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Die Outsiderin

Überraschung, Überraschung: Die weitgehend unbekannte Gewerkschaftsfunktionärin Yasmin Fahimi soll SPD-Generalsekretärin werden. Wer ist die Frau? Und: Kann sie das?

Von Johannes Dudziak

Als Sigmar Gabriel am Dienstagabend in einer Telefonkonferenz dem SPD-Parteivorstand Yasmin Fahimi als neue Generalsekretärin vorschlug, soll es - erstaunlicherweise - keine Einwände gegeben haben. Eigentlich sollte Gabriels Wunschkandidat, der schleswig-holsteinische SPD-Landesvorsitzende Ralf Stegner, den Posten bekommen. Doch Stegner hat das Pech, ein Mann zu sein. Weil Parteivorstand und Fraktion von Männern dominiert sind, musste eine Frau her. Dringend.

Also Fahimi. Frau, klug, attraktiv. Ihr Name verrät: Die SPD wird bunter, sie bewegt sich, zumindest was den Mix angeht, in Richtung deutsche Nationalmannschaft. Der Vater aus dem Iran, die Mutter Deutsch, geboren und aufgewachsen ist Fahimi in Hannover. Dort lebt die 46-jährige mit ihrem Gefährten, dem Vorsitzenden der Industriegewerkgewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE ) Michael Vassiliadis. Das Paar hat keine Kinder.

Politische Optionen für 2017

Sie leitet bei der IG BCE (noch) das Ressort "Politische Planung". Unter Kollegen gilt sie als direkt und offen. Eine, die nicht rumfaselt, sondern die Dinge nüchtern analysiert, Ziele formuliert und diese geradlinig verfolgt. Was auch für ihren neuen Job nicht hinderlich sein wird.

Fahimi soll mit ihrer Organisationserfahrung aus der Gewerkschaft die Weiterentwicklung der Partei vorantreiben. Und sie soll, so heißt es ihrem Umfeld, die politischen Optionen für die Bundestagswahl 2017 vorbereiten, auch ein mögliches Bündnis mit den Linken. Die große Koalition ist keine Liebesheirat der Sozialdemokraten.

Wie Bundeskanzlerin Angela Merkel ist Fahimi Naturwissenschaftlerin, sie studierte Chemie mit Abschluss Diplom. Was sie fachpolitisch mit Gabriel verbindet, ist das Augenmerk auf die Energiewende: Im "Innovationsforum Energiewende" der IG BCE ist Fahimi Vorstandsmitglied. Mit Andrea Nahles, der alten SPD-Generalsekretärin und neuen Bundesarbeitsministerin, ist sie befreundet.

Vernetzt in alle Zirkel

Gemeinsam mit Nahles, Steffi Lemke (Grüne), Michael Guggemos (IG Metall) steht Fahimi dem Think Net "Denkwerk Demokratie" vor, das sich mit einer zusammenhängenden Erzählung sozialdemokratischer und sozialökologischer Ideen beschäftigt. Im nächsten Monat erscheint ein Buch mit dem Titel "Sprache. Macht. Denken.", herausgegeben von Fahimi und den drei anderen Vorstandsmitgliedern des Denkwerks. Im Buch geht es darum, wie man politische Begriffe und Diskurse strategisch effektiv besetzt.

Parteipolitisch ist Fahimi eher der kompromissbereiten Regierungslinke wie Andrea Nahles oder dem Denkwerk-Geschäftsführer Benjamin Mikfeld zuzuordnen. Sie scheint sich aber durchaus auch mit dem konservativeren Hannoveraner Kreis um Politiker wie Frank-Walter Steinmeier, Stefan Weil und Thomas Oppermann, sowie dem klassischen Zentrum, dem Politiker wie Olaf Scholz und Hannelore Kraft angehören, zu verstehen.

Problemzone Willy-Brandt-Haus

Leichter wird ihre neue Rolle als Generalsekretärin deshalb nicht. Fahimi wird nicht nur mit der traditionellen Parteiarbeit, der Rolle als Verbindungsglied zwischen Vorstand und Parteibasis oder dem bevorstehenden Europawahlkampf, sondern auch mit der Koordination der Fraktion in Zeiten der Großen Koalition alle Hände voll zu tun haben. Über 13 Jahre lang als IG BCE Gewerkschafterin tätig, ist Fahimi Partei-Outsider im Bund, auch wenn sie mit siebzehn Jahren in die SPD eingetreten ist und durch ihre Juso-Zeit in Hannover viele Funktionäre lange kennt.

Der dickste Brocken wird für sie sein, das teilweise sektiererische Willy-Brandt-Haus, die SPD-Bundesparteizentrale, in den Griff zu bekommen. Damit haben sich vor ihr schon die Insider schwer getan.

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