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Mit heißem Herzen zu den Haien

Premiere für Steffen Seibert: Der frühere ZDF-Mann absolviert seine erste Bundespressekonferenz als Regierungssprecher. "Echt nervös", "mit heißem Herzen" und reichlich beladen stellt er sich den Kollegen. Von denen gibt es Geschenke - noch.

Von Dirk Benninghoff

Heimeliger kann er kaum sein, der Empfang für Steffen Seibert. Werner Gößling, bis vor Kurzem noch Kollege, weil ZDF-Mann in Berlin, gestaltet das Warm-up für die Premiere seines ehemaligen Anchorman in neuer Rolle. Gößling ist quasi nebenberuflich Vorsitzender der Bundespressekonferenz, und die ist von heute Punkt 11.30 Uhr an vor allem die Bühne des smarten Ex-Kollegen. Gößling hat dem neuen Regierungssprecher nicht nur warme Worte, sondern auch ein Buch mitgebracht, in dem es um den Betrieb geht, der gerne "politisches Berlin" genannt wird. Seibert hat zuletzt zwar jede Menge solcher Bücher bekommen, damit er sich in diesem angeblichen "Haifischbecken" besser zurechtfindet. Schließlich kommt er aus Mainz. Er klagt auch, man hätte ihm diese Bücher doch besser vor vier, fünf Monaten schenken sollen, als er noch Zeit zum Lesen hatte. Aber das Werk aus den Händen des Ex-Kollegen will sich der neue Regierungssprecher dann doch vornehmen, verspricht er.

Selbst einen wie Seibert, der nicht nur Nachrichtensendungen, sondern auch Shows moderiert hat, lässt der erste Aufritt auf der Berliner Bühne nicht kalt. "Ich bin echt nervös", gesteht er. Diese Pressekonferenz, mit dem die Bundesregierung ihre Sommerpause beendet, sei für ihn "wie Abi, Führerscheinprüfung und viele andere Dinge zusammen".

Dreieinhalb Kilo sind zu viel

Wie zur Bestätigung muss der Ex-Anchor später länger in seinen Akten stöbern, weil er ein paar Details zur aufregenden "Energiereise" der Bundeskanzlerin nicht parat hat. Er müsse noch lernen, "ohne dreieinhalb Kilogramm Papier hierherzukommen", hat Seibert schon vorher gescherzt. Beim Wühlen gibt's denn auch dezente Lacher im Publikum.

Der TV-Smartie versucht bei den Berliner Kollegen mit Demut zu punkten. Wenn er so gut sei wie Vorgänger Ulrich Wilhelm, sei schon viel gewonnen, gibt sich Seibert bescheiden. Und er verkündet, dass der neue Job eine Herzensangelegenheit sei. Er habe der Kanzlerin nach deren Anfrage "mit heißem Herzen zugesagt".

Heikel wird es für Seibert, als die Kollegen fragen dürfen. Die erste Frage im neuen Amt gilt der Regierungspolitik. Ob er die denn immer verstanden habe, wird der neue Merkel-Erklärer gefragt. Seibert weicht aus, meint die einfach formulierte Frage nicht richtig verstanden zu haben, redet dann über seine vorherige Tätigkeit.

Dankbare Auftaktthemen

Da liegen ihm die ersten beiden Themen seiner Amtszeit schon besser. Bei Pakistan kann er nicht viel falsch machen. Es reichen Mitgefühl, Betroffenheit und die Feststellung: "Deutschland ist gefragt." Die sogenannte Energiereise ist eine PR-Nummer der Kanzlerin, die auf einer Tour durch die Republik mehr über Erneuerbare Energien lernen will. Denn die Atomkraft, so das erste politische Statement des neuen Sprechers, sei natürlich nur höchstens ein Teil des Energiemixes. "Sie haben das sicher schon etwa 46 Mal gehört" sagt Seibert, was man durchaus als ironische Spitze Richtung eigenes Lager auffassen kann, "aber die Kernkraft ist als Brücke unverzichtbar."

So locker und entspannt wird's für Seibert wohl erstmal nicht mehr, was ihm Friedhelm Ost via Phoenix denn auch gleich aufs Brot schmiert. Die Bundespressekonferenz sei schließlich "keine vergnügungssteuerpflichtige Veranstaltung", warnt Ost, einst ebenfalls Regierungssprecher mit ZDF-Vergangenheit. Will meinen: Bürschchen, die Kollegen werden Dir schon noch ordentlich einheizen. So nett wie neben Gundula Gause wird's bestimmt nicht in Berlin. Auch vermutet Ost, dass es ein Nachteil für Seibert sein wird, nicht aus dem Berliner Betrieb zu stammen. Kohls Ex-Sprecher ist allerdings ein Fossil der Bonner Republik. Gößlings Geschenk wird wohl der bessere Ratgeber sein.

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