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15. Juni 2008, 09:17 Uhr

"Versetzung gefährdet"

In der SPD gärt der Richtungsstreit. Parteivize Andrea Nahles hat sich in einem Interview zwar hinter Parteichef Kurt Beck als Kanzlerkandidat gestellt, rügte aber den Auftritt der Partei bis in die Spitze hinein. Vertraute von Außenminister Steinmeier sollen bereits an einem Programm für dessen Kandidatur arbeiten.

Egal, wie er da steht, nach außen hin geht der Daumen hoch: SPD-Parteichef Kurt Beck neben Vize Andrea Nahles in Hochspeyer beim Pfalztreffen der SPD© Martin Oeser/DDP

In der SPD geht der Streit um die Ausrichtung der Partei weiter. Weil die Sozialdemokraten in den Umfragen weit abgeschlagen zurückliegen, steht Parteichef Kurt Beck massiv in der Kritik. Seine Politik der Linksöffnung steht im Gegensatz zu den Plänen von Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der den reformorientierten Agenda-Kurs von Gerhard Schröder fortsetzen will.

SPD-Vize und Parteilinke Andrea Nahles stellt sich trotz des schlechten Erscheinungsbildes ihrer Partei weiter hinter den Vorsitzenden Kurt Beck. Sie hoffe, dass Beck nach der Bundestagswahl 2009 Kanzler werde, sagte die Parteilinke dem Deutschlandfunk. Im Zeugnis der SPD müsse derzeit jedoch stehen: "Versetzung gefährdet." Die Partei müsse selbstbewusster und harmonischer auftreten. Die mächtige Strippenzieherin, die bereits am Sturz von Rudolf Scharping und Franz Müntefering beteiligt war, ist programmatisch Beck nahe und so inhaltlich an ihn gebunden. Es sei falsch, sagte sie, Kurt Beck alleine für alle Probleme verantwortlich zu machen. "Ich glaube, dass man insgesamt die Teamleistung der SPD-Spitze noch verbessern muss."

Wie Welt Online berichtet, sollen unterdessen engste Vertraute von Außenminister Frank-Walter Steinmeier seit Wochen Eckpunkte eines möglichen Wahlprogramms erarbeiten. Dieses wäre eine Fortsetzung der schröderschen Reformpolitik - und stände so Plänen Nahles und den Parteilinken entgegen.

Dem Medienbericht zufolge erarbeiten Außenamtsstaatssekretär Heinrich Tiemann und der parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Thomas Oppermann, bereits seit einigen Wochen Eckpunkte eines möglichen Wahlprogramms. Wie Steinmeier zählen sie zum rechten Flügel der Partei.

Nahles widersprach Berichten, wonach sich die SPD-Spitze intern bereits auf Außenminister Frank-Walter Steinmeier, einen der beiden anderen Beck-Vize, als Herausforderer von Kanzlerin Angela Merkel festgelegt habe.

Im jüngsten ZDF-Politbarometer kam die SPD vor zwei Tagen auf 26 Prozent, CDU/CSU auf 39 Prozent. Beck kam auf den drittletzten Platz der wichtigsten zehn Spitzenpolitiker. Hinter ihm lagen nur noch die Links-Politiker Gregor Gysi und Oskar Lafontaine. Merkel führte dagegen die Beliebtheitsskala knapp vor Steinmeier an.

Zuvor hatte sich in der aufkeimenden Debatte um eine programmatische Ausrichtung bereits die hessischen SPD-Parteichefin Andrea Ypsilanti in Stellung gebracht. Die Sozialdemokraten müssten unter dem Schlagwort der "sozialen Moderne" in den Bundestagswahlkampf 2009 ziehen. "Wir müssen für eine solidarische Gesellschaft kämpfen, in der Risiken gemeinsam getragen werden und in der starke Schultern natürlich mehr tragen müssen als schwache. Wenn wir das machen, wenn wir die "soziale Moderne" betonen, kann man als Sozialdemokrat auch Wahlen gewinnen", sagte Ypsilanti auf dem Bundeskongress der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen (ASF) in Kassel.

Die SPD müsse klar machen, was sie unter "sozialer Moderne" verstehe: "Kein Kampf der Generationen, weil es in jeder Generation arm und reich gibt und wir da einen Ausgleich schaffen müssen. Es nutzt der nachfolgenden Generation auch kein ausgeglichener Haushalt, wenn die Infrastruktur, das Soziale und die Umwelt im Argen liegen."

hil/Reuters/DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 22)
 
ganzbaf (16.06.2008, 11:01 Uhr)
Selbst Schuld, SPD!

