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3. Juni 2007, 12:20 Uhr

"Wir haben unser Ziel verfehlt"

Er war mittendrin, als die Steine flogen, Tränengas setzte ihn kurzzeitig außer Gefecht. Im stern.de-Interview berichtet Monty Schädel, Organisator der Rostocker Großdemonstration, was er von den Steinewerfern hält, wie er den Einsatz der Polizei sieht - und welches Signal von Rostock ausgeht.

Demo-Organisator Monty Schädel: "Blödsinnige Gewalttäter"© Frank Hormann/AP

Herr Schädel, auf wen haben sie eine größere Wut: Auf die Polizei oder auf die Autonomen?

Ich würde nicht von den Autonomen sprechen. Die sind nicht mit Gewalttätern gleichzusetzen. Ich würde mich auf die blödsinnigen Gewalttäter beziehen, die sich erstens nicht an unseren Konsens gehalten haben und zweitens damit die ganze Regie, die wir in eineinhalb Jahren vorbereitet haben, auf den Kopf gestellt haben. Mit vielen so genannten Autonomen habe ich jedoch gemeinsam in den Reihen zwischen der Polizei und den Steinewerfern gestanden, ohne dass diese selbst gewalttätig geworden wären. Es sind einfach ein paar blödsinnige Idioten dabei gewesen.

Wie haben Sie die Situation erlebt, in der die Auseinandersetzung eskaliert ist, als der Demonstrationszug mit dem "Schwarzen Block" auf das Gelände des Rostocker Stadthafens einbog?

Ich war der Einweiser für die Demonstrationszüge auf den Stadthafen. Rein zufällig war ich dort, als die Polizei von hinten in den Block der "Interventionistischen Linken" reingestoßen ist. In dem Moment konnte ich die Ursache überhaupt nicht erkennen. Ich sah nur: Die Polizei geht aus einem nicht nachvollziehbaren Grund hier rein. In der nächsten halben Stunde hat sich dann für mich auch geklärt, weshalb die Polizei dort zugegriffen hat.

Die Polizei ist angegriffen worden. Verstehen Sie die Reaktion?

Sowohl als auch. In der Situation war das eine Reaktion der Polizei. Mehrere Kollegen der Polizei sind verletzt worden.

Welches Signal geht von der Rostocker Demo aus?

Es ist die Frage, was die Medien transportieren. Wir haben eine große Veranstaltung gemacht. Viele tausend Menschen sind gekommen, die ganz klar gesagt haben, dass sie die G8 nicht haben wollen - in unterschiedlichen inhaltlichen Bereichen. Andererseits gab es natürlich eine kleine Gruppe, die das nicht so sieht wie wir und die den Konsens nicht mittragen will. Ich hoffe nicht, dass das symptomatisch ist für den Rest der Protesttage rund um Heiligendamm und dass wir weiter solche Auseinandersetzungen haben werden.

Zeigen die gestrigen Krawalle nicht, dass die friedlichen Demonstranten sich stärker von den Autonomen und den gewaltbereiten so genannten Demonstranten abgrenzen müssen?

Von den Autonomen per se würde ich mich auch jetzt nicht abgrenzen. Ich würde mich von Gewalttätern abgrenzen. Diejenigen, die hier Polizisten angegriffen haben, haben in keinster Weise meine Sympathie. Das ist in keinster Weise das, was wir hier vorbereitet haben oder wollten.

Ist jetzt nicht endgültig Schluss mit der Mär, dass man auch gewaltbereite Gruppen einhegen kann?

Nein. Ganz deutlich: Nein. Die "Interventionistische Linke" als eine der Gruppen, denen man immer wieder Gewalttaten unterstellt hat, war eben nicht bei den Steinewerfern. Wenn wir uns nicht gemeinsam darauf verständigen wollen, Menschen mit einzubinden, Menschen davon zu überzeugen, dass es andere Wege gibt, dann können wir es eigentlich gleich bleiben lassen. Entweder wir versuchen es immer wieder aufs Neue - auch jetzt wieder, oder wir lassen der Gewalt freien Lauf. Das will ich nicht.

