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10. Dezember 2009, 20:23 Uhr

Professoren, auf die Barrikaden!

Die Kultusminister wollen das Bachelor und Master-Studium entschlacken. Das mag die Studenten beruhigen, die Professoren jedoch nicht. Sie müssen die Vorgaben umsetzen - und dürfen sich jetzt in endlosen Sitzungen aufreiben. Ein Kommentar von Sven Becker

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Ein Sarg mit der Aufschrift "Bildung": Studentenproteste bei der Kultusministerkonferenz in Bonn© Oliver Berg/DPA

Am Donnerstagabend haben die Kultusminister und Hochschulrektoren die Reform der neuen Studienabschlüsse Bachelor und Master beschlossen: Stofffülle und Prüfungen sollen begrenzt, die Studienzeiten flexibler gestaltet und ein Hochschulwechsel erheblich erleichtert werden. Vielleicht lassen sich die streikenden Studenten damit beruhigen. Dafür müsste eine andere Gruppe jetzt erst richtig zornig werden: die Professoren.

Sie waren es, die den Wechsel von den etablierten Abschlüssen Diplom und Magister hin zu Bachelor und Master vollziehen mussten. Nicht die Wissenschaftsminister oder Hochschulpräsidenten. Nur ein paar übereifrige Professoren hatten wirklich Lust dazu. Die meisten verteufelten die neuen Abschlüsse, manche wehrten sich bis zuletzt. Am Ende mussten sich alle fügen, sonst drohte Ärger mit der Politik.

Angst vor den Beamten

Denn das seit Jahren in der Wissenschaftspolitik verbreitete Mantra der "Autonomie" ist in Wirklichkeit reine Fiktion: Die Ministerien haben den Hochschulen bei der Umstellung sehr genau auf die Finger geschaut - auch wenn sie selbst keine Ahnung hatten, wie Bachelor und Master überhaupt aussehen sollten. Die Folge: Aus Angst vor den Beamten - und möglichen Klagen wütender Studenten - packten die Professoren lieber mehr Stoff als weniger in die neuen Studiengänge.

In langen Sitzungen mit den Fachkollegen arbeiteten sie neue Studien- und Prüfungsordnungen aus, lernten mühselig, was ECTS-Points und Student Workload bedeutet. Bis heute stapeln sich in den Dekanaten zentnerweise Aktenordner mit neuen Studien- und Prüfungsordnungen. Nach dem Treffen der Kultusministerkonferenz könnten ein paar neue hinzukommen.

Viel Zeit in Sitzungen

Viele Studiengänge müssen jetzt noch mal von Grund auf erneuert werden - zu viel Wissen, zu viele Prüfungen, alles viel zu kompliziert. Das bedeutet aber auch: Die ohnehin schon überlasteten Professoren werden bald viel Zeit in Sitzungen verbringen, anstatt sich ihren immer mehr werdenden Studierenden zu widmen. Das ist schlecht für die Moral - und für die Lehre.

Ein Kommentar von Sven Becker
 
 
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