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Wulff und das "Schnulligate"

Vorteilsnahme womöglich auch als Präsident und Sponsorensuche als Regierungschef: Die Wulff-Affäre spitzt sich zu, enthüllt der stern. Mittendrin: Ex-Sprecher "Generalfeldschnulli" Glaeseker.

Von Hans-Martin Tillack

  Keine Antwort auf die stern-Vorwürfe: Christian Wulff (l.) und sein damaliger Pressesprecher Olaf Glaeseker, hier im Jahr 2008 im niedersächsischen Landtag

Keine Antwort auf die stern-Vorwürfe: Christian Wulff (l.) und sein damaliger Pressesprecher Olaf Glaeseker, hier im Jahr 2008 im niedersächsischen Landtag

Christian Wulff gerät nun auch in den Verdacht der illegalen Vorteilsannahme im Amt in seiner Zeit als Bundespräsident. Wie der stern berichtet, bat der CDU-Politiker den Eventmanager Manfred Schmidt, über 80 Gäste zu einer Feier einzuladen, die Schmidt am 30. Juni 2010 und damit am Abend nach Wulffs Wahl zum Präsidenten ausrichten ließ. Die Kosten der Veranstaltung trug Schmidt. Wulff nahm in der Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli 2010 selbst an ihr teil.

Acht Tage vor dem Fest in Schmidts Berliner Luxus-Penthouse "Residenz" nahe dem Brandenburger Tor ließen Schmidt-Mitarbeiter nicht nur den Einladungstext mit dem damaligen Wulff-Sprecher Olaf Glaeseker abstimmen; sie erhielten auch eine Einladungsliste von Wulffs persönlichem Büroleiter in der niedersächsischen Staatskanzlei, die nach dessen Worten mit dem damaligen Ministerpräsidenten abgestimmt war. Unter Wulffs Wunschgästen waren seine Tochter Annalena, sein Unternehmerfreund Egon Geerkens, der heutige FDP-Chef Philipp Rösler, Wulffs CDU-Parteifreundin Martina Krogmann und deren Mann Alfred Draxler von der "Bild"-Zeitung.

"Hier liegt ein Verdacht der Vorteilsnahme vor"

"Wenn Wulff bestimmen kann, wer eingeladen wird, ist das natürlich ein Vorteil", sagte der Staatsrechtler Hans Herbert von Arnim dem stern. "Hier liegt ein Verdacht der Vorteilsnahme vor, der die Staatsanwaltschaft veranlassen müsste, gegen Wulff zu ermitteln."

Für die Teilnahme an der Feier ließ Manfred Schmidt wiederum zumindest einen von ihm selbst eingeladenen Gast bezahlen. Er berechnete dem Hauptgeschäftsführer des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) in Berlin, Hans Joachim Reck, insgesamt 3000 Euro. Überdies lud Schmidt Vertreter von Firmen zu der Feier, die er damals wiederholt als Sponsoren für andere Veranstaltungen nutzte, darunter Vertriebschefs der Autokonzerne BMW und Daimler und den damaligen Vorstandsvorsitzenden des Pharmaunternehmens Celesio.

Mails belegen Beteiligung an Sponsorensuche

Nach dem stern vorliegenden Unterlagen war Christian Wulff überdies als Ministerpräsident ab 2007 deutlich enger in die Suche nach Sponsoren für die von Manfred Schmidt veranstalteten "Nord-Süd-Dialoge" eingebunden als bisher bekannt. So bat er offensichtlich persönlich im Jahr 2007 den damaligen Bahn-Chef Hartmut Mehdorn um Unterstützung für die Promiparty, die damals in Hannover stattfand. Das geht aus einer Mail des damaligen Mehdorn-Beraters Dieter Hünerkoch hervor, die dem stern vorliegt. Die Deutsche Bahn zahlte, wie sie dem stern bestätigte, 2007 und 2008 je 50.000 Euro für den Nord-Süd-Dialog.

Besonders intensiv warb der frühere Wulff-Sprecher Olaf Glaeseker in seiner Funktion als Staatssekretär um Sponsoren für Schmidt. Das belegen interne Mails, die dem stern vorliegen und deren Authentizität von den beteiligten Firmen bestätigt wurde. So ging er mit Erfolg die Firmen Deutsche Messe sowie Evonik um finanzielle Unterstützung für den Nord-Süd-Dialog an. Am 17. September 2009 schrieb Glaeseker dem Vorstandschef der Deutschen Messe AG, Wolfram von Fritsch: "Wir würden uns auch im Namen von Ministerpräsident Christian Wulff freuen, wenn wir auch in diesem Jahr die Deutsche Messe wieder als Sponsor für die Veranstaltung gewinnen könnten." Von Fritsch bestätigte dem stern den Eingang der Mail. Seine Firma, die in Hannover residiert, steuerte 25.000 Euro bei, so wie schon im Jahr zuvor.

Glaeseker nennt Schmidt "Schnulli"

Glaeseker ließ sich bei solchen Aktivitäten von Schmidt antreiben und belobigen, wie Mailwechsel, die dem stern vorliegen, belegen. Glaeseker, der mit Schmidt offensichtlich eng befreundet ist, bezeichnete ihn in Mails als seinen "Schnulli", als "Oberschnulli" und sich selbst als dessen "Generalfeldschnulli". Der langjährige Wulff-Vertraute urlaubte mit seiner Frau Vera wiederholt kostenlos auf Anwesen des Unternehmers in Südfrankreich und Nordspanien. Wulff, Glaeseker, Schmidt sowie die niedersächsische Staatskanzlei ließen Fragen des stern zu diesen Vorwürfen unbeantwortet.

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