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26. November 2009, 18:43 Uhr

Jung sieht keinen Anlass für Rücktritt

Ex-Verteidigungsminister Franz Josef Jung hat jegliche Vertuschungsvorwürfe in der Affäre um den Nato-Angriff bei Kundus zurückgewiesen. Er habe Parlament und Öffentlichkeit "korrekt informiert".

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Der Arbeitsminister in der Defensive: Franz Josef Jung hat sich vor dem Bundestag gerechtfertigt© Berthold Stadler/DDP

Der frühere Verteidigungs- und jetzige Arbeitsminister Franz Josef Jung (CDU) will trotz neuer Vorwürfe zu seinem Vorgehen nach dem Luftschlag in Afghanistan im Amt bleiben. Er habe sich sofort um eine "sachgerechte Aufklärung" bemüht und das Parlament sowie die Öffentlichkeit "korrekt über seinen Kenntnisstand informiert", sagte Jung in einer eigens anberaumten Debatte im Bundestag über die Vorwürfe zur Informationspolitik über den Luftschlag in Nordafghanistan am 4. September.

Jung erst spät informiert

Zuvor war bekannt geworden, dass während der Amtszeit Jungs innerhalb der Bundeswehr falsche Angaben über die Zahl der zivilen Opfer bei dem Angriff gemacht wurden. Dabei wurden nach Nato-Angaben bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt, darunter 30 bis 40 Zivilisten. Jung hatte sich öffentlich nicht klar positioniert, ob es auch zivile Opfer gegeben habe.

Jung sagte, er habe den Bericht der in Kundus eingesetzten deutschen Militärpolizei nach eigenen Erinnerungen am 5. oder 6. Oktober und damit einen Monat nach dem Luftschlag erhalten. Ohne nähere Kenntnisse vom Inhalt habe er dieses Dokument an die Nato für deren eigene Untersuchungen weitergeleitet. Zu keinem Zeitpunkt habe er das Parlament belogen, betonte Jung.

Gysi fordert Jungs Rücktritt

Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) hatte am Morgen bestätigt, dass Angaben zu zivilen Opfern im Ministerium zurückgehalten worden waren. Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und Staatssekretär Peter Wichert übernahmen die Verantwortung dafür und wurden entlassen. Die Unionsfraktion gab bekannt, dass sie einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss unterstützen werde, wenn er von der Opposition beantragt werde. Darüber wird möglicherweise in der Sondersitzung des Verteidigungsausschusses am Freitag entschieden.

Der Vorsitzende der Linksfraktion, Gregor Gysi forderte Jung zum Rücktritt auf. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin beschuldigte Jung, im Parlament die Unwahrheit gesagt zu haben. In einer Sondersitzung des Verteidigungsausschusses an diesem Freitag müssten jetzt alle Fakten auf den Tisch gelegt werden.

Scharfe Kritik von der SPD

Die SPD kritisierte Jungs Informationspolitik scharf. Von einem Minister erwarte man, dass er, "auch wenn es schwierig wird, politische Verantwortung übernimmt", sagte SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold im Bundestag. Er warf Jung eine "Salami-Taktik" vor.

Die FDP-Sicherheitsexpertin Elke Hoff warnte aber, vorschnell ein Urteil zu fällen. "Es geht um einen sehr ernsten Sachverhalt. Wir sollten uns hüten vor Vorverurteilungen vor einer lückenlosen Aufklärung im Deutschen Bundestag", sagte sie. Dies liege auch im Interesse der Soldaten der Bundeswehr.

DPA
 
 
KOMMENTARE (10 von 52)
 
SethusCalvisius (27.11.2009, 10:46 Uhr)
@Heinerich
Wenn SIe meinen Argumenten nichts sachliches entgegenzusetzen haben, dann frage ich mich, warum Sie überhaupt reagieren. Widerlegen Sie, was ich gesagt habe, dann können wir weiter diskutieren. Ich habe keine Lust, mich hier beschimpfen zu lassen, wenn ich versuche, die Sache etwas differnzierter zu sehen.
Vielleicht erklären SIe mir aber noch, welche unmittelbare Gefahr von einem im Schlamm steckenden Tanklastwagen ausging, dass man keine andere Möglichkeit hatte, als ein Inferno anzurichten.
Malt (27.11.2009, 08:39 Uhr)
Recht hat er!
Ich mein, seit wann sind Lügen oder absolute Unfähigkeit für einen Politiker schon grund genug für einen Rücktritt? ^^
Ist das nicht quasi erstes Einstellungskriterium wenn man jemanden für ein höheres Amt sucht? Ich bin dafür Jung zum Bundeskanzler zu machen!
kabelmann (27.11.2009, 07:59 Uhr)
mich irritiert...
....weshalb Jung hier ohne großes Aufsehen weitermachen kann. Ob dieser Angriff gerechtfertigt, oder nicht, fakt ist: Er ist bis heute umstritten und Jung als oberster Feldherr hat entweder seine Truppe nicht im Griff oder absichtlich der Öffentlichkeit vorenthalten.