Sie haben diese Demonstration nun über eineinhalb Jahre mühsam vorbereitet. Haben die Randale sie um den Lohn Ihrer Arbeit gebracht?

Wir wollten, dass von Rostock diesmal andere Bilder ausgehen als jene Bilder, die die Pogrome von 1992 hervorbrachten. [Damals kam es im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen tagelang zu ausländerfeindlichen Übergriffen Rechtsextremer auf die Zentrale Aufnahmestelle für Asylbewerber. Bei den Krawallen wurden über 200 Polizisten verletzt, Anm. d. Red]. Dieses Ziel haben wir verfehlt. Das haben wir nicht geschafft. Das wurde uns von einigen kaputt gemacht.

Zur Person Monty Schädel, Jahrgang 1968, hat die Anti-G8-Demonstration am Samstag in Rostock organisiert. Er ist auch Sprecher der Deutschen Friedensgesellschaft. Der gelernte Erzieher war von 1998 bis 2002 für die PDS Mitglied des Landtags von Mecklenburg-Vorpommern.

Interview: Florian Güßgen
 
 
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Gelände Konsens Reihen Schwarzen Block Stadthafen
KOMMENTARE (10 von 20)
 
hevosenkuva (04.06.2007, 13:03 Uhr)
Scheinheiligkeit
lieber Insel-Karl, der Ku-Klux-Klan tritt normalerweise in weißen Gewändern mit spitzen Mützen auf; also das genaue Gegenteil von dem was Sie da propagieren.
http://images.google.de/images?hl=de&q=ku+klux+klan&btnG=Bilder-Suche
Auch Ihre weiteren Ausführungen klingen für mich wirr und von Vorurteilen durchsetzt. Oskar Lafontaine mit Fidel Castro oder Kim Jong-Il gleichzusetzen ist schon ein mutiger Wurf. Dann werde ich Sie jetzt im Gegenzug zum McCarthy von Deutschland ernennen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_McCarthy
Übrigens: "Heute wird der Begriff Faschismus für verschiedene sich ähnelnde politische Ideologien verwendet, die sich gegen liberale, sozialistische und kommunistische Weltanschauungen richten." Nach dieser Definition kann es keinen Linksfaschismus geben. Der stünde sich nur selbst im Weg.
http://de.wikipedia.org/wiki/Faschismus
Zur Information (auch für Garnet): Ich bin gegen jede Form von Gewalt, Diskriminierung, Unterdrückung, Terror und Extremismus. Ich bin für die Menschenrechte, die verfassungsmäßigen Grundrechte, für das friedliche Zusammenleben der Völker und Religionen.
Ich lehne die Krawalle und Gewaltexzesse des "Schwarzen Block" strikt ab. ich halte diese Leute für eigentlich unpolitische Krawallmacher ohne Hirn, die nur zerstören wollen.
Die Gruppe der Acht (G8) ist eine selbsternannte kleine Versammlung, die zwar einen Grotßeil der Macht der Welt besitzt, aber nur 8 der 193 Staaten der Erde repräsentiert (das sind gerade mal 4 Prozent) und nur 13-14% der Weltbevölkerung - wobei niemand behaupten kann, die Bevölkerung der Mitgliedsstaaten stünde wirklich hinter ihnen.
Die große G8-Demo und alle anderen friedlichen Kundgebungen haben meine moralische Unterstützung, auch wenn sie vermutlich nicht viel bringen werden. es ist allemal besser als die Hönde in den Schoß zu legen und zu resignieren.
inselkarl (04.06.2007, 11:19 Uhr)
Scheinheligkeit
Wir blauäugig diese 30000 Weltverbesserer auch gewesen sein mögen, jeder hat gewusst dass die wahrscheinlich 2000 Kaputzenmänner als Stosstrupp der Revolution( übrigens sahen sie aus wie KuKluxKlan) Gewalt anwenden würden. Und auch die Distanzierung von Schädel ist oberflächlich und geheuchelt, genau wie die Statements der PDS Abgeordneten die