Unter Schmidt die spätere Grünenklientel vergrault und unter Schröder die Sozialisten.
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Zwei große Abspaltungen von der SPD-Stammwählerschaft innerhalb von nur 25 Jahren...
Soooo kreuzdämlich war die CDU allerdings nie ;-P
utospatz (15.06.2008, 21:15 Uhr)
Es gibt wenige
Organisationen über die ich mich fast totlachen kann, außer der SPD!
Eigentlich ist sie gerade dabei sich selbst zu eliminieren!
Da hilft dir auch keine Nahles, du hast deinen Gaz-Prom-Gerd, deinen Clement, und sonstige Müllers vergessen, was früher ehemals Superminister gewesen! Das Fussvolk wird davon genesen! Nur Ihr Arschlöcher werdet niemals davon genesen!
utospatz (15.06.2008, 20:42 Uhr)
Mit was will die SPD
noch etwas gewinnen?
Wenn einer Schröder hört, lacht er sich Tot.! Hört er Clement, wird selbst der letzte Trottel zum Philster, da er weiss er wird zum SPD-politischen Armutsphillister! Hat er doch Adeco, mein Gott was ist ein solches SPD-Arschloch cool!
Im Prinzip ist es doch so, lös eine solche Partei, auf wie ein verlorenes EI°
nicknoris (15.06.2008, 20:23 Uhr)
Andrea Nahles steht hinter Kurt Beck
und schiebt ihn in den Abgrund!
Kein Wort über die falsche Programmatik der Partei, kein Wort über soziale Skandale wie Kinderarmut, Erosion der Mitte in Deutschland, kein Wort über die interne Hetze der Parteirechten gegen Beck, statt dessen Sprechblasen wie:
„Die Partei muss selbstbewusster, harmonischer Auftreten, bessere Zusammenarbeit pflegen. Sie ist für Gespräche aber keine feste Vereinbarungen mit der Linkspartei“, wozu aber dann Gespräche?
Hans-Ulrich Jörges vom Stern hat ihr dieses Wochenende eine Steilvorlage geliefert: "Nicht Oskar Lafontaine ist das Problem der SPD, sondern die Managerkaste in Deutschland, die außer Rand und Band geraden ist."
Doch angesichts der Realitäten klingt es schon fast höhnisch: „sie hoffe, Beck werde Kanzler“.
Beck wird weder Kanzlerkandidat, geschweige denn Kanzler. Aber auch der Parteirechte Steinmeier, der angeblich keinen Richtungswechsel mittragen will und schon an einem Wahlprogramm schreiben lässt, wird schwerlich Vizekanzler werden. Ich sehe schon Westerwelle jubeln.
utospatz (15.06.2008, 18:10 Uhr)
So ist die SPD auf leisen
Sohlen, mit Genuss dabei, sich links und rechts gegenseitig zu überholen.
knilch_59 (15.06.2008, 17:12 Uhr)
Wie bekommt man eine Gestaltungsmehrheit?
In der derzeitigen Parteienlandschaft kann sich die SPD auf lange Dauer von dem Gedanken befreien, irgendwo durch eine absolute Mehrheit alleine regieren und gestalten zu können. Während das bürgerlich-konservative Lager mit seinen rund 40% stabil hinter einer Partei – CDU/CSU steht, ist die linke Mitte zwar nach wie vor in etwa gleich stark, aber dauerhaft auf drei Parteien aufgeteilt: SPD / Grüne und die Linkspartei. Und dazwischen traditionell konzeptionslos, dummschwätzend und ebenso beliebt wie überflüssig - die FDP.
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Wenn also eine SPD-Alleinregierung auf lange Zeit unerreichbar wird, muss sie sich die Frage stellen, was die nächste Option wäre:
a) dauerhafte Opposition und damit fast überhaupt keine aktiven Gestaltungsmöglichkeiten
b) Junior-Partner in einer Koalition mit der CDU, und das immer nur dort, wo es für die bequeme Schwarz-Gelbe Allianz nicht richt
c) Versuch in anderen Koalitionen und Konstellationen als stärkste Partei den Regierungschef zu stellen und damit den eigenen Anspruch an Gestaltung der Gesellschaft zu demonstrieren
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Ohne eine Öffnung zur LP bleibt als Perspektive nur a) oder b)
