Piraten wählen Ponader zum neuen Geschäftsführer

29. April 2012, 12:14 Uhr

Eloquente Rednerin und Mediendarling: Mit ihrem Abschied als Geschäftsführerin hinterlässt Marina Weisband eine Lücke, die die Piraten nur schwer füllen können. Johannes Ponader will es trotzdem versuchen.

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Der Staffelstab wird per Umarmung übergeben: Der Berliner Künstler Johannes Ponader übernimmt die Geschäftsführung der Piraten©

Die Piratenpartei hat einen Nachfolger für die bisherige Politische Geschäftsführerin Marina Weisband gewählt. Johannes Ponader, der sich auch in der Occupy-Bewegung engagiert, erhielt am Sonntag auf dem Parteitag in Neumünster die meisten Stimmen. Der 35-Jährige konnte sich mit 74,4 Prozent klar gegen acht Mitbewerber durchsetzen. Ponader lebt in Berlin und arbeitet als freischaffender Schauspieler, Regisseur und Autor. In einer ersten Reaktion sagte der frisch gekürte Geschäftsführer, er wolle künftig dafür sorgen, dass in der Öffentlichkeit nicht immer nur die gleichen Gesichter die Piraten repräsentierten - auch eine Spitze gegen seine Vorgängerin Weisband, die sich aus privaten Gründen aus der Parteispitze zurückzieht

Weisband galt als das bekannteste Gesicht der Piraten. Zuletzt war der 24-Jährigen der Medienrummel um ihre Person und die Doppelbelastung von Partei und Studium jedoch zuviel geworden. "Gegen Oktober ist mir das ganze um die Ohren geflogen", hatte sie am Samstag in ihrem Tätigkeitsbericht gestanden. "Ich habe nicht alles geschafft, was ich mir vorgenommen habe." Nach ihrer Entlastung vom Amt jubelte sie und ballte die Fäuste zusammen. Sichtlich erfreut über die Entscheidung zeigte sich auch ihr Landesverband Nordrhein-Westfalen: "Willkommen zurück in der Basis", titelte ein Plakat, das Weisband im Anschluss überreicht wurde.

Back to basis

Politikerin wolle Weisband aber bleiben, auch wenn sie nicht mehr im Bundesvorstand der Partei sitzt, erklärte die 24-Jährige gegenüber der Nachrichtenagentur DPA. Jetzt will sie erst einmal ihre Diplomarbeit fertigschreiben. Darin beschäftigt sie sich mit den Wertvorstellungen ukrainischer Kinder, mit Blick auf entsprechende internationale Forschungsarbeiten. Es sei erstaunlich, dass Kinder über die Kulturen hinweg eher gemeinsame Werte teilten als Erwachsene, sagt sie. "So sind Kinder immer bereit zu teilen, anderen abzugeben."

Das bestätigt das positive Menschenbild der Studentin, die daran glaubt, dass sich vieles in der Gesellschaft verändern lässt, wenn man den Menschen nur mehr zutrauen würde. "Als einfaches Mitglied an der Basis will ich mich um meine Kernkompetenz kümmern, die Schulpolitik." Eine Zeit lang habe sie sich überlegt, ob sie nicht in der Ukraine politisch aktiv werden solle, sagt die gebürtige Kiewerin. "Gegenüber den Problemen dort haben wir Luxusprobleme."

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