Der Maskentanz der Rassisten

3. November 2012, 11:48 Uhr

Neonazis tragen Glatze und Springerstiefeln? Manchmal. Im Netz hat sich die islamfeindliche, rechte "Identitäre Bewegung Deutschland" formiert, die als Spaßguerilla auftritt. Wer steckt dahinter? Von Elias Schneider

Ein neu angelegter Park an der Stelle, wo vor einem Jahr das Haus, in dem die drei Neonazis wohnten, in die Luft flog. mehr...

Am 4. November 2011 gegen 15 Uhr erschüttert ein lauter Knall die Einfamilienhaussiedlung im Stadtteil Weißenborn. In dem Doppelhaus wohnten die mutmaßlichen Neonazi-Terroristen Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos. Von hier aus planten sie offenbar ihre Mordserie an neun deutsch-türkischen Kleinunternehmern und einer deutschen Polizistin. Bis heute tut sich die Stadt damit schwer, mit diesem jüngsten Teil ihre Stadtgeschichte umzugehen.

O-Ton: André Löscher, Opferberatung Chemnitz

"Man hat Angst um das Image und ich glaube auch, die Aktivitäten der Städte, sich zu diesem Thema zu positionieren, gehen oft in diese Richtung: Ja, NSU war hier, aber wir sind doch jetzt nichts so der Auslöser dafür." Der falsche Weg dem Vertreter der Opferberatung Chemnitz zufolge. Die Oberbürgermeisterin in Zwickau mahnte mehr als ein Mal, die Stadt werde mit dem Problem allein gelassen. Die Bürger bewältigen das Thema NSU auf sehr unterschiedliche Art und Weise. VoxPops 1. Jüngere Frau: "Mich macht es betroffen, dass die Stadt meistens mit Negativschlagzeilen in den Medien ist."

2. Jüngere Frau: "Man will nicht mehr drüber nachdenken, aber man spricht auch gar nicht mehr darüber."

3. Ältere Frau: "Tagtäglich, tagtäglich, weil mich das sehr beunruhigt. Nazis sind im Kommen. Ich denke auch, dass das Problem nicht gelöst ist."

4. Junger Mann: "Das Problem ist eigentlich, dass es überhaupt mit Zwickau verwachsen ist. Ich weiß jetzt nicht, was die Stadt dafür kann, so richtig. Es ist halt einfach so aufgegriffen worden von den Medien."

5. Ältere Frau: "Junger Mann, hören Sie auf! Man kann es nicht mehr hören. Fragen Sie mal andere Leute, was deren Meinung ist!" Das Problem könne nicht einfach totgeschwiegen werden, sagt der Vertreter der Opferberatung Chemnitz. Ganz so einfach sei es mit der rechten Gewalt in Mitteldeutschland nicht. O-Ton: André Löscher, Opferberatung Chemnitz

"Wir haben nach wie vor die gleichen Angriffssituationen, wie wir sie vor einem, vor zwei Jahren hatten. Das heißt: Nazis greifen geplant oder nicht geplant Personen an, die nicht in ihr Weltbild passen. Daran hat sich nichts geändert." Der Stadt Zwickau und ihren Bürger wird die Auseinandersetzung mit den mutmaßlichen rechtsextremistischen Terroristen erhalten bleiben, auch wenn an ihrem einstigen Wohnort nichts mehr an sie und ihre Taten erinnert. Schließen