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6. November 2008, 16:21 Uhr

Einstimmig für Neuwahlen in Hessen

Nach der gescheiterten Regierungsbildung in Hessen haben nun SPD und CDU den Weg für Neuwahlen am 18. Januar freigemacht. Beide Parteien haben sich für die Auflösung des Landtags ausgesprochen. CDU-Spitzenkandidat soll Ministerpräsident Roland Koch werden. Ob Andrea Ypsilanti die SPD in den Wahlkampf führen wird, ist offen.

Hessischer Landtag in Wiesbaden: Alle Zeichen stehen auf Neuwahlen© Kai Pfaffenbach/Reuters

Nach dem wiederholten Scheitern einer rot-grünen Machtübernahme wird in Hessen Anfang 2009 erneut gewählt. Nach FDP, Grünen und Linkspartei sprachen sich am Donnerstag auch die großen Parteien CDU und SPD für eine Neuwahl des Landtags aus. Angestrebt werde der 18. Januar, sagte der geschäftsführende Ministerpräsident Roland Koch (CDU). Offen blieb, ob die SPD-Landesvorsitzende und gescheiterte Ministerpräsidenten-Kandidatin Andrea Ypsilanti erneut Spitzenkandidatin wird. "Ich bin aus der Partei aufgefordert worden, zur Verfügung zu stehen, und ich werde am Samstag dem Parteirat einen Vorschlag dazu machen", sagte sie nach einer Sitzung des Landesvorstands in Frankfurt.

Koch wird erneut die CDU-Wahlliste anführen. Es gebe keine Perspektive für eine Regierungsbildung im gegenwärtigen Parlament, begründete er die Entscheidung für eine vorgezogene Wahl. Auch Ypsilanti sagte: "Es gibt keine Möglichkeit, eine Regierung in Hessen zu bilden. Und deshalb hat der Landesvorstand beschlossen, in Neuwahlen zu gehen." Einer Umfrage zufolge hätten CDU und FDP eine Mehrheit, wenn bereits am Sonntag ein neuer Landtag gewählt würde.

Umfrage: CDU legt zu

Wie Infratest dimap im Auftrag des Hessischen Rundfunks (hr) ermittelte, käme die CDU in Hessen derzeit auf 41 Prozent, das sind vier Punkte mehr als bei der Landtagswahl im Januar. Die FDP würde 11 Prozent (+ 1,6) erzielen, die SPD um zehn Punkte auf 27 Prozent abstürzen, die Linkspartei bei 5 Prozent verharren. Die Grünen würden sich um 4,5 Punkte auf 12 Prozent verbessern. 79 Prozent der Hessen befürworten Neuwahlen.

Ypsilanti käme als Spitzenkandidatin im direkten Vergleich mit Koch laut Infratest dimap nur noch auf 24 Prozent der Stimmen - das sind zwölf Punkte weniger als im September. Koch liegt bei 43 Prozent (minus zwei Punkte).

Dass vier SPD-Abgeordnete Ypsilanti ihre Stimme verweigern, fand fast jeder zweite (49 Prozent) der 1000 befragten Hessen richtig - allerdings nur jeder vierte (24 Prozent) Anhänger von SPD und Grünen. 27 Prozent hielten es für falsch. 17 Prozent sagten, die Entscheidung sei richtig, hätte aber früher kommen müssen.

Die vier SPD-Abgeordneten Dagmar Metzger, Jürgen Walter, Carmen Everts und Silke Tesch hatten am Montag öffentlich erklärt, dass sie Ypsilanti wegen ihrer geplanten Zusammenarbeit mit der Linkspartei nicht zur Ministerpräsidentin wählen. Damit scheiterte der für Dienstag geplante zweite Griff Ypsilantis nach der Regierungsmacht. Einen ersten Versuch hatte sie wegen Metzgers Widerstand bereits im März abbrechen müssen. Koch konnte deshalb im Amt bleiben, obwohl er bei der Landtagswahl im Januar seine Mehrheit verloren hatte.

Landtag muss sich selbst auflösen

Um Neuwahlen anzubahnen, muss sich der hessische Landtag selbst auflösen. Dafür sind mindestens 56 Stimmen erforderlich. Einen entsprechenden Antrag will die Union in der nächsten regulären Sitzung stellen, die vom 18. bis zum 20. November dauert. Danach muss laut Verfassung binnen 60 Tagen ein neues Parlament gewählt werden.

Auch Ypsilanti kündigte einen Antrag der SPD-Fraktion auf Auflösung des Parlaments an. Der kurze Winterwahlkampf werde schwierig. "Aber wir haben die Sicherheit, dass die Inhalte, mit denen wir im Sommer Wahlkampf gemacht haben, immer noch die richtigen Inhalte sind", sagte sie. "Deshalb werden wir auch an unserem Wahlprogramm inhaltlich nichts ändern."

