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Mit der Kehrmaschine gegen rechts

Die Stadt Neu-Ulm wollte nicht, dass die NPD aufmarschiert und ließ tonnenschwere Nutzfahrzeuge auffahren - gegen die hatten die Rechten keine Chance. Ein Oberbürgermeister narrt die NPD.

Von Steffi Hentschke

  Braucht viel Platz und hält die Umwelt sauber: Mit einer Kehrmaschine wie dieser hat sich Neu-Ulm gegen eine NPD-Kundgebung gewehrt

Braucht viel Platz und hält die Umwelt sauber: Mit einer Kehrmaschine wie dieser hat sich Neu-Ulm gegen eine NPD-Kundgebung gewehrt

Neu-Ulm ist ein beschauliches Städtchen im bayerischen Teil von Schwaben. Das, dachte sich die NPD, muss doch ein guter Ort sein für einen Wahlkampf-Auftritt. Aber die Rechtsextremisten hatten ihre Rechnung ohne die Stadt und deren Oberbürgermeister gemacht: Um die Kundgebung zu verhindern, beraumte Gerold Noerenberg (CSU) kurzerhand eine "Leistungsschau des Baubetriebs" an - und ließ tonnenschwere Nutzfahrzeuge auf den Rathausplatz karren. Genau dort hatte eigentlich die NPD demonstrieren wollen.

"Wir haben erst kürzlich neue Nutzfahrzeuge angeschafft", sagt Noerenburg in feinstem Schwäbisch zu stern.de. "Die wollten wir den Bürgern vorstellen, schließlich haben wir dafür ihre Steuergelder ausgeben." Dass dies ausgerechnet an dem Tag sein muss, an dem die Rechten kommen wollten, sei reiner Zufall, betont Noerenberg scheinbar naiv. Außerdem hätte es für die 18 angereisten NPD-Anhänger ja auch etwas zu sehen gegeben: vier massive und knallig orangefarbene Bauhofmaschinen - zwei Schneepflüge, ein Kanalspülfahrzeug und eine Kehrmaschine.

"Nazis verpisst euch, keiner vermisst euch!"

Das ungewöhnliche Beispiel für Zivilcourage stieß bei den Bürgern auf breite Unterstützung - und auch bei Twitter wurde der Aktion Respekt gezollt: "Hätte nicht gedacht, dass es so coole CSUler gibt", heißt es da unter anderem. Weniger euphorisch dürften die anwesenden Polizeibeamten reagiert haben: Während der Protestveranstaltung entschied das Verwaltungsgericht Augsburg in einem Eilverfahren, dass die NPD durchaus das Recht zu demonstrieren hätte und der Rathausplatz deshalb geräumt werden müsse. Was dann passierte, lässt mit dem Zeitschinden bei Fußballspielen vergleichen - anstatt den Anweisungen der Polizei unmittelbar zu folgen, ließ sich die Stadt ausgiebig Zeit, um Schneepflüge, Kehrmaschine und die anderen Kolosse wegzufahren.

Und tatsächlich: Bis 20 Uhr war die Demonstration angemeldet, aber erst eine halbe Stunde vorher war der Zugang zum Rathausplatz für die NPD frei. Da lohne es sich nicht, die Kundgebung vor den angekündigten Gegendemonstranten zu sichern, entschied die Polizei. Die angereisten Rechten mussten unverrichteter Dinge wieder abziehen. Für den Neu-Ulmer Oberbürgermeister ein echter Erfolg: "Die demokratischen Parteien der Stadt wollen hier keine Nazis", sagt Noerenberg und weiß das auch plakativ zu formulieren: "Nazis verpisst euch, keiner vermisst euch!"

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