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9. Juli 2009, 10:42 Uhr

Vattenfall spricht von Brennstab-Schaden

Der Stromkonzern Vattenfall hat nach der Panne im Atomkraftwerk Krümmel einen weiteren möglichen Schaden eingeräumt. Auch ein Brennstab könnte beschädigt worden sein. Morgen soll der Druckbehälter des Reaktors geöffnet werden, um der Sache auf den Grund zu gehen. Vattenfall bedauert den Vorfall und räumt erneut Fehler ein.

Vattenfall, Atomenergie, Tuoma Hatakka, Krümmel, Atomkraftwerk

Tuomo Hatakka, Europa-Chef von Vattenfall: "Wir sind uns bewusst, dass wir erneut Vertrauen verloren haben. Das müssen wir uns neu verdienen."© Carsten Rehder/DPA

Der Stromkonzern Vattenfall hat nach der Panne im Atomkraftwerk Krümmel einen weiteren möglichen Schaden eingeräumt und eine Prüfung aller Abläufe zugesagt. Es gebe mit großer Wahrscheinlichkeit einen Brennstab-Schaden, sagte der Geschäftsführer der Vattenfall Europe Nuclear Energy, Ernst Michael Züfle, am Donnerstag in Berlin. Vielleicht seien einige wenige von rund 80.000 Brennstäben im Reaktor defekt.

Er betonte, dass ein solcher Schaden nicht bekannt gewesen sei, als das Kraftwerk vor mehr als zwei Wochen nach einer zweijährigen Pause wieder ans Netz gegangen war. Der Brennstabschaden sei eventuell durch ein Problem bei der Filterung im Wasserkreislauf zustandegekommen. Dies habe nach ersten Erkenntnissen nichts direkt mit dem Trafo-Kurzschluss vom Wochenende zu tun.

An diesem Freitag soll der Druckbehälter des Reaktors für Untersuchungen geöffnet werden. Für die Bevölkerung habe nach dem Kurzschluss zu keinem Zeitpunkt irgendein Risiko bestanden.

"Jetzt stehen alle Prozesse, technisch und organisatorisch, auf dem Prüfstand", sagte der Europa-Chef von Vattenfall, Tuomo Hatakka. Dazu sei ein Sonderermittler eingesetzt worden. Es sei zu Sorgen in der Bevölkerung gekommen. "Das bedauern wir natürlich sehr", sagte Hatakka und entschuldigte sich damit indirekt. Der Vorfall sei nur eine "Normalmeldung" gewesen. "Gleichzeitig bleibt festzuhalten, dass Fehler gemacht wurden." Er bezeichnete die Versäumnisse als "herben Rückschlag für alle Anstrengungen, die wir in den vergangenen zwei Jahren bezüglich unserer Sicherheitskultur unternommen haben". Die Atomaufsicht sei zudem nicht zuerst über den Störfall informiert worden. Hatakka fügte an: "Wir sind uns bewusst, dass wir erneut Vertrauen verloren haben. Das müssen wir uns neu verdienen."

Vattenfall versprach klare Konsequenzen. Hatakka sagte, er stehe mit seinem eigenen Namen dafür. Er wies Kritik an der Informationspolitik zurück. "Zu keinem Zeitpunkt haben wir Informationen zurückgehalten." Die bisherigen Untersuchungen der jüngsten Zwischenfälle in Krümmel "erlauben noch keine abschließende Aussage über die Ursache", sagte Europa-Chef. Ergebnisse würden vorgestellt sobald sie vorlägen. Am Wochenende hatte ein Trafo-Kurzschluss zu einer Schnellabschaltung des Reaktors in Krümmel in Schleswig-Holstein geführt.

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier verlangt die endgültige Schließung des Atomkraftwerks Krümmel in Schleswig- Holstein. "Die wiederholten Pannen in Krümmel haben das Vertrauen vieler Menschen in die Atomenergie weiter erschüttert", sagte der Außenminister. Der Betreiber Vattenfall habe seine "Bewährungsprobe" nicht genutzt. Die endgültige Schließung sei deshalb ein "Gebot der Vernunft" für die Menschen in der Region, aber auch für das Ansehen des Unternehmens in Deutschland.

Nach Steinmeier Worten bricht die Union mit ihrer "Pro-Atom-Politik" einen Konflikt in der Gesellschaft wieder auf, den die SPD befriedet habe. Mit dem Atomkonsens sei ein klarer Fahrplan für den Ausstieg vereinbart worden. Dieser Weg müsse unumkehrbar bleiben: "Wir stehen zum Atomkonsens, die CDU/CSU kündigt ihn auf".

