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12. März 2009, 14:06 Uhr

CSU will Gesundheitsfonds kippen

Lange diskutiert und kaum in Kraft soll der Gesundheitsfonds "nur ein Zwischenspiel" sein. So sieht es jedenfalls Markus Söder, der bayerische Gesundheitsminister. Der Fonds werde "im Herbst sicher abgeschafft", tönt der CSU-Politiker. Die Christdemokraten gehen damit bei einem weiteren Thema auf Konfrontationskurs zur Bundeskanzlerin.

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Will den Gesundsheitsfonds wieder abschaffen: Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder© Jörg Koch/DDP

Die CSU will den Gesundheitsfonds zu Fall bringen. Bereits Anfang April will die Partei ein eigenes Konzept zur Gesundheitspolitik vorstellen. "Der Gesundheitsfonds wird ein Zwischenspiel bleiben und im Herbst sicher abgeschafft werden", sagte Bayerns Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (DPA). Der erst zu Jahresanfang eingeführte Fonds werde "die kurzlebigste Reform, die es im deutschen Gesundheitswesen je gegeben hat". Die CSU-Pläne sollen bei einer Klausur des Parteivorstands am 3. und 4. April beraten und vorgestellt werden.

Damit setzt sich die CSU in einem weiteren zentralen Politikfeld von der CDU und Bundeskanzlerin Angela Merkel ab, die an dem zum Januar 2009 eingeführten Gesundheitsfonds festhalten will. "Unser Ziel ist eine bürgerliche Mehrheit mit der FDP, die den Gesundheitsfonds ebenfalls in Frage gestellt hat", sagte Söder. Zuerst hatte Bayern sich nur gegen die Änderungen bei der Verteilung der Arzthonorare gewandt, nun stellt die CSU die gesamte Reform zur Disposition.

Söder: "Regionale Besonderheiten nicht berücksichtigt"

Einzelheiten des geplanten CSU-Konzepts nannte Söder noch nicht. Klar ist aber, dass die CSU im Gesundheitssystem wieder stärker regionale Unterschiede berücksichtigen will. Bislang verbuchten die Kassen in Bayern wegen der hohen bayerischen Wirtschaftskraft höhere Einnahmen als in vielen anderen Bundesländern und konnten deswegen auch mehr Leistungen anbieten. "Regionale Besonderheiten werden vom Gesundheitsfonds nicht berücksichtigt", sagte Söder dazu. "Bayern hat eine höhere Versorgungsdichte als andere Bundesländer. Bei uns gibt es unter anderem ein dichtes Netz von hochqualifizierten niedergelassenen Ärzten, in den neuen Ländern hingegen gibt es vielfach Polikliniken."

"Wir brauchen ein humanes Gesundheitssystem", sagte Söder. "Der durchschnittliche Patientenkontakt eines Arztes dauert heute sieben Minuten, der damit verbundene Bürokratieaufwand fast doppelt so lang." Yoga-Kurse würden von den Kassen als Präventionsmaßnahme bezahlt. "Aber manche anderen Dinge, die für die Patienten notwendig wären, wiederum nicht."

"Kernthema einer alternden Gesellschaft"

Das neue CSU-Konzept soll angeblich auf mehreren Grundgedanken fußen: "Regionalität statt Zentralismus, mehr Therapie statt Bürokratie. Der Arzt muss als freier Beruf erhalten werden und darf nicht zum Angestellten degradiert werden", sagte Söder. Beim Thema Gesundheit werde die CSU "einen klaren Akzent" setzen. "Was das Thema Steuern für die arbeitende Bevölkerung bedeutet, ist das Thema Gesundheit für die älteren Menschen." Die Gesundheit sei das Kernthema einer älter werdenden Gesellschaft.

Söder forderte weiter eine neue Gebührenordnung für die Ärzte. "Die Honorarreform ist absolut gescheitert", sagte er. "Alle Beteiligten im Gesundheitswesen sagen mittlerweile, dass die Verteilung der Honorare nicht funktioniert. Wir haben mehr Geld im System, aber das Chaos ist doppelt so groß."

Bayern hatte im vergangenen Jahr dem Gesundheitsfonds zugestimmt - unter anderem auf Betreiben des jetzigen Parteichefs Horst Seehofer, der den Widerstand der damaligen Staatsregierung unter Ministerpräsident Günther Beckstein bremste. Inzwischen hat Seehofer jedoch eine Wende vollzogen. Vor dem CSU-Debakel bei der Landtagswahl 2008 hatte die CSU den Ärger vieler Ärzte mit Wucht zu spüren bekommen.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 14)
 
