30. August 2012, 15:38 Uhr

Grünen-Chefin fordert Stopp von "Vermisst"-Plakataktion

Das Innenministerium wollte mit seiner "Vermisst"-Plakataktion für die Anlaufstelle gegen islamistische Radikalisierung werben. Jetzt hagelt es Kritik. Grünen-Chefin Roth fordert das Aus der Kampagne.

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Mit emotionalen Plakaten im Stil von Vermisstenanzeigen will das Innenministerium für seine Anlaufstelle gegen islamistische Radikalisierung werben©

Die Grünen haben den Stopp einer umstrittenen Plakataktion des Innenministeriums gegen die islamistische Radikalisierung Jugendlicher gefordert. Die sogenannte "Vermisst"-Plakataktion sei "ein weiterer Beleg für die fehlende Sensibilität und das fehlende Verständnis des Bundesinnenministers gegenüber der Realität im Einwanderungsland Deutschland", kritisierte Grünen-Chefin Claudia Roth am Donnerstag in Berlin. Die Aktion von Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) müsse "sofort gestoppt werden".

Die Aktion "Vermisst" im Zuge der Initiative Sicherheitspartnerschaft war zuvor bereits von muslimischen Verbänden scharf kritisiert worden. Mit den emotionalen Plakaten im Stil von Vermisstenanzeigen will das Ministerium bei Muslimen für seine Anlaufstelle gegen islamistische Radikalisierung werben. So zeigt eines der Plakate einen jungen Migranten, der Text dazu lautet: "Das ist mein Bruder Hassan. Ich vermisse ihn, denn ich erkenne ihn nicht mehr. Er zieht sich immer mehr zurück und wird jeden Tag radikaler. Ich habe Angst ihn ganz zu verlieren - an religiöse Fanatiker und Terrorgruppen."

Roth kritisierte, Friedrich arbeite sich einseitig "an den Muslimen in Deutschland ab. Er dringt auf sogenannte Sicherheitspartnerschaften und halt die Muslime für wenig integrationswillig. "So stellt der Innenminister alle Muslime unter Generalverdacht." Zugleich zeige Friedrich wenig Elan, die notwendigen Konsequenzen aus dem "völligen Versagen seiner Sicherheitsbehörden" im Fall der Neonazi-Mordserie zu ziehen. "Vermisst werden daher nicht Ahmad, Fatima, Hassan oder Tim, sondern ein Innenminister, der sich Gedanken darüber macht, wie man Ahmad, Fatima, Hassan und auch Tim vor dem rechten Mob schützt."

kgi/AFP
 
 
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