Wenn die SPD auch mal wieder wirklich etwas reißen will, braucht sie die Öffnung zu Linkspartei. Das wissen auch alle aus dem bisherigen Führungskader. Aber Steinbrück und Steinmeier bleiben lieber willige Dienstboten im Merkel-Regime. Mit 25 % für SPD, 10 % für Grün und 13% für die Linkspartei könnte die SPD bei den Bundestagswahlen 2009 vielleicht sogar einen Kanzler stellen (das wären nicht die beiden St-s!). Mit 30 % ohne Öffnung zur Linkspartei wird es immer nur zum Vize-Regierungschef und Außenminister reichen, wenn sich nicht die Grünen doch noch auf Jamaica einlassen.
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Klar, dass die Vizepräsidenten derzeit so eindeutig hinter Kurt Beck stehen. Wie sonst sollten sie ihm bei der nächst passenden Gelegenheit das Messer ins Kreuz rammen?
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Beck und Nahles sind mir da in ihren Absichten unverdächtiger.
Ernst_Derlage (15.06.2008, 15:28 Uhr)
Verkäufer dringend gesucht!
Wie also kann der SPD geholfen werden? Nun, der morgendliche Gang zum Bäcker zeigt eine Lösung: ist das Brot nicht mehr ganz so frisch, die Verkäuferin aber hübsch und freundlich, zahlen wir ohne Grummeln. Soll heißen: dass die SPD inhaltlich zwischen allen Stühlen sitzt, ist nicht so schlimm, solange sie jemanden hat, der das, was ihr bleibt, gut verkauft. Gerhard Schröder wusste, wie das geht. Schmidt und Brandt ebenfalls. Oskar Lafontaine ist zur Zeit der Top-Verkäufer der Republik. Seine Thesen sind dem Irrsinn ziemlich nahe und trotzdem findet er überraschend viele Abnehmer für seine alten, verschimmelten kommunistischen Brötchen. Wen hat die SPD zurzeit? Kurt Beck ist als prinzipienfreier Opportunist beim Wahlvolk unten durch, Steinmeier hat neben seinen unbestreitbaren Qualitäten aber leider auch die Ausstrahlung eines Roboters mit Sprechtaste, Steinbrück konnte schon NRW nicht halten, die Nahles ist noch viel zu grün und Wowereit ist, trotz seines Sonderstatus als warme Semmel, außerhalb Berlins nicht mehrheitsfähig. Der SPD fehlt ein Verkäufer. Und damit auch eine Hoffnung auf Besserung.
ELGE (15.06.2008, 14:12 Uhr)
Immer wieder Forsa
Lieber Stern,es gibt seriösere Institute als das sozialdemokratischfeindliche Forsainstitut.Infratestdimap ist da in seiner Aussagekompetenz höher glaubwürdiger einzuschätzen.
Hier liegt die SPD übrigens bei 26%.
Ist doch wohl ein erheblicher Unterschied gegenüber Forsa.
Und im übrigen, bei den Voraussagen zu Wahlergebnissen und ähnlichen Untersuchungen liegt Infratestdimap immer sehr nahe am Endergebnis.
Sie sollten mal das Meinungsforschungsinstitut wechseln.
UThome (15.06.2008, 14:03 Uhr)
Wahlhilfe für die CDU ???
Nur so lässt sich verstehen das Frau Nahles trotz niederschmetternder Umfrageergebnisse meint das Kurt Beck für die SPD der richtige Kanzlerkandidat ist. Wenn die SPD aus ihrem Tief kommen will wird sie das wohl nur schaffen mit Herrn Steinmeier als Kandidat und dann hoffentlich mit einer klaren Richtung ohne das herumeiern des linken Flügels. Die SPD sollte sich darauf besinnen eine Volkspartei zu sein und nicht ein Ersatz für die KPD/SED/Linke.
ganzbaf (15.06.2008, 13:35 Uhr)
Jedenfalls sind...

in Deutschland seit Jahrzehnten die Konservennaiven und neoliberale Wirtschaftskriecher an den Schaltstelle der Macht, stellten die Kanzler.
And den vielfältigen Miseren der Gegenwart sind also nicht irgendwelche ominöse "Linke" schuld!
Die hatten in der BRD ja noch nicht nicht ein einziges Mal die Chance, dem Grundgesetz wieder seine ursprüngliche BEdeutung zurück zu geben ;-P
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Das ändert sich aber gerade.
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