utospatz (13.03.2009, 12:55 Uhr)
Alle Astronomen auf der weiten
Welt, sind mit Superteleskopen auf der Suche nach schwarzen Löcher.!
Kommt Alle nach Old Germany, hier findet ihr schon auf Erden Sie!
Dirk_37 (12.03.2009, 23:11 Uhr)
@knilch
Gebe Ihnen in allen Punkten Recht, nur in einem nicht:-) :
Bayern hat bis etwa zur Mitte der 80er Fördermittel erhalten, ist seitdem aber reines Geberland das nach BW am meisten in den Topf bezahlt hat, also auch mit Einbeziehung der Zeit als Nehmerland. Im Gegensatz dazu könnte ich Ihnen einige Länder nennen, die bis heute nur Nehmerländer geblieben sind, zB das Bundesland Ihres sehr verehreten Lafo´s:-)! Ist ja auch wurscht, Söder war mir schon als Stiefelknecht von Stoiber so sypatisch wie ein Furunkel am Enddarmausgang. Und das sage ich als Bayer und Ex-CSU-Mitglied! MfG Dirk
knilch_59 (12.03.2009, 21:41 Uhr)
@Dirk_37
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Es gibt in der Tat unter den Ärzten nicht nur einige wenige, die nicht auf die besagten 5.000 € monatlich brutto kommen. Zu groß ist der „Abrieb“, der interne Verschleiß im Gesundheitssystem. Da sind die Praxisräume zu groß und damit die Miete zu hoch. Aber, wenn ich teilweise 2 Wartezimmer à 25-30 qm sehe, in denen 30 Patienten auf ihre 7-Minuten-Behandlung warten (Wartezeiten von 90-120 Minuten sind normal), dann ist das schlicht miese Praxisorganisation. Die sollten Kassen nicht nur nicht bezahlen, sondern diesen Ärzten sogar die Kunden abnehmen! Da hilft nur „Markt“! Das gleiche gilt für die tollen Geräte, die man angeblich in fast jeder Arztpraxis so braucht. Die kosten Leasingraten – und müssen sich deshalb natürlich auch durch entsprechend häufige Nutzungserfordernis ins Verdienen bringen. Und so wird im Abrechnungssystem aus der allgemeinen Untersuchung (schlecht bezahlt) dann eben die hochwertige Maßnahme „Ausschluss von …“ (sehr viel teurer). In der perfiden inneren Logik dieses Systems bleiben tatsächlich die Ärzte, die sich ohne zu üppige Apparatemedizin mit dem Menschen befassen wollen, auf der Strecke. Aber zum Glück sind Ärzte ja intelligent, hoch gebildet und lernfähig. Die Meisten passen sich an. Dagegen hilft nur "Markt".
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Nein, der Gesundheitsfonds ist sicherlich keine geeignete Antwort auf diese Probleme. Aber die Art und Weise, wie Söder argumentiert, ist verräterisch. Er möchte den ungeliebten Gesundheitsfonds dazu benutzen, um die Ständewirtschaft wieder herzustellen. Das ist das, was die Alt-Sozialisten als Revanchismus bezeichneten.
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„Der Arzt muss als freier Beruf erhalten werden und darf nicht zum Angestellten degradiert werden“ – dieser Satz zeigt eine Geisteshaltung, die von einem Demokraten nicht hingenommen werden darf. Aber Söder hat ihn ausgesprochen. Das ist wie der Aufruf zur Überwindung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung. Ärzte sind also etwas besseres als Angestellte.
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Und der andere Quatsch tutet ins gleiche Horn. Söder: „Bayern hat eine höhere Versorgungsdichte als andere Bundesländer. Bei uns gibt es unter anderem ein dichtes Netz von hochqualifizierten niedergelassenen Ärzten, in den neuen Ländern hingegen gibt es vielfach Polikliniken." Die Unverfrorenheit dieser Weißwurst-Napoleons ist unglaublich. Jahrzehntelang hat Bayern vom Bund profitiert: Netto-Empfänger im Länder-Finanzausgleich + Zonenrandförderung. Jetzt wäre es an der Zeit, Solidarität zurückzugeben – aber da meutern sie und proben den Aufstand. Zementieren der Besitzstände, statt Angleichung der Lebensverhältnisse, wie von unserer Verfassung geboten!
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Eben Blöd-blöder-Söder! Der Mann muss weg!
naiv02 (12.03.2009, 19:36 Uhr)
Dirk_37
"... Wo fließt denn das ganze Geld hin, das wir jeden Monat bezahlen?? ..."
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In Dividenden der Pharmakonzerne, schauen sie sich mal die Vorgänge um den Versuch der Krankenkassen an im Bieterverfahren die niedrigere Preise für Medikamente zu erzielen. Höchst erfolgreich von den Pharmakonzernen vereitelt.
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Es gab(gibt?) dazu mal einen Podcast bei Deutschlandfunk ich glaube aus der Sendung "Hintergrund Politik".
Dirk_37 (12.03.2009, 17:26 Uhr)
Blöd-Blöder-Söder Teil II
Ehrlich @knilch, das erste woran ich beim Lesen des Artikels dachte waren diese Worte:-)
