministerpräsidentin der Bundesrepublik und nach der früheren schleswig-holsteinischen Regierungschefin Heide Simonis (SPD) erst die zweite Frau an der Spitze eines Bundeslandes.

DPA/AP/AFP/Reuters
 
 
KOMMENTARE (10 von 45)
 
ganzbaf (30.10.2009, 22:03 Uhr)
Aber in der DDR...

gab es nicht so viel Arme, keine Massenarbeitslosigkeit und nicht so viel faulenzenden Millionäre...;-P
Sogar die Staatsverschuldung war ein Klacks gegen unsere 1,6 Billionen.

Trotzdem will die keiner zurück haben. Wenn Sozialismus dann nur einen demokratischen und voll auf dem Boden des Grundgesetzes. ...Das bekanntlich "kernsozialistisch" ist ;-D
Noch besser wäre nur die Direktdemokratie reinsten Wassers...;-)
auwei (30.10.2009, 16:42 Uhr)
@raptor
IhreEinstellung ist klar und unmissverständlich. Andere sehen die Dinge eben anders, so auch ich. Trotzdem ist es etwas ermüdend, wenn jedes Thema zur Grundsatzdiskussion ausartet, weil jemand partout das (Linkenhasser-)Wasser nicht halten kann.
raptor-xl (30.10.2009, 16:20 Uhr)
@Bitte-sachlich
ich soll mich zurücknehmen, wenn sie und andere die jubelschreie auf die linken loströten? wieso denn? gehört ihnen das alles hier? erhebt die partei wieder alleinanspruch?
und wieso betiteln sie mich als konservativ? wenn schon, dann bin ich fdp-fan. sicher nicht von merkel.
und wieso sollte ich nicht sagen, dass die linken lügen? haben sie was gehalten? in sachsen-anhalt haben sie den höppner geduldet. danach war das land mehr verschuldet und die arbeitslosigkeit so hoch wie nie. in meck-pomm kam es dann auch so. und in berlin ist es immer noch so. da haben sie den schuldenberg von diepgen fast verdreifacht und dennoch geht es berlin schlimmer denn je... und was wird in brandenburg sein? kommt da recihtum für alle? oder der mindestlohn? ich möchte wetten: NEIN!
mag ja sein, dass andere parteien auch viele fehler haben. aber trotz alldem wurde auf deutschem boden bis heute der höchste lebensstandard aufgebaut, den dieses land je hatte.
hingegen war die ddr (ein teil der linken besteht noch aus den kadern, welche die wirtschafts- und finanzpolitik mitgetragen haben) pleite. sie stand unmittelbar vor der zahlungsunfähigkeit.
nochmal zum mitschreiben: ich bin gerne für soziale dinge. aber die müssen erst erarbeitet und dann verteilt werden. und bei unseren kassen ist nicht mehr drin. und wer da mehr verspricht, der lügt!!!
jajasoso (30.10.2009, 15:50 Uhr)
vielen dank
ich möchte herrn bodo ramelow ganz förmlich danken, dass er die wahl der thüringen cdu-ministerpräsidentin ermöglicht haben und rufe:
er lebe hoch! hoch! hoch!
knilch_59 (30.10.2009, 15:48 Uhr)
Ramelow sorgt für klare Verhältnisse!
Kaum kandidiert er, klappt es auch mit der Mehrheit. Einmal mehr hat sich die Linkspartei als staatstragend erwiesen. Links wirkt, selbst wenn man nicht den MinPräs stellt. Verdienstorden für Bodo Ramelow - schließlich hat er dafür gesorgt, dass die CDU an der Macht bleibt und endlich die Politik machen kann, die die Linkspartei gefordert hat.
.
Irgendwie ist sich die CDU jetzt endgültig untreu geworden, schließlich konnte sie sich nur mit Hilfe der Linkspartei durchsetzen. Was sie stets vehement verhindern wollte. Eben CDU = Chaos durch Unfug.
Dudu (30.10.2009, 15:13 Uhr)
@whismerh2 (30.10.2009, 14:42 Uhr
Ich sage ja nicht, dass ich es gut finde, ich hab nur aufgezeigt, wo das her kommt. Nämlich vom Bürger selbst.

Da der Bürger denjenigen wählt, der ihm am meisten verspricht (genau wissend, dass die Versprechen unmöglich einzuhalten sind, nach dem Prinzip Hoffnung also), tut die Politik halt genau das.

"Davon mal abgesehen könnte das Volk
wohl entlastet werden.
Der Staat lernt endlich mal zu sparen"

Das möchte ich anzweifeln, bereits heute sind 70 % des Bundeshaushalts Sozialleistungen und Zinsen. Es gibt nicht mehr wirklich nennenswert was einzusparen, außer man spart beim Bürger. Aber das will halt auch keiner. So sieht die Wirklichkeit aus. Und wir sind wieder am Anfang, der Politiker, der das als erstes öffentlich so klarstellt, wird vom Bürger abgewählt.
whismerh2 (30.10.2009, 14:42 Uhr)
@Dudu
Das ist dann aber sehr beschämend,
wenn man nur noch gewählt wird,
wenn bewusst lügt, und das ohne Konsequenzen weiterhin betreiben kann.
Na dann Gute Nacht Deutschland.
Davon mal abgesehen könnte das Volk
wohl entlastet werden.
Der Staat lernt endlich mal zu sparen,und verhindert das wir von Monopolisten ( z.B. Energiekonzerne ausgepresst werden)
und schon hätten wir alle ein wenig mehr ind der Tasche.
Wäre doch mal ein Anfang
.
@XenaWilloughby, Danke
dreicon (30.10.2009, 13:39 Uhr)
XenaWilloughby (30.10.2009, 13:11 Uhr)
Vorschlag zur Abhilfe: Selbst in die Politik gehen. Ich meine dies durchaus ernst!
dreicon (30.10.2009, 13:36 Uhr)
@whismerh2 - Vielleicht mit dem Geld,
das die Rechtskonservativen für die Steuersenkungen zugunsten ihrer Klientel ausgeben?
auwei (30.10.2009, 13:32 Uhr)
@tempelhofer
Zitat: "Letztlich hat die Thrüringische CDU ein scheinbar schon verlorenes Spiel gewendet. Das ist zwar kein Schönheitssieg, aber am Ende dennoch ein Erfolg." Genau. Spaß beseite: Dass das Blatt sich "gewendet" hat, lag wohl hauptsächlich an zwei Dingen: Die Unverträglichkeit von Matschie und Ramelow und die Tatsache, dass nach Programm in dieser Koalition wohl die SPD der Koch und die Union der Kellner. Mir solls Recht sein. Genießen Sie derweil den historischen Sieg der schwärzlichen Blattwender.
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