alle Schuld auf die Polizei schiebe. Dann hetzt Herr Laofontaine noch in Bad Doberan zum Klassenkampf und will venezuelanische ( oder kubanische) Verhältnisse in Deutschland. Alle die so heiser über Einschränkung der Meinungsfreiheit und des Demonstrationsrecht krakeelen werden sich wundern, wenn die Linken wieder an die Macht kommen. Ich kenne kein kommunistisches oder staatssozialistisches Land, das die Meinungsfreiheit und das Versammluungsrecht garantiert. Und die Macht wird dann nicht von wie immer demokratisch legitimierten Regierungen ausgeübt sondern von Volkstribunen a la Castro Chavez oder Kim, und die Faulen Gleichmacher triumphieren wieder über die Leistungswilligen und freiheitsliebenden unpolitischen Normalbürger. Der Linksfaschismus marschiert leider in Deutschland nicht nur in schwarzen Blöcken sondern auch in den Hirnen von Lafontaine und Genossen, die bald mit 20% in die Parlamente einziehen werden. Gegen die rotbraune Demogagie sind die paar hirnlosen NPD Dumpfbacken Waisenknaben. Bitte aufpassen-- und wehret den Anfängen!!!
Garnet (04.06.2007, 06:14 Uhr)
Hevosenkuva
Richtig, die Rechten sind nicht besser, nur eben nicht so viele. Und dann heisst s doch G8 und nicht 139. Das es durch die Globalisierung Gewinner und Verlierer geben wird , ist ungluecklich laesst sich jedoch nicht vermeiden. Es ist ungluecklich genug wie unerfahrene Menschen, welche von der 3ten Welt keine Ahnung haben, hier jedem ihre Meinung aufdraengen wollen. Wollen die Hanseln dieser Demo die welt verbessern? Wohl kaum, denn dazu waeren die nicht in der Lage. Ich habe 25 Jahre Einsatz in 3ten Welt hinter mir und mir wird schlecht wenn ich den Deppen in Deutschland zuhoere.
testsieger2006 (04.06.2007, 00:39 Uhr)
@quintus11
Nix zum Thema sagen, aber mitreden. Zu den Deppenargumenten kommen jetzt noch Deppenkommentare. Wohl gestern von nem Stein am hohlen Köpfchen getroffen worden?
Denimdemon (03.06.2007, 19:29 Uhr)
Wie würdet ihr....
...als Verantwortlicher denn im Vorfeld und auch während den Demonstrationen machen das es keine Randale gibt? bitte nur konkrete Ideen und bitte nichts im stile "na sicher nicht so wie schäuble blabla".
Wie hättet ihr es denn gestern verhindert ?
danke
hevosenkuva (03.06.2007, 18:25 Uhr)
schade.
@testsieger2006: "Die Leute" haben noch nie selbst entschieden, welchem System ihr Land angehört. es sind sowohl im Kapitalismus als auch im Kommuismus / Sozialismus immer die verlogenen Wichtigmacher, die die Macht an sich reissen. kaum ein normaler Mensch ist an dieser Macht wirklich interessiert oder wüsste etwas damit anzufangen.
@feldsalat: auszuschließen ist das nicht. vielleicht sogar naheliegend: die rechte Szene ist verlogener und gewaltbereiter denn je zuvor im Deutschland der Nachkriegszeit. aber bisher gibt es weder Indizien noch Beweise; abwarten.
@flodo: sicher sind unsere Beamten ganz normale Menschen - aber sie werde gekleidet wie Roboter und treten schwer bewaffnet in Hundertschaften an. das ist genau so abschreckend und aufwühlend wie das Auftreten des "Schwarzen Blocks". die meisten Menschen lassen sich von solchen Masken, Uniformen oder Panzerungen einschüchtern - bis auf die, die statt Angst Hass entwickeln; in diesem Fall wohl ca. 2000
@catchme: was für ein dummer Beitrag. das Demonstrationsrecht kann man nicht verwirken, es ist zum Glück verfassungsmäßig garantiert. und es ist nicht wahr, dass alle Demonstranten die Maßnahmen der staatlichen Stellen rechtfertigen, das wissen die staatlichen Stellen auch sehr gut.
