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Spitzen-Grüne fordern Roth zum Weitermachen auf

11. November 2012, 18:40 Uhr

Nach ihrem Debakel bei der Urwahl der Spitzenkandidaten denkt Grünen-Chefin Claudia Roth offenbar an Rückzug. Für Montag hat sie ein Statement angekündigt. Kollegen drängen sie zum Weitermachen.

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Dürfte nach übereinstimmender Einschätzung in der Partei wiedergewählt werden, sollte sie auf dem Parteitag in Hannover erneut als Vorsitzende antreten: Claudia Roth.©

Parteichefin Claudia Roth denkt nach ihrem schlechten Abschneiden bei der Urwahl der Grünen an Rückzug. Am Montagmorgen um 8 Uhr will sie bekanntgeben, ob sie erneut für ihr Amt kandidiert. Anschließend findet in Berlin eine Bundesvorstandssitzung statt.

Die Wahl der Vorsitzenden findet bereits am Samstag auf dem Parteitag in Hannover statt. Roth hatte mit nur 26,2 Prozent am schlechtesten von den vier bekannten Bewerbern abgeschnitten. Am Sonntag mehrten sich die Solidaritätsbekundungen von Grünen-Politikern an Roth. Eine andere Kandidatin war nicht in Sicht.

Mehrere Grünen-Spitzenpolitiker baten die Parteilinke Roth am Sonntag, als Vorsitzende weiterzumachen. Sie beschrieben die 57-jährige, die mit Unterbrechung seit 2001 Grünen-Chefin ist, als unverzichtbar für die Partei. Die Urwahl der Parteimitglieder sei kein Ergebnis gegen Roths Arbeit als Vorsitzende gewesen, sagte Roths Co-Vorsitzender Cem Özdemir der "Berliner Zeitung" (Montag). "Die Spitzenkandidatur und der Parteivorsitz sind zwei Paar Stiefel." Auch aus den Landesverbänden bekam Roth Zuspruch. Özdemir sieht Roth in der Partei nicht geschwächt. "Es gibt eine sehr breite Unterstützung in der Partei dafür, dass Claudia erneut als Bundesvorsitzende gewählt wird."

Entscheidung offen

Roth dürfte nach übereinstimmender Einschätzung in der Partei wiedergewählt werden, sollte sie am Samstag auf dem Parteitag in Hannover wieder als Vorsitzende antreten. Die 57-Jährige bezieht ihren Antrieb großteils aus der Politik. Sie gilt manchen auch als eine Art Seele der Grünen, anderen ist sie zu gefühlsbetont oder schrill. Roths Wahlkampfauftritte zielen immer in ähnlicher Schärfe auf den Gegner. Der Kontrast zur eher ruhigen Art der Gewinnerin Göring-Eckardt sticht ins Auge.

Es sei jedoch offen, wie Roth sich entscheide, hieß es in Parteikreisen. Die Parteilinke könnte gestützt auf auch interne Bitten hochrangiger Grüner - auch von den Realos - weitermachen. Roth hatte sich am Sonntag mit Mitarbeitern getroffen und viel telefoniert. Auf dem Parteitag könnte sie wohl auf ein gutes Ergebnis hoffen - oder sie könnte wegen der bitteren Niederlage aufgeben.

kmi/ins/DPA

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