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14. Februar 2009, 21:47 Uhr

Rechtsextreme finden Gefallen an Dresden

Es war der größte Neonazi-Aufmarsch Europas. Knapp 6000 Rechtsextreme demonstrierten am Wochenende in Dresden. Auch die Nazigegner machten mobil: Knapp 10.000 Menschen gingen auf die Straße. Dennoch konnten die Rechten ungehindert marschieren - ein gespenstisches Szenario. Von Tiemo Rink, Dresden

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Mehrere tausend Dresdener protestieren gegen Neonazi-Demonstrationen am Jahrestag der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg© Carsten Koall/Getty Images

Dresden ist eine seltsame Stadt. Gegenüber der berühmten Semperoper an der Elbe sitzt am Samstag gegen vier Uhr ein graubärtiger Mann und kurbelt an seiner Drehorgel. Es ist zwar bitterkalt, doch Wolldecke und ein dicker Mantel schützen ihn vor den eisigen Temperaturen. So blickt er gutgelaunt unter seiner Baskenmütze hervor - zumal das Geschäft läuft und jede Menge Münzen in seinem Hut landen. Zeitgleich schlagen 100 Meter weiter linke Demonstranten und Polizisten aufeinander ein. Und einen knappen Kilometer weiter marschieren fast 6000 Neonazis durch die Dresdener Innenstadt - eine der größten rechtsextremen Demonstrationen Europas.

Am Jahrestag der Zerstörung Dresdens im Zweiten Weltkrieg finden seit Jahren regelmäßig Gedenkveranstaltungen statt. Am 13. und 14. Februar 1945 wurde die Elbstadt bei einem britischen und amerikanischen Bombenangriff schwer beschädigt, weite Teile der Innenstadt zerstört, bis zu 25.000 Menschen kamen ums Leben. Doch der verheerende Angriff dient seit mehreren Jahren auch Rechtsextremisten als Anlass, in Dresden ihre kruden Theorien zu verbreiten. Dabei hantieren die Neonazis mit überhöhten Zahlen von angeblich mehreren hunderttausend Toten und jeder Menge Legenden. Der Angriff auf Dresden? Aus rechtsextremer Sicht schlicht und einfach ein "Bomben-Holocaust". Die Absicht der Rechten: Die Deutschen als die eigentlichen Opfer des Zweiten Weltkriegs umdeuten.

Gegen diese Geschichtsverfälschung rührt sich seit einiger Zeit Widerstand. So ruft das überparteiliche Bündnis "Geh Denken" an diesem Wochenende zum Gegenprotest auf. Dabei verfolgen die Organisatoren vor allem ein Ziel: Die Stadt darf nicht länger den Rechten überlassen werden. Nach Neonazidemonstrationen am Freitagabend und am Samstag tauchen jedoch Zweifel auf, ob dieses Ziel wirklich erreicht wurde.

Erschreckende Gleichgültigkeit

Samstagnachmittag, 15 Uhr. In der Innenstadt herrscht reges Treiben. An der Altmarktgalerie unweit der historischen und komplett restaurierten Altstadt staut sich plötzlich der Verkehr. Denn die Hauptstraße ist verstopft. Von Rechtsextremen. Vom biederen Reaktionär mit Mantel und Hut über braune Kleinfamilien mit Kindern bis zu schwarz gekleideten Schlägertypen laufen Vertreter aller rechtsextremen Strömungen gemeinsam durch Dresden. Und ihre Demonstration, an der sich auch prominente Kader wie NPD-Chef Udo Voigt und der sächsische Fraktionschef Holger Apfel beteiligen, führt mitten durch die Innenstadt. Nun stehen sie dort, in einzelnen voneinander getrennten Blöcken und legen provozierend lange Pausen ein. Ihre Botschaft scheint deutlich: "Wir gehen, wann wir wollen." Und jetzt wollen sie nicht.

In der Bevölkerung treffen die rechtsextremen Aufmärsche dabei durchaus auf Zustimmung. "Wenn das erlaubt ist geht das schon in Ordnung", sagt ein Mann um die Fünfzig mit Blick auf die Neonazis. Seine Begleiterin wird grundsätzlicher: "Ich finde das gut, dass die hier demonstrieren."

Eine Handvoll Gegendemonstranten hat es bis an die Demoroute der Rechten geschafft. "Nazis raus", rufen sie - kritisch beäugt von der Polizei. Nach einigen Sprechchören geben sie auf. Bis auf die aus einem Lautsprecherwagen quäkende Posaunenmusik ist es nun still. Erschreckend still. Bald löst sich der Stau auf, die Passanten schlendern auf ihrem Einkaufsbummel durch die Reihen der Neonazis. Als seien rechtsextreme Massendemonstrationen das Normalste der Welt.

Lesen Sie auf der zweiten Seite, was am Freitagabend auf einem rechtsextremen Fackelmarsch durch die Stadt passierte und warum die Neonazis den Polizisten dankbar sind.

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