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Zentralrat der Juden verschärft Kritik an Wulff

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat Wulff scharf für seine Äußerung über eine Pogromstimmung in der Debatte über Managergehälter kritisiert. Die Entschuldigung Wulffs vom Freitag habe "nicht überzeugt".

Der Zentralrat der Juden hat seine Kritik am niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff verschärft. Der Generalsekretär des Zentralrats, Stephan Kramer, warf dem CDU-Politiker vor, er habe eine "Brandstifter-Rede" gehalten. Der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse" sagte Kramer: "Die Erinnerung und auch die Vermittlung von Wissen über die Ereignisse von 1938 hat einen sehr hohen Stellenwert. Was hier an Arbeit in Deutschland geleistet wird, ist großartig. Nur: Diese mühsame Bildungsarbeit wird durch solche leichtfertigen Brandstifter-Reden wie jetzt von Herrn Wulff beschädigt."

"Nicht mehr als eine lauwarme Entschuldigung"

Wulff hatte in der TV-Talkshow "Studio Friedman" im Zusammenhang mit der Kritik an Managern von einer "Pogromstimmung" gesprochen. Am Freitag entschuldigte sich Wulff für seine Äußerung. Kramer reicht das nicht. "Herr Wulff hat mich gestern angerufen, um mir die Beweggründe für seinen Vergleich zu schildern. Er hat mich in diesem Gespräch nicht überzeugt", sagte Kramer. Zwar habe er die Wortwahl als deplatziert bezeichnet, doch gleichzeitig versuche er immer noch, sich zu rechtfertigen. "Herr Wulff scheint sich gar nicht bewusst zu sein, was er anrichtet, wenn er mit solchen Begriffen spielt - noch dazu drei Tage vor dem Jahrestag der Reichspogromnacht", sagte Kramer.

Er fügte hinzu: "Wie sollen sich Juden in Deutschland fühlen, wenn sich die gleiche Politikerkaste solche Entgleisungen leistet, die am Sonntag bei den Gedenkveranstaltungen in ihren Reden betonen wird: 'Wir haben aus der Geschichte gelernt, wir werden uns dafür einsetzen, dass es nie wieder passiert'".

Wulff wird am Sonntag an einer Veranstaltung der Jüdischen Gemeinde zur Pogromnacht teilnehmen. Zugleich wiederholte Kramer seine Rücktrittsforderung gegen Wulff: "Er muss sich fragen lassen, ob er der richtige Mann für ein Staatsamt ist. Er sollte zurücktreten. Seine Entschuldigung zeigt doch gerade, wie wenig sensibel er auch jetzt noch mit dem Thema umgeht. Er war nicht Manns genug, sich selbst vor die Kameras zu stellen, sondern schickt seine stellvertretende Pressesprecherin vor. Diese Art und Weise ist nicht angemessen. Das war nicht mehr als eine lauwarme Entschuldigung", sagte Kramer.

"Fehlendes Geschichtsbewusstsein"

Auch die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, hat Wulff scharf für seine Äußerung über eine Pogromstimmung in der Debatte über Managergehälter kritisiert. "Leider gibt es immer neue unsägliche Vergleiche, wie jetzt auch die neuen Äußerungen des niedersächsischen Ministerpräsidenten Wulff. Diese Auswüchse und Entgleisungen sind nicht hinnehmbar", sagte Knobloch den Dortmunder "Ruhr Nachrichten" (Samstag). Eine generelle Verharmlosung der Judenverfolgung sehe sie aber nicht.

Vielen in Deutschland fehle einfach das Geschichtsbewusstsein, sagte die Zentralratspräsidentin: "Umso mehr müssen wir die Erinnerung wach halten. Sie ist Grundlage dafür, dass der 9. November 1938, die Nazi-Zeit insgesamt richtig eingeordnet werden können."

DPA/DPA
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