und zum letzten Satz kann man nur sagen, das ist genau die Einstellung und Argumentation der Militanten, der Aggressoren, der Gewalttäter, der Extremisten. Tote werden bewusst in Kauf genommen. traurige Argumente. zusammen mit der Bemerkung über "Zecken" stellt sich mir die Frage "wo stehen Sie politisch?" eigentlich nicht mehr.
@Garnet: wenn "die linke sZene schon ueber 20 Jahre das Monopol fuer unsinnige und brutale Gewalt" hat, wie sie behaupten, was ist dann mit den brutalen Straftaten von Naonazis und rechten Schlägern? ist das sinnvolle und gemäßigte Gewalt? und was ist deren Ziel? Demokratie und Toleranz? Friede? die Ächtung von Rassenhass, Folter und Mord? wohl kaum.
"Die Politiker der G8 Laender sind demokratisch gewaehlt und representieren die Mehrheiten der Voelker." - die meistens sind zwar mehr oder weniger demokratisch gewählt, aber sie repräsentieren leider nur einen Bruchteil der Weltbevölkerung und der 193 Staaten der Erde. das ist das wichtigste Argument der Menschen, die für eine andere Golbalisierung eintreten.
traldors (03.06.2007, 18:21 Uhr)
Die Quittung (...)
kam postwendend.
Grob klar, nach dem die Strafverfolgungsbehörden "echtes" Augenmaß im Vorfeld haben walten lassen, das dieses "ohne jede" Reaktion hätte bleiben können; ein Märchen.
Fakt ist: Wenn das ganze vom Staat mit mehr Verstand durchgeführt worden wäre als in bester "Schäuble-Manier" (former known as RambOO) alle für potentielle Terroristen abzustempeln, wäre das Ganze ohne Wenn und Aber nicht in diese Eskalation gemündet.
Fakt ist: Repression ist gut und auch wichtig aber in dem Maße, das es nicht in's Gegenteil umschlägt.
Es gibt nicht umsonst den Spruch: "Man kann Recht haben und trotzdem ein Ar****** sein".
quintus11 (03.06.2007, 18:07 Uhr)
an testsieger2006
An testsieger2006.
Oooooch, ist ja gut mein Kleiner. Bald wirst du (vielleicht) mit der Schule fertig sein und merken wie man sein Gehirn benutzt oder sich ordentlich ausdrückt.
ManfredM (03.06.2007, 17:09 Uhr)
Wovon leben eigentlich die Meisten der "Autonomen"???
Die so genannten "Autonomen" verachten unser Staats- und Gesellschaftssystem.
Sie möchten es stürzen - notfalls mit Gewalt.Die "Autonomen" stellen eine Minderheit dar, die sich anmaßt, gegen die Mehrheit unserer Gesellschaft Gewalt anzuwenden.
Wovon leben eigentlich die Meisten der "Autonomen"???Von unseren Transferleistungen - eben von den Sozialleistungen unseres Staates!
Sehr schade, dass wir als Gemeinschaft diesen Abschaum auch noch durchfüttern müssen!Wenn jemand etwas ändern möchte, möge er sich in einer politischen Partei einbringen.
Wenn jemand unser System dermaßen ablehnt, dann möge er doch bitte auch den Anstand haben, sich nicht gleichzeitig seinen Lebensunterhalt von uns finanzieren zu lassen.
testsieger2006 (03.06.2007, 16:44 Uhr)
Deppenargumente
Mensch, für wie blöd haltet ihr die Leute denn? Wenn´s Gewalt gab, dann wäre daran die Polizei schuld... oder noch schriller "als LINKE verkleidete Neonazis" bzw Polizisten. Glaubt Ihr Asos eigentlich selbst diesen Mist?
Geht nach Kuba oder besser Nordkorea, denn wenn in Kuba der alte Lügner in ein paar Monaten abkratzt, dann wird das Land auch kapitalistisch. Die Leute da haben nämlich auch die Schnautze voll von Armut, Gleichmacherei und verlogenen Wichtigmachern.
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