Prism-Programme nutzen identische Datenbanken

18. Juli 2013, 07:20 Uhr

Das Prism der Bundeswehr in Afghanistan hat nichts mit dem Prism der NSA zu tun - beteuert der BND. Doch einem Medienbericht zufolge greifen beide Programme auf dieselben Datenbanken zurück.

11 Bewertungen
Prism, Bundeswehr, NSA, Snowden, Afghanistan, Friedrich

NSA-Hauptsitz in Maryland, USA: Was haben das Prism-Programm der NSA und das der Bundeswehr gemeinsam?©

Die US-Spähaffäre wird um einen undurchsichtigen Punkt reicher: Gestern hatten der BND und die Bundesregierung noch offiziell erklärt, es gebe mehrere Prism-Programme, die nichts miteinander zu tun hätten. Zum einen das der NSA, dessen Datenspionage Edward Snowden öffentlich gemacht hatte. Zum anderen das Prism-Programm der Bundeswehr in Afghanistan, das zur Überwachung von Terrorverdächtigen eingesetzt wurde. Ein neuer Medienbericht widerspricht dieser Darstellung.

Die von der Bundesregierung als "nicht identisch" bezeichneten US-Spähprogramme mit dem Namen Prism greifen nach Presseinformationen auf dieselben streng geheimen Datenbanken des US-Geheimdienstes NSA zu. Wie die "Bild"-Zeitung unter Berufung auf gut informierte Quellen in den USA berichtet, speist und bedient sich das in Afghanistan betriebene Prism aus den NSA-Datenbanken "Marina" und "Mainway". In "Marina" werden den Angaben zufolge Internet-Verbindungsdaten gespeichert, während "Mainway" die Verbindungsdaten von Telefonverbindungen archiviert.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) hatte dagegen erklärt, bei dem in Afghanistan verwendeten Prism-Programm handele es sich um ein völlig anderes System. Die Datenbanken "Marina" und "Mainway" werden nach "Bild"-Informationen auch genutzt, um abgehörte und abgefangene Daten deutscher Staatsbürger zu speichern.

Angeblich sieben Anschläge dank NSA-Infos vereitelt

Unterdessen sprechen offizielle Stellen auf einmal von sieben dank NSA-Informationen vereitelten Anschlägen in Deutschland. Diese Zahl habe Verfassungsschutz-Chef Hans-Georg Maaßen am Mittwoch dem Innenausschuss des Bundestages genannt, berichtet die "Mitteldeutschen Zeitung" unter Berufung auf Sitzungsteilnehmer. Maaßen habe diese Fälle im Detail erläutert. Zwei Hinweise hätten demnach auf dieselbe Spur geführt.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte zunächst von fünf vereitelten Anschlägen gesprochen. Sein Sprecher hatte dies später relativiert und gesagt, es könnten auch weniger gewesen sein.

kmi/AFP
 
 
MEHR ZUM THEMA
Legen Sie Ihr Geld richtig an! Legen Sie Ihr Geld richtig an! Der Ratgeber Geldanlage gibt Ihnen Tipps, wie Sie mehr aus ihrem Geld machen. Zu den Ratgebern
 
stern Investigativ
Anonymer Briefkasten: Haben Sie Informationen für uns? Anonymer Briefkasten Haben Sie Informationen für uns? Hier können Sie uns anonym Mitteilungen und Dateien zukommen lassen. Wir behandeln sie vertraulich.
 
 
stern - jetzt im Handel
stern (17/2014)
Der Schicksalsflug