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Mitgliederschwund bei Parteien – es gibt nur einen Gewinner

Die etablierten Parteien haben im vergangenen Jahr aufgrund von Austritten und Sterbefällen rund 32.800 Mitglieder verloren. Lediglich ein Parteivorsitzender verzeichnet mehr Ein- als Austritte.

Von Andreas Maisch

Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Horst Seehofer

Das lebende Contra zur Flüchtlingspolitik der Kanzlerin: Horst Seehofer,  bayerischer Ministerpräsident und CSU-Vorsitzender

Die Parteien leiden unter einem drastischen Mitgliederrückgang. Nach Recherchen des stern haben die im Bundestag vertretenen Parteien und die FDP im vergangenen Jahr rund 32.800 Mitglieder verloren. Den größten Verlust erlitt die SPD, bei der 14.368 Parteigenossen austraten. Dahinter folgt die CDU, die 2015 einen Rückgang von rund 13.100 Mitgliedern verzeichnete.

Die Parteien begründen den Mitgliederschwund vor allem mit dem demografischen Wandel: Der Nachwuchs könne die Zahl der Sterbefällen nicht ausgleichen. So beschwichtigt die CDU-Parteizentrale: "Wie bei allen großen Organisationen geht auch bei der CDU die Mitgliederzahl zurück – nicht zuletzt durch die demografische Entwicklung. Es treten aber auch nach wie vor jeden Monat rund 1000 Menschen in die CDU ein."

Seehofer kann sich bestätigt fühlen

Wer die Statistik genau analysiert, stellt indes fest: Der Mitgliederschwund liegt keineswegs nur am demografischen Wandel. Denn in allen Parteien – außer der CSU – übertraf die Zahl der Austritte die der Eintritte. Nur bei der CSU wollten mit rund 4400 Bürgern deutlich mehr Menschen in die Partei hinein als raus – CSU-Chef und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer kann sich in seiner Politik bestärkt fühlen. Unterm Strich verlor die CSU aufgrund von Sterbefällen dennoch rund 2000 Mitglieder.

Die Mitgliederzahl der FDP verringerte sich per Saldo im vergangenen Jahr um rund 970, die Linke verlor unter dem Strich 1562 Mitglieder. Die Linke spricht von einer "weiteren Verlangsamung des Mitgliederrückgangs". Vor allem jüngere Menschen würden in die Partei eintreten, sagt ein Parteisprecher.

Die Grünen haben nach vorläufigen Angaben insgesamt etwa 800 Mitglieder verloren; die Zahl kann sich durch noch nicht gezählte Abgänge im 4. Quartal 2015 aber noch erhöhen. "Unsere Mitgliederdatenbank ist, wie die Grünen selbst, sehr dezentral angelegt", sagt eine Grünen-Sprecherin. Eine Partei antwortete auf die Frage nach den Mitgliederzahlen überhaupt nicht: die Alternative für Deutschland (AfD).

SPD hat mehr Mitglieder als CDU

Bei der absoluten Zahl der Parteimitglieder liegt die SPD nach den jüngsten verfügbaren Daten der Parteizentralen knapp vor der CDU. Während die CDU Ende Dezember 2015 rund 444.400 Mitglieder verzeichnete, kam die SPD Anfang Dezember auf rund 445.500 Parteigenossen. Die bayerische CSU hatte zum 31. Dezember 2015 über 144.000 Mitglieder.

Die CDU-Parteizentrale registrierte in den vergangenen Monaten einen Anstieg der Ein- und Austritte, was offenkundig auf die polarisierende Debatte um die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel zurückzuführen ist. An der Basis jedenfalls steigt der Unmut. Ein Mitglied aus Baden-Württemberg sagte im Gespräch mit dem stern, es denke darüber nach, die Partei zu verlassen. Die  Berliner Führung nehme die Sorgen der Basis nicht ernst, sondern bügele sie mit dem Slogan "Wir schaffen das" ab. "Es ist nicht zu sehen, wohin die Reise geht. Klare Ziele fehlen völlig. Und es ist unklar, wie die Integration der Flüchtlinge in Wirtschaft und Gesellschaft gelingen soll", kritisiert der Mittdreißiger. Bei der anstehenden Landtagswahl in Baden-Württemberg will er weder seine eigene Partei noch eine Protestpartei wählen. Sondern seinen Stimmzettel ungültig machen.

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