Der Stromerzeuger Vattenfall Der schwedische Konzern Vattenfall produziert vor allem Strom und Wärme. Er ist in Schweden, Dänemark, Finnland, Deutschland und Polen aktiv. 2008 erwirtschaftete das Unternehmen einen Betriebsgewinn (EBIT) von 29,9 Milliarden Kronen (2,8 Milliarden Euro), das waren 4,6 Prozent mehr als 2007. Die Zahl der Mitarbeiter lag bei knapp 33.000. Vattenfall gehört zu 100 Prozent dem schwedischen Staat. Nach eigenen Angaben ist es das fünftgrößte Energieunternehmen in Europa.

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 59)
 
Efesis (10.07.2009, 13:20 Uhr)
Brennstabschaden....
ist noch lange keine Kernschmelze. Beim Anfahren dehnen sich die Brennstofftabletten aus und können kleinste Risse im Hüllrohr verursachen. Dabei entweichen minimale Mengen an Spaltgasen wie Krypton oder Xenon. In der Wasserfiltrierung werden Brennstabschäden durch empfindliche Aktivitätsmessungen erfasst und gemeldet.Es gab schon Kraftwerke die mit einem solchen Schaden ein Jahr lang gefahren sind, ohne dass jemals irgendein Grenzwert überschritten wurde. Das ist nichts schlimmes.
Spocks_Kommentar (10.07.2009, 12:06 Uhr)
Was ist das.....
ein "Brennstabschaden durch ein Problem bei der Filterung im Wasserkreislauf zustandegekommen"?
Für die, die es nicht wissen: Eine beginnende Kernschmelze.
Es ist nicht unmöglich, wie immer behauptet wird, es ist schon fast passiert - daß Hamburg heute anders aussieht als Tschernobyl ist offensichtlich nachgewiesener maßen reiner Zufall.
Damit sollte eigentlich jede Diskussion bendet sein - oder muß es erst wirklich so weit kommen?
Efesis (10.07.2009, 09:18 Uhr)
Vorschlag
Die Jahresbilanzen, laut welchen wir mehr Exportieren als Importieren sind sehr trügerisch. Wie das Wort schon sagt, wird das ganze Jahr erfasst. Aber gerade in den Sommermonaten müssen die konventionellen Kraftwerke wegen den Temperaturen ihre Produktion drosseln und dann Importieren wir. Ich bin auch nicht Grundsätzlich gegen regenerative Energiequellenn nur sollte man in diesem Fall realistisch bleiben und den Begriff Grundlast genauer betrachten.
Mein Vorschlag:
erst wenn man ohne Unterbruch (und ohne ein neues Kohlekraftwerk!) die gleiche Energie wie ein Kernkraftwerk produziert sollte über eine schliessung dessen nachgedacht werden und nicht schon vorher. Beispiel:
Deutschland exportiert dauerhaft und ohne Unterbrüche(!) 1346 MW an Energie, ohne dass ein konventionelles Kraftwerk gebaut wurde => Krümmel kann abgestellt werden. Wenn man dann irgendwann wieder 2400 MW übrig hat => Biblis kann abgestellt werden.
Was haltet ihr von dem Vorschlag?
Efesis (10.07.2009, 09:15 Uhr)
@ cobdet
wenn sie es besser wissen, dann argumentieren sie doch bitte sachlich und ersparen sie uns ihre inhaltlosen Einschätzungen meiner Person. In meinen Augen hat jeder der denkt, dass es in deutschen Kraftwerken zu einem Vorfall wie Tschernobyl kommen könnte keine Ahnung davon wie unsere Kraftwerke funktionieren.
Und übrigens, ich arbeite nicht für die Atomlobby. Ich arbeite nicht einmal in Deutschland (und auch nicht in Schweden). Und ich wohne in der Nähe von einem schweizer Kraftwerk und würde auch neben einem Endlager wohnen. Mir ist es scheiss egal ob Deutschland die Kraftwerke abstellt, selber schuld. Ausserdem bin ich nicht grundsätzlich gegen regenerative Energiequellen. So wie es im Moment aber aussieht werden die Kernkraftwerke nicht durch diese ersetzt sondern durch Kohlekraftwerke, und das ist in meinen Augen keine Alternative.
aeternitas (10.07.2009, 08:22 Uhr)
Ohne Atomstrom geht es nicht?