Jeder Befürworter sollte sich so langsam mal dessen bewusst werden, dass das VOLKSvertreter sind. Wenn diese Herren schon der Meinung sind, dass ein Teil des Volkes in den Krieg ziehen soll, dann hat der Rest des Volkes jedes Recht auf Information. Der Verteidigungsminister a.D. hat demnach die verdammte Pflicht, über alles zu informieren und dieser ist er nicht nachgekommen. Und deshalb sollte er seinen Hut nehmen
rockyciano (27.11.2009, 05:39 Uhr)
@Heinerich
Sie sind anscheinennd vollkommen falsch informiert - unsere Soldaten befanden sich nicht in Gefahr noch hatten sie Berührung mit dem Feind.Das sind die Fakten und nicht wie Sie es gerne hätten.
rockyciano (27.11.2009, 05:31 Uhr)
@Tempelhofer
Das Bombardieren der Tanklastzüge war nicht zwingend und auch nicht zwangsläufig das richtige Mittel.
@eltalein
Keiner der Parteien hat einen "Krieg" ZUGESTIMMT - wir wollen mal schön bei der Wahrheit bleiben .
Heinerich (27.11.2009, 04:47 Uhr)
@SethusCalvisius
Frage an sie: Wahren sie schon einmal in dieser Gegend?
Wenn NEIN, dann bitte jede Art von Kommentar über dieses Thema beenden, denn dann haben sie außer schlauen Worten nichts vorzutragen.
Ich glaube das die Verantwortlichen sich schon genau überlegt haben wie sie die drohende Gefahr auf einfachste Art und Weise beseitigt werden kann. Daß sich angebliche "Zivilisten" unter die Diebe gemischt haben war mit Sicherheit nicht vorauszusehen. Aber wenn sie, wie es scheint, lieber das Leben unserer Soldaten aufs Spiel setzen wollen, dann fehlt es mir an Verständnis für sie.
allesklar (27.11.2009, 03:16 Uhr)
Ruecktritt??
Ne - warum denn? Alles uebertriebene Forderungen!
Es gab zeiten da wurden Hochzeiten bombardiert. Wenn 142 um Tanklastwagen herumlaufen - was haben die da zu suchen?
Einen richtigen trifft es immer!
SethusCalvisius (27.11.2009, 02:21 Uhr)
@Heinerich
Folgt man Ihrer Argumentation, wäre es sinnvoll, alle afghanischen Zivilisten umzubringen, da es sich ja um verkleidete Taliban handeln könnte.
Es geht hier auch gar nicht um die Frage, ob die Taliban die Tanklastzüge als Waffen benutzen wollten. Es geht darum, ob die Bombardierung die einzige Möglichkeit war, einen evtl Angriff zu verhindern. In keinem Bericht war die Rede davon, dass eine unmittelbare Gefahr bevorstand. Es ging lediglich um die theoretische Möglichkeit, dass die Taliban evtl einen Angriff planen könnten.
Selbst wenn die Taliban wirklich, wie Sie vermuten, die Zivilisten mit Absciht dahin gebracht hätten, wäre die Bombardierung ein Riesenfehler gewesen, denn dem Ziel, in Afghanistan den Frieden zu sichern, hat dieser Einsatz mit Sicherheit nicht gedient.
mackeldei (27.11.2009, 02:21 Uhr)
Jung
Jung wird zurücktreten müssen. Weniger , weil ihm irgendeine Schuld trifft. Aber die Medien hat er gegen sich . Und die haben zum großen Halali geblasen !
SethusCalvisius (27.11.2009, 02:10 Uhr)
@SPYFAN
Na, ich denke, da braucht man nicht allzu viel Fantasie zu.
Seit Jahren versuchen die Politiker gleich welcher Partei, den Afghanistan-Einsatz herunterzuspielen, da sie wissen, dass sie eigentlcih keinen Rückhalt in der Bevölkerung für einen Kriegseinsatz haben. Es ist natürlich klar, dass ein von Deutschen angefordertes Bombardement von Zivilisten ein gewaltiges Echo auslösen würde.
Dazu war das alles kurz vor der Bundestagswahl. Der Gedanke, dass nach diesen Vorfällen Wähler zur einzigen Partei wechseln könnten, die den Kriegseinsatz ablehnt, dürfte ein ausreichendes Motiv für eine mögliche Vertuschung sein.
Trotzdem rate ich, erst einmal abzuwarten, bis wir näheres wissen. Bisher haben wir ja nur Medienberichte und die sind ja erfahrungsgemäß eher auf Schlagzeilen als auf Information aus.
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