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Käßmann würde immer noch mitfahren

"Nichts ist gut in Afghanistan!" Mit diesem Satz in einer Predigt hatte sich Margot Käßmann vor einem Jahr in die politische Debatte eingemischt. Auf der Klausurtagung der CSU erneuerte die Theologin ihre Kritik, kündigte aber zugleich an, die Einladung von Verteidigungsminister Karl-Theodor Guttenberg zu einem gemeinsamen Besuch am Hindukusch anzunehmen.

Die frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann will nach CSU-Angaben das Angebot von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg für einen Truppenbesuch in Afghanistan annehmen. Bei einem Treffen mit der Bundestags-CSU im bayerischen Wildbad Kreuth sagte Käßmann nach Teilnehmerangaben am Mittwochabend: "Ich fahre schon mit, wenn es eine Gelegenheit gibt."

Sie habe allerdings zu bedenken gegeben, dass sie heute kein Amt bekleide, das einen näheren Bezug dazu hat, hieß es am Donnerstag in Kreuth. Käßmann äußerte sich auf Anfrage nicht.

Käßmann erneuerte Kritik an Afghanistan-Politik

Die Theologin hatte vor einem Jahr als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in einer Predigt gesagt: "Nichts ist gut in Afghanistan!" Darüber hatten sich Guttenberg und große Teile der Öffentlichkeit empört. Schon damals hatte der Verteidigungsminister Käßmann zur Mitreise nach Afghanistan eingeladen. Beim Treffen mit der CSU nahm die Theologin ihre Kritik nicht zurück. Sie sagte: "Ich denke, dass sich die Lage in Afghanistan nicht fundamental verbessert hat."

Käßmann war im vorigen Jahr von ihrem Amt als EKD-Ratsvorsitzende zurückgetreten, nachdem sie mit Alkohol im Blut Auto gefahren und von der Polizei angehalten worden war. Seit Jahresbeginn hat sie eine Gastprofessur an der Ruhr-Universität Bochum.

Käßmann-Besuch stieß offenbar auf großes Interesse

Entgegen dem ursprünglichen Unmut innerhalb der CSU über die ihre Einladung nach Kreuth - eine Initiative von CSU-Landesgruppenschef Hans-Peter Friedrich - soll das nicht öffentliche Gespräch am Mittwochabend bei den meisten Abgeordneten auf großes Interesse gestoßen sein. Käßmann habe mit klaren Standpunkten, Demut und Gelassenheit überzeugt, hieß es.

Über die Zeit der Berichterstattung zu ihrer Alkoholfahrt sagte sie nach CSU-Angaben, sie sei erschrocken über die Macht der Medien gewesen. Sie habe danach mit den Politikern darüber gesprochen, wie die eigene Seele bei Problemen in einem öffentlichen Amt Schaden nehmen könne.

kng/DPA/DPA
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