Glückwunsch, Stephan ähh, wer?

21. Januar 2013, 11:37 Uhr

Nobody schlägt Mac: Der neue Ministerpräsident von Niedersachsen heißt Stephan Weil (SPD). Wer ist der Mann? Sieben Punkte, die Sie wissen müssen.

Zugegeben: Das ist kein Mann, der sich sofort einprägt. Schütteres Haar, randlose Brille, mittlere Größe, schlank - ein vollkommen unauffälliger Typ. Dies war eines der großen Probleme für Stephan Weil (SPD) im Wahlkampf um die niedersächsische Staatskanzlei. Seinen Vorgänger David McAllister kannte jeder, ihn kaum einer. Das wird sich nun schlagartig ändern. stern.de stellt den neuen Ministerpräsidenten vor.

Ein Bürgersmann in der SPD

"Stallgeruch" ist ein wichtiges Kriterium für eine Karriere in der SPD. Heißt: Der Mann oder die Frau muss ein bisschen nach Werkbank, Motorenöl und Empörung riechen. Das ist bei Stephan Weil, 54, so gar nicht der Fall. Der Mann kommt aus einer Akademikerfamilie, ging brav aufs humanistische Gymnasium, lernte Latein und Griechisch und studierte danach - na klar: Jura, übrigens gemeinsam mit Thomas Oppermann, dem Parlamentarischen Geschäftsführer der SPD-Fraktion. Bei den Jusos hat er sich engagiert, aber richtig ausgerastet ist wohl nie, sie nannten ihn schon damals "Helmut Schmidt" und das war nicht freundlich gemeint. Nach dem Studium legte Weil eine ultrasolide Juristenkarriere hin: Rechtsanwalt, Richter, Staatsanwalt, Ministerialrat im niedersächsischen Justizministerium, Stadtkämmerer in Hannover. Erst als er 2006 mit absoluter Mehrheit Oberbürgermeister der Landeshauptstadt wurde, trat er ins Licht der, sagen wir: etwas größeren Politik.

Seine Frau, seine Hobbys, sein Sohn

Auch die Ehefrau passt in den bürgerlichen Lebenslauf des neuen Landeschefs: Rosemarie Kerkow-Weil ist Professorin für Pflegewissenschaften und - noch - Präsidentin der Hochschule Hannover. Das Paar hat einen erwachsenen Sohn. In seiner Freizeit kickt Weil gerne, er ist Fan von Hannover 96. Am liebsten aber rennt er um den hannoverschen Maschsee, eine 5.8-Kilometer-Route, egal ob's regnet oder schneit. Zu Silvester schaffte er die Runde in 28 Minuten und 56 Sekunden. Für sein Alter ein ziemlich guter Wert.

Die Gefühlslage: nüchtern bis trocken

Lästermäuler sagen: Weil lebt seine Emotionen im Stadion aus, wenn Hannover 96 spielt - und zwar nur dort. Er selbst sagt: "Ich werde für meine Gefühle nicht bezahlt." Weil ist eher der Typ eines nüchternen Verwaltungsbeamten, sachlich, ruhig, moderierend, einer, der Konfrontationen nicht mag. Dass er im Wahlkampf die Bemerkung machte, David McAllister sei der "Wackeldackel auf Angela Merkels Hutablage" darf getrost als Maximum Peak seiner Erregungsfähigkeit verstanden werden. Andererseits: Die Ruhe, die Weil vermittelt, zeugt auch von einem gereiften Selbstbewusstsein. Das strahlte er auch im TV-Duell mit McAllister aus - und erzielte so immerhin ein Unentschieden.

