21. Mai 2005, 14:58 Uhr

Westerwelles Jungbrunnen

Die FDP hat gute Aussichten, in Nordrhein-Westfalen Regierungspartei zu werden. Die Möllemann-Nachfolger setzen dabei vor allem auf eines: ein jugendliches Image. Christian Lindner, der Generalsekretär der Partei, ist erst 26. Ein Stimmungsbericht aus Bergheim. Von Florian Güßgen

Der Prediger: In NRW steht Guido Westerwelle im Schatten des verstorbenen Jürgen Möllemann©

In Bergheim im Rhein-Erft-Kreis gibt es nicht viel. 63000 Einwohner, eine etwas triste Fußgängerzone mit vielen italienischen Eis-Dielen, ein neues Konzerthaus. Das war’s. Nur Braunkohle, die haben sie hier in rauen Mengen, der Energieversorger RWE ist der größte Arbeitgeber. An sich ist Bergheim SPD-Land und dennoch kommen heute Abend die anderen – fast die gesammelte FDP-Prominenz des Landes.

Bergheim wartet auf Westerwelle

Es ist halb elf. Das "Riva", ein Pavillon mit Restaurant und Eisdiele, ist hell erleuchtet. Drumherum haben sie gelbe Flecken postiert, Wahlplakate der FDP, viele kleine, auf denen köhlersche Slogans stehen, wie "Arbeit hat Vorfahrt", und "Wechsel sichern", und ein großes, das den hiesigen Landtagsabgeordneten Horst Engel zeigt. Drinnen, im "Riva", stehen an diesem lauen Abend achtzig, vielleicht auch hundert Leute - ein gediegenes aber entspanntes Publikum, größtenteils Parteigänger, etwas weniger als erhofft, aber immerhin. Sie warten auf Guido Westerwelle, den Parteichef. Unermüdlich tourt Westerwelle in diesem Wahlkampf durch das Land, drei, vier Veranstaltungen am Tag. Es riecht nach Wechsel in Düsseldorf. Und da will er die Partei hinter sich wissen, und er will, dass die Partei merkt, dass er sie stützen kann, sie beflügeln kann, mindestens so wie Jürgen Möllemann, der tote Superstar. Dafür legt er sich ins Zeug. Dafür hat er sogar versprochen, nach Bergheim zu kommen. Bald. Heute Abend.

Bürger bemerken Möllemanns Fehlen

"An den Infoständen merke ich das schon", sagt einer der zwei FDP-Vertreter im Bergheimer Stadtrat. "Die Leute sprechen mich auf Möllemann an und sagen: Mensch, schade, dass der nicht mehr da ist. Der hat wenigstens noch gesagt, was er will – auch wenn er danach Ärger bekommen hat. Für mich ist es schwer, den Leuten zu erklären, dass man so heute keine Politik mehr machen kann". Grandiose 9,8 Prozent hatte Möllemann 2000 mit einem furiosen Wahlkampf für die FDP herausgeholt. 2003 kam er bei einem Fallschirm-Unfall ums Leben. Jetzt liegen die Liberalen in den Umfragen bei rund sieben oder acht Prozent. Das reicht, um in den Landtag einzuziehen, das reicht, um gegebenenfalls mit der CDU die Regierung zu bilden - aber es ist weniger als das letzte Mal. Das nagt.

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