Soll das ein Witz sein? Was haben denn die Professoren geraucht, die so einen Unsinn in ihren Vorlesungen erzählen??? Oder stehen sie gar auf der Gehaltsliste eines der großen AKW Betreiber wie die Heldin von Hessen Dagmar Metzger, die sich standhaft und erfolgreich gegen Ypsilanti wehrte, weil die eine Abkehr vom Atomstrom wollte???
Das Uran reicht vielleicht noch für 20 Jahre, sagen wir 50, wenn die Menschen sparsam damit umgehen. Abgebaut wird es unter Bedingungen, für die es keine Bezeichnung mehr gibt. Die Menschen graben dort ohne Schutzkleidung und ohne besondere Sicherheitsvorkehrungen herum, verdienen schäbig und sterben oftmals früh an Krebs oder durch Unfälle. Und hier glauben manche das wäre UMWELTFREUNDLICH????
Zudem ist es doch kein Zufall, dass kein Betreiber und kein Politiker direkt neben einem AKW wohnt wie z.B. die Leute in Neckarwestheim. Das machen sie nicht nur wegen der beeinträchtigten Aussicht, die man hat, wenn man auf Reaktorblöcke schaut oder die Kühltürme vorm Fenster hat.
Und WENN Dinge ans Tageslicht kommen, dann sieht die Realität viel schlimmer aus! Es wird doch nur das zugegeben, was man nicht mehr vertuschen kann. Was noch nicht gefunden wurde, kann weiter herumsickern, s. auch das Atomlager Asse. Da läuft die Brühe auch schon seit 30 Jahren raus und keiner hielt es für nötig die Bevölkerung zu informieren, einfach weil da keiner wohnt, der wichtig ist.
@Stern Redaktion: Können Sie nicht einmal über den URAN-ABBAU berichten? Sie haben ausgezeichnete Fotografen, Sie könnten den Befürwortern mal die Augen öffnen, für die saubere Technologie, die sie so unterstützten
cobdet (10.07.2009, 08:17 Uhr)
@efesis
Ich versuche es ihnen noch einmal zu erklären...ich schreibe auch ganz langsam damit sie folgen können...
Ihre Arroganz besteht darin, das sie -ohne irgendeinen der User hier zu kennen- ohne winw Ahnung davon zu haben was ich weiss oder nicht weiss, hier den "Besserwisser" abgeben.
Ich will es mal so ausdrücken :
Leider gibt es für Klugscheißer kein stilles Örtchen.
Efesis (10.07.2009, 07:58 Uhr)
@ cobdet
soviel Ignoranz habe ich noch nie gesehen. Wenn sie mir nicht glauben kaufen sie sich ein Buch über Reaktorphysik. Oder kaufen sie sich gleich zehn und vergleichen sie ob überall das Gleiche drin steht. Aber es ist natürlich einfacher die Menschen, welche mehr wissen, als arrogant zu bezeichnen.
@ Angel_of_Mercy
Das ändert nichts daran, dass sich der Apfel auf den Boden zu bewegen wird und nicht vom Boden weg. Aber danke für die Ergänzung.
Angel_of_Mercy (10.07.2009, 07:14 Uhr)
@Efesis:
"Wenn zu Ihnen jemand sagt, dass der Apfel nach unten zum Boden fällt, bezeichnen sie ihn auch als arrogant?"
Ich würde ihn als unwissend bezeichnen, denn wie jeder Physiker weiß, herrscht zwischen Objekten eine Massenanziehungskraft. Somit fällt der Apfel nicht zu Boden, sondern beide kommen sich entgegen und zwar entspricht der Weg den Erde und Apfel zurücklegen dem Verhältnis der beiden Massen zueinander. Was im Fall unsere Erde ein unmessbar kleiner Weg ist.
cobdet (10.07.2009, 06:56 Uhr)
@efesis
Noch eine Antwort möchte ich ihnen nicht schuldig bleiben.
-
"Wenn zu Ihnen jemand sagt, dass der Apfel nach unten zum Boden fällt, bezeichnen sie ihn auch als arrogant? !
.
Nein natürlich nicht ! Ich bezeichne ihn als blind und blöd wenn er dabei auf einen Birnbaum zeigt und mir weiss machen will das seien Äpfel !
cobdet (10.07.2009, 06:52 Uhr)
@efesis
Oha ! Zu der Sorte gehören sie also:
"Selbsternannter Mister Allwissend, ausgestattet mit der göttlichen Gabe der Unfehlbarkeit"
.
Sehen sie und genau so etwas bezeichne ich als Arroganz.
.Ihre Argumente konnte ich übrigens fast Wort für Wort in einer Werbebroschüre aus dem Infozentrum des KKW`s Gronde lesen.
Wie war das noch? "Wes Brot ich ess dessen Lied ich sing !"
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