Skandale? Nur im Miniaturformat

Von einer Skandalnudel ist Stephan Weil zwar kilometerweit entfernt. Aber im August 2012 war er kurz in den Schlagzeilen der regionalen Presse, weil er eine Rede, die er auf einem Landesparteitag der Sozialdemokraten gehalten hatte, von einer Mitarbeiterin seines Oberbürgermeister-Sekretariats abtippen ließ - ganz klar eine unzulässige Vermischung von Parteiarbeit und öffentlichen Aufgaben. Das Ende vom Lied: Die Verwaltung stellte der Landes-SPD eine Rechnung über 163,04 Euro. Das Geld wurde prompt überwiesen. Angekreidet wurde Weil auch, dass er den Neujahrsempfang des Oberbürgermeisters im Schloss Herrenhausen veranstaltete, das noch gar nicht eröffnet ist. Er solle sich gefälligst nicht als Schlossherr aufspielen, ätzte die CDU. Aber dahinter steckte vielleicht auch nur politische Eifersucht.

Seine Autos

Klar: Die CDU lauerte nur darauf, dass Weil seinen Dienstwagen auch mal für den Wahlkampf benutzt. Das hätten sie ihm gerne politisch aufs Brot geschmiert. Doch dazu kam es nicht. Weil fuhr, die "Bild hat es genau notiert, als Dienstwagen einen schwarzen Audi A6 Diesel mit - nicht eben gerade umweltfreundlichen - 245 PS. Für den Wahlkampf stellte ihm die Partei ein weiteres Fahrzeug zur Verfügung. Einen - schon eher umweltfreundlichen - VW-Passat mit Erdgasmotor und 140 PS. Die Wagenfarbe, natürlich: rot. Als Ministerpräsident könnte sich Weil noch eine Wagenklasse höher genehmigen, McAllister kutschte in einem Audi A8, 4.2., TDI mit langem Radstand durch die Lande. Ob Weil etwas bescheidener sein wird? Abwarten.

Das Verhältnis zu Peer Steinbrück

Hmmm. Der SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat Stephan Weil im Wahlkampf keine Freude gemacht. Im Gegenteil: Dessen Patzer zogen die niedersächsische Landespartei mit nach unten. Weil distanzierte sich vorsichtig von Steinbrück, aber gerade nur so, dass es ihm nicht als Unfreundlichkeit ausgelegt werden konnte. Ein Beispiel: Zu Steinbrücks Lamento über das geringe Gehalt eines Kanzlers bemerkte Weil trocken: "Man geht nicht in die Politik, um reich zu werden." Andererseits lobte er Steinbrück pflichtschuldig - und wohl nicht ganz aufrichtig - als "sehr, sehr guten Kanzlerkandidaten". Vermutlich macht Weil nun drei Kreuze, dass er trotz Steinbrück den Sieg geschafft hat. Ansonsten gilt Weil als gut vernetzt mit der SPD-Spitze: Er unterhält enge Kontakte zu Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und dem Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel. Natürlich kennt er auch seinen Amtsvorgänger und jetzigen Altkanzler Gerhard Schröder. Der habe ihn im Wahlkampf mal sehr beruhigt, erzählt Weil gerne. Als die beiden über Weils geringen Bekanntheitsgrad in Niedersachsen redeten, habe Schröder gesagt, dass er 2005 viel prominenter als Angela Merkel gewesen sei. Genutzt habe es ihm indes auch nichts.

Was Weil will

So richtig viel politischen Spielraum haben Landesregierungen bekanntlich nicht - einzig in der Bildungspolitik können sie zulangen. Weils SPD vertritt auf diesem Feld immerhin einen knackigen Anspruch: Die Studiengebühren, die Niedersachsen erhebt, sollen wegfallen. Außerdem will Weil sämtliche Schulen des Landes zu Ganztagsschulen umbauen lassen, die Gymnasien will er, entgegen anderslautender Vorwürfe aus der CDU, erhalten. Spannend wird die Auseinandersetzung der neuen rot-grünen Regierung mit der niedersächsischen Agrarindustrie, die für ihre Massentierhalt berüchtigt ist: Weil hat angekündigt, den Ökolandbau verstärkt zu fördern. In der Finanzpolitik wird es keine großen Änderungen geben: Auch Weil bekennt sich zur Schuldenbremse und muss deswegen - wie alle anderen Ministerpräsidenten auch - jeden Tag beten, dass die Konjunktur nicht nachlässt und die Steuereinnahmen weiter sprudeln. Sonst wird es ungemütlich.

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