Heftige Reaktionen auf Brüderle-Porträt

24. Januar 2013, 17:56 Uhr

Von "primitiv" bis "mutig", von Beschimpfungen bis Lob: Das Brüderle-Porträt im stern hat niemanden kalt gelassen. Eine kleine Zusammenstellung der Reaktionen.

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Der stern beschreibt in seiner aktuellen Ausgabe auf drei Seiten den neuen Spitzenkandidaten der FDP, Rainer Brüderle. Die Autorin Laura Himmelreich beschreibt dabei auch eine Situation, in der sich Brüderle vor einem Jahr bei einem Gespräch an einer Bar ihr unangemessen genähert hat. stern.de hat darüber berichtet. Seitdem tobt im Netz und in den Medien eine Diskussion über diesen Text.

stern.de dokumentiert im Folgenden Reaktionen im Web und in gedruckten Medien. Insofern keine Quelle angegeben ist, handelt es sich um Aussagen von Politikern gegenüber Agenturen. Die Zusammenstellung versucht, Kritik und Lob abzubilden, erhebt indes keinen Anspruch auf Vollständigkeit - allein die Tweets zum Thema würden Seiten füllen. Los geht's.

Sven Lehmann auf Twitter
"Die eigentliche Frage ist doch: Was hat Rösler dem #stern geboten für die Geschichte?"

Wiebke Hollersen auf Twitter
"Hat eigentlich schon jemand von der FDP gesagt, dass der #Brüderle so etwas natürlich nie tun würde? Ach, nein?"

Rainer Stinner, Bundestagsabgeordneter (FDP)
"Das ist so durchsichtig, und das ist so primitiv, dass ich sage, das fällt eher auf den Journalismus des stern zurück als auf Herrn Brüderle."

Außenminister Guido Westerwelle (FDP)
"Diese Art der Berichterstattung ein Jahr nach einem angeblichen Vorfall ist zutiefst unfair."

Silvana Koch-Mehrin, Europaabgeordnete (FDP)
"Die FDP ist das Schlusslicht, wenn es darum geht, Gleichberechtigung in der eigenen Partei zu leben. Hier müssen sich grundsätzliche Einstellungen verändern."
"Ich finde es gut, dass Frau Himmelreich den Mut hat, das Thema Anzüglichkeiten so offen zu benennen."
"Das Thema ist größer als die FDP und geht über diese hinaus."

Punkrock & Klartext auf Twitter
"Mir kommt die Kotze hoch wenn ich sehe, wie Männer rechts & links Herrn #Brüderle zu Hilfe eilen und die Geschichte als "unfair" bezeichnen."

Hannes Griepentrog auf Twitter
"Werden die hier, die bei jedem blöden Spruch eines angetrunkenen Mannes 'Sexismus' schreien, eigentlich noch zu Familienfeiern eingeladen?"

Anja Maier in der "taz"
"Die Häme, die nun über die Journalistin Himmelreich hereinbricht, die Abwertung und die Pöbeleien – dies alles sind sichere Anzeichen dafür, dass sie genau das Richtige getan hat: die trübe Seite des Gegengeschäfts zwischen Politik und Medien öffentlich zu machen."

Tobias Kaufmann im "Kölner Stadtanzeiger"
"Aber sie übertritt einen ungeschriebenen Kodex im Politik- und Medienbetrieb. Man macht Dinge, die in persönlichen Gesprächen, an Bars oder in Hotellobbys, nicht zum Gegenstand von Berichterstattung. Denn sie gelten als privat – und auch Politiker haben ein Recht darauf, dass zwischen ihrem öffentlichen und ihrem privaten Dasein eine Grenze gezogen wird."

Ein stern.de-User auf Facebook
Ein Tabubruch? Vielleicht. Aber ein absolut notwendiger. Journalistinnen sind kein Freiwild für Männer, auch wenn diese über Macht und Einfluss verfügen. Eine moderne Gesellschaft muss verlangen können, dass - gerade im Verhältnis zwischen Politik und Presse - der Respekt vor der Integrität der Person geachtet wird.

Thorsten Jungholt auf Twitter
"Also, ich glaube ja, der #Brüderle hat in den 70ern zuviel #Stern gelesen."

Kersten_Artus auf Twitter
"Freche Portraitierung Brüderles im neuen #Stern. So wünsche ich mir Journalismus. #herrenwitz_?_der_herr_ist_ein_witz_!"

Ein stern.de-User auf Facebook
"Es ist journalistisch nicht nur hochgradig unseriös, sondern schlicht einer Zeitschrift, wie die des sterns, unwürdig, solch einen Mist abzudrucken. Ihre Frau Himmelreich gehört eigentlich auf der Stelle entlassen [...]."

Katja Tichomirowa in der Berliner Zeitung
"Es geht darum, den eben ernannten Spitzenkandidaten der FDP zu desavouieren. Das wäre an sich nicht ärgerlich, würde es nicht ein weiteres Mal auf Kosten der Frau geschehen, deren Herabwürdigung der Artikel so wortreich beklagt."

Bloggerin Yasmina Banaszczuk
"Das ist Deutschland in 2013: eine Geschichte, die fast jede Frau persönlich schon erleben musste, in unterschiedlicher Ausprägung, wird klein geredet, als Kampagne verteufelt, unglaubwürdig gebrandmarkt und als Angriff statt Tatsachenbericht verkauft. Sexismus als Alltag."

Margot Hirte auf Twitter
"Hätte Brüderle die Dame nicht beachtet, wäre sie empört gewesen und über die Arroganz der Politiker geschrieben."

Phoenicia auf Twitter
"Ich bin gespalten. Ich hätte die #Brüderle - Geschichte nicht veröffentlicht. Aber ich war ja auch nicht in Bars, um Interviews zu führen."

Tobias Huch auf Twitter
"Vorwürfe? Welches Verhalten von Brüderle? Die Logik sagt, dass die Story vom Stern reine Phantasie ist."

Pascal auf Twitter
""++++Breaking News ++++ #Brüderle wird nächster #Bachelor – Statt Rosen gibt es Tanzkarten – Man rechnet mit Einschaltquote von 3% ++++."

Mathieu von Rohr auf Twitter
"Warum wundert mich das nicht? Politiker verurteilen bösen Journalismus, Dirndlsprüche von #Brüderle finden alle okay."

Ursula Kosser in der "taz"
"Heute trauen sich junge Journalistinnen an die Öffentlichkeit. Sie können sich trauen, weil das Verhalten der Brüderles dieser Welt anders beurteilt und sogar – in schlimmen Fällen – vor Gericht verurteilt wird. Auch dem letzten Macht-Macho wird so früher oder später beigebracht, die Grenzen zwischen flirtendem Miteinander und machtgesteuerter Besitzgier zu erkennen."

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