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6. Oktober 2009, 18:49 Uhr

Grüne wählen Künast und Trittin zu Fraktionschefs

Einen harten Oppositionskurs wollen die Grünen im Bundestag fahren - diese Maxime haben die frischgewählten Fraktionschefs, Renate Künast und Jürgen Trittin, ausgegeben. Ihr Ziel: die Abwahl von Schwarz-Gelb im Jahr 2013.

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Das neue Führungsduo der Grünen im Bundestag: Renate Künast und Jürgen Trittin© Philipp Guelland/DDP

Die grünen Spitzenkandidaten Renate Künast und Jürgen Trittin sind erwartungsgemäß zu den beiden Vorsitzenden der neuen, von 51 auf 68 Abgeordnete gewachsenen Bundestagsfraktion gewählt worden. Auf Künast entfielen am Dienstag 79,1 Prozent der Stimmen, Trittin erhielt 91 Prozent. Gegenkandidaten gab es nicht. Künast war während der vergangenen vier Jahre bereits Fraktionschefin, ihr bisheriger Co-Chef Fritz Kuhn stellte sich nicht zur Wiederwahl, er strebt die Übernahme eines der bislang fünf Vize-Posten an, die erst Anfang November bestimmt werden sollen.

Der Parlamentarische Geschäftsführer Volker Beck wurde mit 83,8 Prozent der Stimmen in seinem Amt bestätigt. Katrin Göring-Eckardt soll erneut Bundestagsvizepräsidentin werden. Sie wurde mit 82,4 Prozent nominiert.

"Gegenmodell zu Schwarz-Gelb"

Das Führungsduo kündigte einen harten Oppositionskurs an. Ziel sei die Meinungsführerschaft in der Opposition, sagte Künast. Die Grünen wollten sich als Gegenmodell zu Schwarz-Gelb profilieren. Trittin sagte: "Wir wollen in den nächsten vier Jahren Grundlagen dafür legen, dass Schwarz-Gelb im Jahr 2013 in diesem Lande keine Mehrheit mehr hat." Die Grünen seien in der Lage, konzeptionelle Antworten zu geben. Den Anfang werde ein Antrag für einen Untersuchungsausschuss zum Atommülllager Gorleben machen.

Die Grünen hatten bei der Bundestagswahl Ende September zwar mit 10,7 Prozent ihr bestes Ergebnis bei Wahlen im Bund eingefahren. Ihre Wahlziele - Schwarz-Gelb verhindern und drittstärkste Kraft werden - verfehlten sie jedoch deutlich. Die Grünen stellen hinter FDP und Linkspartei die kleinste Fraktion im Bundestag.

Im Vorfeld der Wahl hatten jüngere Grünen-Politiker gefordert, auch der politische Nachwuchs solle bei der Vergabe von Stellvertreter-Posten berücksichtigt werden. So hatte Parteiratsmitglied Arvid Bell in der "taz" gefordert, es dürfe nicht sein, dass sich "nur wieder die alte rot-grüne Garde gegenseitig mit Posten versorgt".

Die Angesehene und der Stratege

Sowohl Künast als auch Trittin waren Minister unter der SPD-geführten Bundesregierung von Ex-Kanzler Gerhard Schröder. Die 53 Jahre alte Künast verschaffte sich unter Schröder zwischen 2001 und 2005 als Verbraucher- und Agrarministerin nach anfänglichen Vorbehalten Ansehen bei den Bauern. Die Realpolitikerin tritt forsch und direkt auf - auch als sie nach dem Gang in die Opposition vor vier Jahren Fraktionschefin wurde. Künast zählt zu den angesehensten Grünen.

Trittin, zwei Jahre älter als Künast, gilt als bester Stratege der Grünen. Er leitete in der Schröder-Regierung von 1998 bis 2005 das Umweltressort. Für viele war der oft lakonisch auftretende Politiker mit kommunistischer Vergangenheit ein rotes Tuch, jedoch konnte er Wahlversprechen vom Atomausstieg bis zum Erneuerbare-Energien-Gesetz durchsetzen. Als Fraktionsvize war Trittin für Außenpolitik zuständig, doch leugnete der Parteilinke Ambitionen in anderen Feldern nicht. Trittin sorgte im Wahlkampf einige Male für jene energischen Auftritte, die seine Anhänger von ihm erwartet hatten - rhetorisch versiert, kampferprobt, aber auch eher witzig als verbissen.

Reuters/DPA
 
 
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