Wer ist Katharina Nocun?

13. Mai 2013, 19:31 Uhr

Wenige hatten sie auf dem Zettel, nun ist sie Politische Geschäftsführerin bei den Piraten: Katharina Nocun, 26, Studentin. 10 Dinge, die Sie über die Blitzaufsteigerin wissen müssen. Von Daniel Regnery

Harter Start in Deutschland

Katharina Nocun, 1986 in Polen geboren, zog mit ihren Eltern nach Deutschland. Keine einfache Situation, wie sie auf der Homepage der niedersächsischen Piraten schildert: "Wir sind nach Deutschland ausgewandert, als ich drei Jahre alt war und haben die ersten Jahre in einem Asylbewerberheim gelebt. Wir Kinder hatten eine Plastikbadewanne und die Kinder aus der Straße durften nicht mit uns spielen."

Im Internet zuhause

Der Vater fand Arbeit als IT-Projektmanager, die Mutter als Datenbankadministratorin. Dadurch habe sie immer Zugang zu Computern und dem Internet gehabt, sagt Nocun auf ihrer Homepage. Sie machte eine politische Mission daraus - und begann, sich im Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung und anderen Gruppen für digitale Menschenrechte und Datenschutz zu engagieren. Dazu twittert sie und betreibt ein eigenes Blog.

Blitzaufstieg bei den Piraten

Nocun ist erst seit März 2012 Mitglied bei den Piraten. Das sei überhaupt die erste Organisation, bei der sie jemals einen Mitgliedausweis beantragt habe, sagt sie. Bei der Landtagswahl 2013 in Niedersachsen wurde sie bereits als Spitzenkandidatin präsentiert, obwohl sie nur auf Platz zwei der Liste stand. Am Freitag wurde sie mit 81,7 Prozent zur Politischen Geschäftsführerin der Bundespartei gewählt.

Studentin, Journalistin, Beraterin

Neben ihrem politischen Engagement schreibt Nocun an ihrer Masterarbeit über Datenschutzverbände auf EU-Ebene. Eigentlich wollte sie einmal Geophysik studieren, entschied sich aber für "Politik und Wirtschaft" in Münster, später "Politics, Economics and Philosophy" in Hamburg. Bis Dezember 2012 arbeitete sie als Referentin für digitale Verbraucherrechte bei der Verbraucherzentrale. Als freie Journalistin schreibt sie vorwiegend über Datenschutzthemen für das Onlinemagazin "netzwelt.de".

Kernthema Datenschutz und Bürgerrechte

Die Kernthemen Nocuns sind der Datenschutz sowie Verbraucher- und Bürgerrechte. So engagiert sie sich beispielsweise seit 2007 im Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung, einer bedeutenden Gruppe in der Netzpolitikszene. Seit 2011 ist sie außerdem Presseansprechpartnerin für den Arbeitskreis Zensus, der Teil der AK Vorratsdatenspeicherung ist.

Nicht die neue Marina Weisband

Bereits im Dezember 2012 wurde Nocun mit Marina Weisband verglichen. Allerdings will die Studentin keine Kopie ihrer einstigen Vorgängerin sein. "Man sollte einer Person unvoreingenommen begegnen und sich fragen: Was macht sie anders?", sagte sie "Welt Online". Beide seien zwar aus Osteuropa, jung und hätten in Münster studiert, insgesamt aber "sind wir schon sehr unterschiedlich", meint sie.

Leben auf dem Bauernhof

Trotz Affinität zu moderner Technik lebt Katharina Nocun nicht in einer Großstadt, sondern im rund 9000 Einwohner zählenden Ort Dissen im Teutoburger Wald. Zusammen mit ihrem Freund und dessen Eltern wohnt sie auf einem Bauernhof.

Bis nach Karlsruhe oder Brüssel

Wenn es um ihre Überzeugungen geht, scheut Nocun nicht den Weg bis in die höchsten Distanzen. Erst dieses Jahr beschwerte sie sich bei der EU-Kommission über die Stellung des Datenschutzbeauftragten in Deutschland. Auch will sie vor dem Bundesverfassungsgericht gegen das Gesetz zur Bestandsdatenauskunft Beschwerde einlegen.

Entschleunigte Geschäftsführerin

Nocun möchte nicht ihr ganzes Leben für ihr neues Amt opfern und legt Wert auf einen Ausgleich zur Politik. Auf dem Bundesparteitag 2013 sagte sie: "Eine meiner Stärken ist es, dass ich mir auch mal eine Auszeit nehme und das Handy ausmache. Das werde ich auch nicht ändern. Es ist ganz wichtig, dass man eine gewisse Distanz hat zu den Dingen, weil man sonst Gefahr läuft zu verbrennen."

Klare Worte, unklare Position

Katharina Nocun ist um klare Worte nicht verlegen, forderte ihre Parteifreunde gar auf "sich den Arsch aufzureißen". Doch zu innerparteilichen Streitthemen kann sie auch vor einer klaren Stellungnahme ausweichen. Bisher hat sie beispielsweise die "Ständige Mitgliederversammlung" trotz mehrfacher Nachfragen weder klar befürwortet noch abgelehnt.

Zum Thema