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Neuer Neonazi-Witz: "Wir treffen uns in Frankfurt, oder?"

Nachhilfeunterricht für braune Demonstranten - am Samstag lernten die Anhänger des Pegida-Ablegers "Widerstand Ost West", dass es Frankfurt im Großraum Deutschland zweimal gibt.

Von Andreas Hoidn-Borchers

Rechtsextreme und Hooligans des Pegida-Ablegers "Widerstand Ost West" ziehen durch die Innenstadt von Frankfurt am Main

Ein paar haben es dann doch verstanden: "Widerstand Ost West"-Anhänger ziehen begleitet von Polizeieinheiten durch die Innenstadt von Frankfurt am Main - leider ohne nass zu werden

Heute, liebe Freunde, nehmen wir uns mal den nachgeborenen Nazi vor, den nicht nur in diesem Fall, aber in diesem Fall ganz besonders versprengten und verwirrten Vertreter der überlegenen weißen Rasse. Aber keine Bange, es wird trotzdem ganz lustig, versprochen. Und man kann ja nicht immer die wirklichen Dramen des wahren Lebens ignorieren, die sich versteckt hinter den Kulissen des Weltgeschehens im vereinten Deutschland abspielen. Ja, doch, wir geben zu, es gibt viel Wichtigeres als eine Horde Hunnen, an diesem Tag zumal. Tsipras, Europa und den Grexit, zum Beispiel. Oder, wenigstens in Bayern weltbewegend: das Ende der Mauthelden. Die U21-Europameisterschaft, sanfter Trost in ansonsten trister fußballfreier Zeit. Und, vor allem: 35 Jahre Blues Brothers. (Wer den Film kennt, weiß, warum er uns genau in diesem Zusammenhang einfällt; wer ihn nicht kennt, hat es zwar nicht verdient, darf und kann aber trotzdem weiterlesen; Ende der Abschweifung.)

Das ganze unnütze jüdische Zeug

Denn, hey, auch wir sind im Auftrag des Herrn unterwegs, ausnahmsweise. Und der hat uns aufgetragen, uns mit einer ganz speziellen, ebenso ausnahmsweise mal erfreulichen Folge zu beschäftigen, die das vergeblichen Bemühen des deutschen Bildungswesens zeitigt, allen ihm Anvertrauten die Kulturtechniken des Lesens, Rechnens, Schreibens beizubringen - und da haben wir noch nicht von so absurden Dingen wie Denken gesprochen, mit Unterfunktionen wie: Überlegen, nachfragen, präzise Absprachen treffen. Das ganze unnütze jüdische Zeug halt.

Falls sich irgendjemand noch nicht hat abschrecken lassen und es in dieser turbofixen Zeit bis hierhin geschafft hat, den können wir an einer unserer kleinen Nebenfreuden des Lebens teilhaben lassen. Am Samstag nämlich wollte sich der Pegida-Ableger "Widerstand Ost West" zur großen Demo gegen den "islamischen und linksradikalen Faschismus" in Frankfurt treffen, was aber kein ganz soo glorreicher Erfolg wurde, weil nur 250 Anhänger - wir nennen sie jetzt mal: der landeskundige Teil der Bewegung - den Weg in die richtige Stadt gefunden hatte, während ein Teil des Restes Luftlinie 478 Kilometer irgendwie noch blöder als üblich in der Gegend rumstand.

"Fühlen uns verarscht und dumm."

Wir machen das sonst nicht, aber weil es so schön ist, zitieren wir jetzt mal aus einem Facebook-Eintrag eines Fehlgeleiteten: "Ihr hättet früher etwas besser drauf hinweisen können, dass frankfurt AM MAIN gemeint war!!! Hab mit paar Patrioten extra von Mannheim aus eine Anreise nach Frankfurt AN DER ODER organisiert und ich sag euch eins: wir waren da nicht die einzigen!!! unglaublich, fühlen uns verarscht und dumm."

Äh, ja, wer wollte da widersprechen. Mannheim - Frankfurt/MAIN sind übrigens 71 Kilometer Luftlinie voneinander entfernt, was den Spaß noch größer macht, für uns wenigstens. Aber so lernt der Patriot auch mal was kennen von der Welt. Und wir haben jetzt einen schönen Neonazi-Witz. Verabreden sich zwei Rechtsradikale: "Wir treffen uns in Frankfurt, oder?" Denn siehe, das schlichte rechte Gemüt verirrt sich nicht nur gerne in seinen Hirnwindungen (von Gedankengängen möcht´ man in diesem Zusammenhang nicht schreiben), sondern auch im eigenen Land, über das man auch sagen kann: Zum Glück selbst für den Neonazis ist es nicht so groß, wie er es gerne hätte; wer weiß, wo er sonst noch landen würde.

So kommt es halt, wenn man in Geografie, pardon im Erdkundeunterricht, nicht folgen konnte, weil man damit beschäftigt war, die Knoten aus den Schnüren der Springerstiefel zu fummeln (und beim zackigen Aufrichten mit dem Hinterkopf gegen die Schulbank zu knallen, was nur angeblich das Denkvermögen erhöht). Wir aber haben wieder was Unerwartetes gelernt: Die Bildungskatastrophe hat auch ihre erfreulichen Seiten. Und wenn wir uns nun noch was wünschen dürften dann das: Eine Brücke, ein paar Nazis und ein Bluesmobil. Und dann rhein mit ihnen. In die Oder, den Main und wohin immer sie sich verirrt haben. Yeah. Und morgen geht´s dann wieder mit dem Grexit weiter.


Andreas Hoidn-Borchers liebt eigentlich alle Szenen aus "Blues Brothers". Aber die baden gegangenen Nazis, die liebt er ganz besonders. Wie John Belushi sagt: "I hate Illinois-Nazis." Und alle anderen auch. Sie können ihm auf Twitter folgen: @ahborchers

 

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