Nur interpretiere ich es etwas anders: wer einen relativ guten Vorsprung vor der Wahl so offensichtlich torpediert wie der Lackaffe von Stoibers Gnaden braucht sich nicht wundern, am Ende nur zweiter Sieger zu werden! Erinnert mich irgendwie an den FC. Bayern bei einem denkwürdigen Endspiel der Champions League...:-)
...
Das Problem ist doch das es Ärzte gibt, die würen Ihnen für 5000€ Brutto nicht mal die Temperatur messen und andere, die nach Feierabend die Praxis auswischen weil sie sich nicht mehr die Putzfrau leisten können! Der Patient ist am Schluß der Dumme und ich befürchte, wir bekommen Zustände wie in einem Drittweltland ( zB wie den USA, die in diesem Punkt weit von einem entwickelten Industriestaat entfernt sind!). Nur, wenn jeder für sich selbst sorgt dann haben wir bald Verhältnisse, die keiner will: der Reiche bekommt beste Versorgung, der arme zieht sich seine Zähne selbst ( wie zB in den USA:-) )!
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Keine Ausnahmen mehr für niemanden, alle in einen Topf und schon sieht es anders aus. Wenn wir nicht mehr unsere Kranken versorgen dann sieht es schlimm aus in unserem Land. Und wenn Ärzte auswandern weil sie die Fixkosten der eig. Praxis nicht mehr deckeln können auch! Wo fließt denn das ganze Geld hin, das wir jeden Monat bezahlen?? Das muß doch zu mehr reichen als nur zu 7 Minuten Behandlung???MfG Dirk
Klaus_P (12.03.2009, 16:38 Uhr)
Ach was
wie wenn Angie es zulassen würd dass Ihr und Pharma Schmidt's Gesundheits"Reform" gekippt würde...
naiv02 (12.03.2009, 16:36 Uhr)
Kritisieren ist einfach...
Man achte auf die Reihenfolge, erst kritisieren und das neue Konzept nebulös andeuten. Ohne Sinn und Begründung! - "Regionale Besonderheiten" - Wie soll das aussehen? Jeder Landkreis mit seinem eigenen Gesundheitssystem, und wahrscheinlich mit eigener Verwaltung - soviel zu Bürokratieabbau.
nightmare_online (12.03.2009, 15:48 Uhr)
Mir scheint ...
.. als sei es - seit Seehofer CSU-Vorsitzender ist - Selbstdarstellung zum allgemeingültigen Basisprinzip dieser Partei geworden. Auch an den aktuell gültigen Regelungen zum Gesundheitsfonds haben sie - mit Sicherheit - mitgearbeitet, und sie mitverabschiedet. Sie wollen also etwas kippen, das sie selbt verzapft haben. Die CSU in Opposition zu sich selbst. Nicht zu fassen!
AxelR. (12.03.2009, 15:47 Uhr)
Bürokratie
Zum Thema Bürokratie in der Arztpraxis hat Herr Söder absolut recht. Der Arzt muß heute mehr Online-Formulare etc. ausfüllen als je zuvor. Diese Zeit fehlt ihm dann, um sich um den Patienten zu kümmern.
Egal ob in der Notaufnahme oder beim Hausarzt, überall wird fast nur noch in den Bildschirm getippt, die Untersuchung ist dann nur noch Beiwerk.
knilch_59 (12.03.2009, 15:45 Uhr)
@auwei – und jetzt die Rolle der FDP:
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Als Partei des Liberalismus müsste die FDP nach dieser Äußerung von Herrn Söder laut aufschreien. Wenn sie das nicht tut, auf den sofortigen Rücktritt Söders verzichtet und nicht sofort aus der Koalition in Bayern ausschert, entlarvt sie sich ebenfalls!
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Es wird Zeit, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dieses Landes beweisen, dass sie ihre Geschicke selbst in die Hand nehmen können. Dass sie weder Beamte noch „Freiberufler“ brauchen, sondern umgekehrt. Insbesondere die freien Berufe sind DIE Sozialschmarotzer unserer Zeit. Gegen das, was die jährlich an Zuwendungen mit staatlichen Garantien bekommen, sind die Unterstützungsleistungen an die Hartz-IV-Empfänger peanuts. Aber – und das haben sie dem Prekariat voraus: Sie sind besser organisiert und haben eine funktionierendes Marketing!
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Dann lassen wir eben von „unseren“ Sozialkassen unsere ärztliche Versorgung organisieren. Warum sollen dort angestellte (!) Ärzte das nicht ebenso gut können? 5.000 € Brutto im Monat, 40-Stunden-Woche und 6 Wochen Urlaub bei Schichtdienst und 7-Tage-Woche in der Poliklinik. Man könnte sogar am Mittwoch nachmittags, samstags oder sonntags zum Arzt gehen. Und wenn da ein Privat Versicherter behandelt werden möchte, dann wird der eben rausgeschmissen (außer in ganz akuten Fällen). Und als Arzt muss man sich entscheiden: entweder die Privatpraxis – ohne Gebührenordnung, sondern mit freiem Preis- und Leistungswettbewerb und sich gegen die lieben Kollegen behaupten im Kampf um die 10 Millionen, die nicht in der GKV sind - oder eben als degradierter Angestellter!
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Das wäre gelebter Liberalismus, warum fordert die FDP das NICHT?
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