Seit 24 Jahren ist die RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt im bayerischen Aichach inhaftiert. Eine sehr lange Zeit, in der sie ihre Ansichten verändert hat, sagt ihr Gefängnisleiter Wolfgang Deuschl im stern.de-Interview.

Die RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt war 1977 am Anschlag auf den Generalbundesanwalt Siegfried Buback beteiligt© DPA
Es wurde ja festgelegt, dass sie wegen der besonderen Schwere der Schuld eine Mindesthaftstrafe von 24 Jahren verbüßen muss. Das Gericht muss heute ihre Prognose bewerten. Ich wünsche ihr natürlich viel Glück. Aber gehe davon aus, dass sie gute Chancen hat, bald entlassen zu werden.
Grundsätzlich verhalte ich mich neutral. Aber ich meine, dass 24 Jahre eine sehr lange Zeit sind und als Strafe ausreichen.
Zum einen hat sich natürlich die Gesellschaft verändert. Als Frau Mohnhaupt 1982 festgenommen wurde, gab es keine Handys, keine Scheckkarten. Doch es ist ein großer Unterschied, ob man so etwas nur aus Zeitung und Fernsehen mitbekommt oder selber erlebt. Aber jeder Mensch entwickelt sich natürlich in 24 Jahren weiter und vertritt heute andere Ansichten als damals.
1992 haben die verbliebenen RAF-Mitgliedern erklärt, dass ihr Kampf vorbei sei. Frau Mohnhaupt hat sich diesen Ausführungen angeschlossen. Sie hat sich in den vergangen Jahren sicher mit ihren Taten beschäftigt, sich Gedanken darüber gemacht, was passiert ist, warum sie im Gefängnis sitzt und wie es mit ihrem Leben weitergehen soll. Und es ist bekannt, dass sie nicht mehr an den damaligen radikalen Vorstellungen hängt.
Sie wird ihre Taten nicht rechtfertigen. Aber sie wird sicher auch nicht mehr behaupten, dass sie richtig waren. Ich habe keinerlei Zweifel daran, dass sie nie wieder etwas Vergleichbares machen wird. Sie wird keinen Menschen mehr töten, nicht mehr straffällig werden. Diese Zeiten sind vorbei.
Das ist unterschiedlich. Als ihre Mutter Ende der 90er Jahre krank war und dann 2003 gestorben ist, haben wir häufiger miteinander gesprochen. In der letzten Zeit ist der Kontakt zwangsläufig, da wir ungefähr 650 Gefangene haben, weniger geworden.
Als sie zu uns kam, bin ich ihr offen und unvoreingenommen begegnet. Sie ist heute ein ruhiger, selbstbewusster, hilfsbereiter Mensch. Sie ist anerkannt unter den Häftlingen. Und ich kann sagen, dass sie mir durchaus nicht unsympathisch ist.
Dazu möchte ich nichts sagen. Diese Dinge wurden auf einer vertraulichen Ebene besprochen.
Natürlich wird so etwas vorbereitet. Wir haben natürlich viel mit der Gefangenen über die Zukunft gesprochen. Wir haben zudem mit Frau Mohnhaupt seit 2000 häufig Ausführungen unternommen. Bei diesen hat sie, begleitet von einer Betreuerin, Freunde und Verwandte besucht und war öfters bei ihrer kranken Mutter.
Ich will über diese persönlichen Details nichts erzählen.
Das würde ich nicht ausschließen. Ich habe viele Häftlinge erlebt, die nach 17 oder 18 Jahren entlassen wurden und sich sehr gut und schnell wieder in die Gesellschaft integriert haben. Ich denke, dass auch Frau Mohnhaupt im wirklichen Leben zurechtkommen wird. Aber sie wird in der Anfangszeit schon Probleme haben, auch, weil sie ein so begehrtes Objekt für die Medien ist. Zudem sind 24 Jahre natürlich schon eine sehr lange Zeit. Sie wird sich nicht leicht tun, bei der derzeitigen Arbeitsmarktlage und in ihrem Alter von 57 Jahren einen Job zu finden.
Nein, hat sie nicht. Wir hätten ihr zwar eine Bäcker- oder Schneiderlehre anbieten können. Warum sie es nicht wollte, weiß ich nicht.
Generell muss jeder selber wissen, was er vorhat. Wir können nur jemand helfen, wenn er Hilfe will. Natürlich werden wir ihr bei der Jobvermittlung und der Wohnungssuche helfen. Frau Mohnhaupt selber hat aber den Wunsch geäußert, nach der Haft zunächst etwas Abstand zu gewinnen. Denn sie ist sich darüber bewusst, dass sie ein begehrtes Objekt für die Medien ist. Sie hat gesagt, dass sie wenig Lust hat, ein Interview nach dem anderen zu geben und sich von Sender zu Sender schleifen zu lassen.
Ich akzeptiere die gesetzlichen Regelungen, was die Dauer einer Inhaftierung bei einer lebenlangen Freiheitsstrafe und die Beurteilung der besonderen Schwere der Tat betrifft.
Von der Art der Delikte, der Motivation der Taten und der Dauer der Inhaftierung ist sie sicher keine alltägliche Inhaftierte.
Das sie sich so schnell wie möglich zurechtfindet und im wirklichen Leben klarkommt.
Wolfgang Deuschl ist seit 1980 Leiter der Justizvollzugsanstalt Aichach. Seit ihrer Verurteilung im Jahre 1983 verbüßt die RAF-Terroristin Brigitte Mohnhaupt (57) in Aichach ihre Haftstrafe wegen ihrer Beteiligung an den Morden an Generalbundesanwalt Siegfried Buback, Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto und Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer. Sie wurde zu fünfmal lebenslänglich plus 15 Jahre verurteilt. Heute wird sie Richtern des Stuttgarter Oberlandesgerichts vorgeführt, Anfang Februar wird das Gericht entscheiden, ob Mohnhaupt auf Bewährung entlassen werden kann.
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