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Die Haderthauers und ihr Gespür für Profit

Hubert Haderthauer, Gatte von Bayerns Sozialministerin Christine, handelte mit in der Psychiatrie gebauten Modellautos. Nun kommt heraus: Seine Frau war die erste, die bei der Firma einstieg.

Von Georg Wedemeyer

  Das Ehepaar Haderthauer, hier bei den Wagner-Festspielen, klagt über die "Hetzjagd" einiger Medien

Das Ehepaar Haderthauer, hier bei den Wagner-Festspielen, klagt über die "Hetzjagd" einiger Medien

Der Fall Haderthauer, über den stern.de jüngst berichtete, ist für überraschende Wendungen gut. Die neueste: An dem Geschäft mit den Luxus-Modellautos, die von Psychiatrie-Insassen gefertigt wurden, war vor Jahren auch die jetzige bayerische Sozialministerin Christine Haderthauer beteiligt. Stellung nehmen möchte sie dazu allerdings nach wie vor nicht.

"Frau Haderthauer hat zu dem gesamten Sachverhalt bisher keine Stellungnahme abgegeben und wird dies auch künftig nicht tun", heißt es in ihrem Ministerium.

Modellautobau als Therapiemaßnahme

Der "gesamte Sachverhalt" ist kompliziert. Bekannt ist, dass Hubert Haderthauer, Ehemann der Ministerin und als Psychiater Leiter der Landesgerichtsärztlichen Dienststelle am Landgericht Ingolstadt, jahrelang Mitgesellschafter einer Firma Sapor Modelltechnik war. Die ließ von zwangsfestgehaltenen Psychiatrie-Patienten als "Therapiemaßnahme" Modellautos anfertigen und verkaufte die anschließend auf dem freien Markt mit Gewinn weiter.

Die Psychiatriepatienten wurden für ihre Arbeit nach dem bayerischen Strafvollzugsgesetz mit zwischen acht und 14 Euro pro Tag entlohnt. Die Luxus-Modellautos der Firma Sapor Modelltechnik kosteten früher zwischen 10.000 und 15.000 Mark, heute liegt der Preis bei 15.000 Euro. Trotzdem soll der Gewinn je Gesellschafter im Schnitt nur bei rund 7000 Euro jährlich gelegen haben.

Erster Gesellschafter war Haderthauers Frau

Hubert Haderthauer räumte ein, Sapor Modelltechnik zwar nicht gegründet zu haben, aber von Anfang der 90er-Jahre bis 2008 als Mitgesellschafter dabei gewesen zu sein. Der andere Gesellschafter sei ein Franzose namens Roger P. gewesen.

Das ist nach neueren Erkenntnissen falsch. Erster Gesellschafter der Firma war neben Roger P. nicht Hubert, sondern Christine Haderthauer. Seine Frau, damals Rechtsanwältin, habe bis 2001 offiziell den Gesellschaftsanteil mit rund 50.000 D-Mark gehalten, sagt Hubert Haderthauer dazu. Er selbst sei zunächst nicht beteiligt gewesen. Der Grund sei, dass das Gründungskapital von seiner Frau beziehungsweise deren Familie aufgebracht worden sei.

Haderthauer beklagt "Hetzjagd" einiger Medien

Tatsächlich sei seine Frau aber niemals für Sapor Modelltechnik tätig gewesen. "Sie hat sich nie für die Modellautos interessiert oder in irgendeiner Weise für Sapor Modelltechnik engagiert." Das sei alleine seine Sache gewesen und das könne er unter Eid bezeugen. Das sei auch der Grund, warum seine Frau heute keinen Anlass für eine Stellungnahme sähe.

2001, zu Beginn der politischen Karriere seiner Frau, habe er ihren Gesellschaftsanteil übernommen. 2008 veräußerte er diesen schließlich, weil seine Frau Sozialministerin wurde und er "jegliche Möglichkeit einer denkbaren Interessenkollision von vornherein ausschließen wollte". Im Übrigen, so Hubert Haderthauer, empfinde er die Berichterstattung vieler Medien über den Fall mittlerweile als "Hetzjagd".

Personalaufsichtsbehörde fordert Stellungnahme

Vielleicht kann ja nun die Regierung von Oberbayern den "gesamten Sachverhalt" aufklären. Die Personalaufsichtsbehörde hat angekündigt, Hubert Haderthauer zu einer Stellungnahme aufzufordern. Man will klären, ob der Beamte Haderthauer seinen Modellauto-Nebenjob seinem Dienstherrn hätte anzeigen müssen und ob nicht auch bei ihm eine "Interessenkollission" vorliegt.

Mitarbeit: Helmut Reister
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