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Soldat hält Pistole an Totenschädel

Der Skandal um die Totenschändungen weitet sich aus. Der Bild-Zeitung liegen neue Fotos vor, die zeigen, wie ein Soldat eine Hinrichtungsszene mit einem Totenschädel inszeniert. Auf einem anderen Foto trägt ein Schädel ein Bundeswehr-Barret.

Der Bild-Zeitung (Samstag) liegen nach eigenen Angaben "dutzende neuer Bilder" vor, die deutsche ISAF-Soldaten beim makaberen Umgang mit Leichenteilen zeigen. Auf den neuen Fotos sei unter anderem zu sehen, wie ein Soldat mit der Pistole auf einen Totenschädel zielt. Unter dem Schädel befindet sich ein Skelett, das aus verschiedenen menschlichen Knochen zusammengesetzt ist. Auf einem anderen Foto wurde einem Totenschädel ein Bundeswehr-Barett aufgesetzt.

Auf einer weiteren Fotografie ist der Schriftzug "CSR-Team" aus Menschenknochen zu sehen, der mit mehreren Totenschädeln drapiert wurde. "CSR" ist laut "Bild" die miltärische Abkürzung für Patrouillen(englisch: campside reconnaissance, Deutsch: Gelände-Aufklärung rund um das deutsche Camp).

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hat unterdessen zwei Totenschänder vom Dienst suspendiert. Die beiden Soldaten gehörten zu der sechsköpfigen Gruppe, die im Jahr 2003 mit einem Totenschädel in Afghanistan gespielt haben soll. Im zweiten Fall, der durch neue Bilder belegt wurde, seien in der Zwischenzeit drei Tatverdächtige ermittelt worden.

Die Totenschändungen waren unter Soldaten offenbar populär: Die "Leipziger Volkszeitung" berichtet, Soldaten der Schutztruppe ISAF hätten das Knochenfeld mehrfach für pietätlose Spiele genutzt. Bei den Foto-Aktionen habe es sich "um eine Art Insider-Tipp unter einigen Soldaten" gehandelt. Wer dabei nicht mitgemacht habe, habe als "Weichei" gegolten.

"Knochenfeld war kein Friedhof"

Die Aktionen der deutschen Soldaten sollen niedrigen Dienstgraden der Truppe bekannt gewesen sein. Ein Zeuge der Vorfälle, der anonym bleiben wollte, sagte der "Bild"-Zeitung, das Geschehen habe "die Runde gemacht". "Die fanden das teilweise lustig", fügte er hinzu.

Der 2003 von den Soldaten geschändete Schädel stamme nicht von einem Friedhof. Vielmehr müsse man sich das Gelände vorstellen wie eine große Kiesgrube. Dort hätten Einheimische Lehm für Ziegel abgegraben. "Es war kein Friedhof, keine Kultstätte", sagte der Zeuge. Vermutlich seien dort während Kriegszeiten "Unmengen an Leichen abgelagert" worden. Nach seiner Schilderung gab der Patrouillenführer den Befehl zum Anhalten. Zwar habe es keinen Gruppenzwang zum Schänden der Gebeine gegeben. Wer aber nicht mitgemacht habe, habe als "Weichei" gegolten, sagte der Zeuge.

Die von der "Bild"-Zeitung veröffentlichten Bilder von Bundeswehrsoldaten, die in Afghanistan in teils obszönen Gesten mit einem Totenschädel posieren, hatten quer durch die Parteien Empörung ausgelöst. Verteidigungsminister Franz Josef Jung hatte Konsequenzen für die betroffenen Soldaten angekündigt.

"Knochenfeld war keine Kultstätte"

Der Sender RTL hatte zudem ein Bild von einem Bundeswehrsoldaten gezeigt, der mit einem Schädel auf seiner Schulter posiert. Auf einem anderem Foto hält ein Bundeswehrsoldat einen Schädel in der Art einer Kühlerfigur auf eine Motorhaube. Der Sender berichtete, die Bilder seien vom März 2004 datiert. Zu sehen seien Panzergrenadiere. Auf den gezeigten Bildern waren die Gesichter der Soldaten unkenntlich gemacht worden. Die bislang bekannt gewordenen Bilder sollen aus dem Frühjahr 2003 stammen.

Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Wolfgang Schneiderhan, erklärte nach RTL-Angaben, bei den Bildern handele es sich um einen weiteren Einzelfall. Im ausgestrahlten Interview erklärte er: "Es ist nicht zu fassen, dass es solche Menschen gibt und es ist außerordentlich entsetzlich, dass es solche Menschen in unseren Reihen gibt." Diese Menschen würden gegen Moral und Anstand verstoßen und die untadelige Arbeit anderer gefährden. Auch Vorgesetzte würden sich zu verantworten haben, falls sie dieses Verhalten toleriert hätten.

Die neuen Bilder von mutmaßlich geschändeten Leichenteilen in Afghanistan sind wahrscheinlich echt. Davon müsse man nach dem derzeitigen Ermittlungsstand ausgehen, sagte der Wehrbeauftragte des Bundestages, Reinhold Robbe, in den ARD-"Tagesthemen". Die Vorfälle müssten jetzt aufgeklärt werden. Der Wehrbeauftragte sagte, dass es sich angesichts von insgesamt 200.000 bereits im Ausland eingesetzten Bundeswehrsoldaten immer noch um Einzelfälle handele.

Reuters/AP/DPA/AP/DPA/Reuters
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