DPA/AP
 
 
KOMMENTARE (10 von 33)
 
Gabeltier (07.11.2008, 13:06 Uhr)
Ypsilanti gibt auf
laut Presse. Wurde auch Zeit. Wobei ich es mir gerne angeguckt hätte, wie sie das 3. Mal mit dem Kopf gegen die Wand (Rolands Regierungsgebäude) rennt.
SethusCalvisius (07.11.2008, 12:50 Uhr)
@gabeltier
Schön, dass Sie auf meinen Kommentar reagieren. Schade, dass Sie ihn anscheinend nicht verstanden haben.
Gabeltier (07.11.2008, 12:45 Uhr)
Ich bin froh...
dass es hier noch vernünftige Leute wie vegefranz und putinki gibt. Sonst wäre Hessen / Deutschland schon längs wieder sozialistisch. @SethusCalvisius: glauben Sie ernsthaft, dass der Linksblock die richtigen Rezepte hat um die Wirtschaft und damit Arbeitsplätze zu erhalten? Und Lüglilanti wird abgestraft, sie brauchen nur die aktuellen Umfragen zu sehen, wo Union bei 41% und FDP bei 11% stehen, schwere Verluste für SPD sind sicher.
SethusCalvisius (07.11.2008, 10:17 Uhr)
@putinki
Interessant, dass im Zusammenhang mit den Linken hier immer Begriffe wie "blindlings hinterherlaufen" verwendet werden. Glauben Sie im Ernst, Anhänger einer linken Politik würden blind irgendwelchen Parolen hinterherlaufen, während Anhänger der Konservativen nach langer, reiflicher Überlegung, Studium der Wahlprogramme und sonstiger Literatur ihre Entscheidung treffen? Ja, ich fürchte, Sie glauben das wirklich.
Sollen jetzt nach dem Wahl-Desaster alle links denkenden "vernünftig" werden und in den Schoß der Neoliberalen (CDU,FDP /Seeheimer-SPD) zurückkehren? Soll die Hessen-SPD ihre politische Position wieder radikal ändern, nur um ein paar Stimmen mehr zu erhalten? Wäre das der politische Anstand, der hier immer eingefordert wird?
Putinki (07.11.2008, 09:23 Uhr)
Verlierer wählen
Es ist einfach erstaunlich, wie sehr die Linke in Hessen mehrfach erprobten Verlierern blindlings nachrennen. Wie soll man da ihren Absichten glauben, ein besseres Hessen zu schaffen? Das ausgehandelte Programm der gescheiterten Minderheitsregierung, sollte eine Abschreckung sein, es sei denn wir haben es mit Ignoranten zu tun.
vegefranz (07.11.2008, 06:09 Uhr)
Neuwahlen - Lügilanti abstrafen
Die Ypsilantisten hier haben sich lange aus guten Grund gegen Neuwahlen ausgesprochen: Sie wissen, daß die SPD mit Lügilanti bei 15 % landen wird und auch ohne Lügilanti die 20 %-Marke noch zu hoch ist
Dirk_37 (07.11.2008, 02:04 Uhr)
@sethus
Ihr letzter Kommentar hat mir recht gut gefallen: trotz unserer unterschiedlichen Meinungen finde ich mich manchmal in dem wieder, was Sie vertreten. Ich halte Koch auch nicht unbedingt für den besten seiner Zunft, jedoch denke ich das Ypsilanti, wenn sie schlau ist, nicht mehr antritt. Andernfalls wird das Debakel der SPD auch auf Bundesebene eher zunehmen,denke ich.
Insgesamt muss man sich über einige Schreiber hier nur wundern wie verbohrt und lernresistent sie sind, das gilt wohl für beide Lager:-)
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute Nacht,mfG Dirk
jomimo (07.11.2008, 00:17 Uhr)
Nein , nein ihr Lügner und Täuscher
Ypsilanti wird jetzt den Wählerauftrag bekommen.
Nun denn, ob es Euch passt oder nicht - wir freuen uns auf einen Neuanfang.
Denn dann wird der Wählerauftrag neu entschieden
kalaehne (07.11.2008, 00:12 Uhr)
Ronald Koch spaltet Gemeinschaften...
...deshalb ist er für Führungsaugaben in Hessen, in Berlin und auch in Brüssel ungeeignet. Wer Gegnerschaft mit Feindschaft verwechselt, wer angebliche "jüdische Vermächtnisse" für die eigene politische Karriere zu nutzen versucht, der sollte von Wähler/innen - auch in Hessen - in das politische Abseits verbracht werden. Da hilft auch nicht, daß in Hessen ein Anwalt - Herr Jung, früher im engen Umfeld des Herrn Koch - als " Bauernopfer " ausgesondert wurde, um später in Berlin CDU-Verteidigungsminister zu werden...Juergen Kalaehne
SethusCalvisius (06.11.2008, 23:43 Uhr)
Endlich Neuwahlen
Endlich Neuwahlen. Vielleicht sind die Leute ja diesmal so schlau nicht auf die schwarz-braunen Parolen des rechten Lagers und Lügenbaron Koch reinzufallen und statten Ypsilanti mit einer satten Mehrheit aus. Gut tun würde es dem Land. @die Rechten: habt ihr noch was anderes drauf als die ewige Leier von Lügilanti usw.? Das interessiert niemanden. ......
usw, blablabla
Liebes Gabeltier, merken Sie jetzt vielleicht, was das für Phrasen sind? Wahrscheinlich nicht, wenn man nicht akzeptiert, dass es verschiedene politische Meinungen und nicht nur die eine Wahrheit gibt.
Übrigens sollten Sie sich mal schlaumachen, welche Leute die Linken wählen. Das sind nämlich nicht in erster Linie HartzIVer, sondern ganz allgemein Menschen, die sich Sorgen um die soziale Gerechtigkeit in unserem Land machen. Glauben Sie nicht, dass ich den Parolen von Oskar und co vertraue, aber solange die SPD Beschlüsse wie die Bonuszahlungen oder den Steuererlass für Luxusautos mitträgt oder maßgeblich mitverantwortet, sind die Linken als Mahner unersetzlich. (Mir wäre es auch lieber, wenn es nicht so wäre)
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